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Gasthaussterben auf dem Land Wenn die Gemeinde dem Wirt Konkurrenz macht

Der Wirt in einem Dorf ist meist Treffpunkt und Nachrichtenzentrale zugleich. Man geht zum Essen hin, aber auch um den neuesten Klatsch zu hören. Das ist in Walkersthofen mit dem Staudenbräu nicht anders. Doch dort sieht der Wirt jetzt seine Existenz bedroht – durch die eigene Gemeinde.

Stand: 30.11.2016

Gasthaus Staudenbräu in Walkertshofen im Lkr. Augsburg | Bild: BR/ Annemarie Ruf

Staudenbräu-Wirt Franz Schorer sieht keine Existenzgrundlage für seinen Betrieb mehr, wenn die Gemeinde ihm das Wasser abgraben will. Seit 1846 bewirtschaft seine Familie bereits den Dorfgasthof in Walkertshofen im Landkreis Augsburg. Doch in den vergangenen Jahren wurde es immer schwieriger.

Nur der Schachverein ist geblieben

Der Veranstaltungssaal im Staudenbräu

Erst wanderten die meisten Vereine, wie die Schützen, der Sportverein oder die Feuwerehr ab und bauten eigene Vereinsheime. Nur der Schachverein nutzt derzeit das Staudenbräu noch als Treffpunkt. Die fehlenden Vereine machte wenigstens der Veranstaltungssaal des Gasthofs mit 250 bis 300 Plätzen noch wett, doch auch das könnte bald vorbei sein.

Neue Dorfmitte dank Bürgersaal

Denn jetzt will die Gemeinde das alte Raiffeisenlagerhaus in Walkertshofen zu einem Bürgersaal umbauen - für mehr als eine Millionen Euro. Bürgermeisterin Margit Jungwirth-Karl will damit eine neue Dorfmitte schaffen.

"Der Umbau der Lagerhalle ist keine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Wir haben uns eigentlich dazu entschlossen, weil wir jetzt eine Förderung dazu bekommen."

Bürgermeisterin Margit Jungwirth-Karl

Bis zu 180 Plätze soll der neue Saal bieten. Gastwirt Franz Schorer bleibe es ja freigestellt, den Bürgersaal zum Beispiel zu beliefern, so Bürgermeisterin Jungwirth-Karl.

Bürgersaal ist umstritten

Dabei sind in der Gemeinde längst nicht alle für den Bürgersaal. Viele halten ihn für überdimensioniert, Anwohner befürchten mehr Verkehr und Lärm. Mit acht zu fünf Stimmen hat der Gemeinderat dem Projekt dennoch zugestimmt. Die Wirte des Staudenbräu könnten dabei auf der Strecke bleiben, und ihre Existenzgrundlage verlieren. Für Wirtin Helga Schorer geht dem Ort dann aber etwas Wichtiges verloren.

"Es steckt bei einer Gaststätte ein bisschen mehr dahinter. Man hat auch das familiäre Umfeld der Gäste im Blick und die brauchen auch oft jemanden zum reden. Das sind oft ältere Leute, die niemanden mehr haben und sie haben da immer ein offenes Ohr und ein offenes Stübchen, wenn sie kommen wollen. In einem Bürgersaal wird das dann nicht mehr möglich sein. Die werden da nicht buchen damit sie sich reinsetzen und einer zum Reden sich daneben setzt."

Wirtin Helga Schorer  

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Leser, Mittwoch, 30.November, 13:40 Uhr

1. Gasthaussterben

Da haben wir es mal wieder, Wer möchte denn Dank Nichtraucherschutzgesetz, gemütlich in einem Gasthof am Stammtisch oder bei einer Skatrunde den Tisch verlassen, um draußen bei schlechtem Wetter sein Pfeifchen zu rauchen.

Man hätte es den Wirten überlassen sollen, ob Raucher oder Nichtraucher Lokal.

Da die Familie seit 1846 ihren Gasthof betreibt, dürfen sie nun lt. Gesetz in Ihren eigenen Räumen nicht mehr rauchen.

  • Antwort von Leser, der den Artikel gelesen hat, Mittwoch, 30.November, 19:04 Uhr

    Was ist denn das für ein Kommentar. Hier geht es null um den Nichtraucherschutz. Hier geht es darum, dass in dem Ort ein Bürgersaal gebaut werden soll, obwohl es dort einen Gasthof mit Veranstaltungssaal gibt. Ein Wirt sieht seine Existenz bedroht von der eigenen Gemeinde, obwohl seine Familie dort schon seit 1846 das Gasthaus betreibt.