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"Kleine Waffenscheine" mehr als verdoppelt Immer mehr Augsburger mit Schreckschusswaffen

In Bayern haben immer mehr Menschen eine Schreckschuss-Waffe. Allein im Großraum Augsburg hat sich die Zahl der "kleinen Waffenscheine" im Jahr 2015 mehr als verdoppelt.

Von: Torsten Thierbach

Stand: 04.01.2016

SIG Sauer Pistole | Bild: picture-alliance/dpa

Gas- oder Schreckschusspistolen: Allein im Großraum Augsburg hat sich die Zahl der dafür nötigen "kleinen Waffenscheine" im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Eine Entwicklung, die nicht nur die Polizei mit Sorge beobachtet, sondern die auch viele Menschen verunsichert.

"Also Ihnen jetzt als Mann würde ich die P-99 empfehlen. Erstens liegt die sehr gut in der Hand. Und dann haben wir das kleinere Modell, die P-22, die geht in die Tasche, da kann man die gut transportieren, man kann sie auch im Handschuhfach gut lagern. Beides sind sehr zuverlässige Waffen. Ich muss aber darauf hinweisen, dass Sie für diese Waffen, wenn Sie sie bei sich tragen, den kleinen Waffenschein beantragen müssen."

Eine Waffenverkäuferin

Kleiner Waffenschein leicht zu haben

Soft-Air-Pistole

Den kleinen Waffenschein haben sich im Jahr 2015 auch mehrere hundert Menschen in Raum Augsburg besorgt. Im Vergleich zu einem richtigen Waffenschein für scharfe Waffen, den neben Jägern, Sportschützen und Politikern kaum sonst jemand bekommt, ist der sogenannte "kleine Waffenschein" relativ einfach zu haben. Die Bedingungen: Mindestalter 18, keine nachgewiesene Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, körperliche und geistige Eignung, heißt es. Sogar wer bereits eine Haftstrafe abgesessen hat, kann einen solchen "kleinen Waffenschein" bekommen. Die Anlaufstellen dafür erfährt man zum Beispiel von den Waffenverkäufern.

Waffenkäufer: Streife lässt auf sich warten

Hier in Gersthofen zum Beispiel hat Bruno von Mengden seinen Fachmarkt für Outdoor, Fischen und Jagen. In seinem Sortiment hat er neben scharfen auch eine größere Auswahl an Gas- und Schreckschusswaffen: Pistolen, Revolver und Gewehre.

"Wenn man da dem Glauben schenken kann, was man so hört von den einzelnen Leuten, dass wenn man die Polizei ruft, weil zum Beispiel sich irgendwelche Gesellen, die nicht so ganz koscher erscheinen, rumtreiben, man teilweise dann zur Antwort bekommt: In ein, zwei Stündchen können wir Ihnen vielleicht eine Streife vorbei schicken. Dann kann man die Leute schon verstehen, dass sie irgendwann sagen: Lieber tue ich dann eine Schreckschusswaffe nach Hause und habe dann einen gewissen Verteidigungseffekt."

Bruno von Mengden

Stimmungstest in Augsburg

Wir machen den Stimmungstest in Augsburg und fragen Männer, Frauen, Jugendliche oder ältere Menschen: Die meisten Augsburger lehnen Waffen in privaten Händen zur Selbstverteidigung ab. Das sei Sache der Polizei, sagen die meisten.

"Also, in Deutschland glaube ich, brauchen wir keine Waffen. Wir sind hier nicht in Amerika. Wir haben hier die Polizei und das reicht, glaube ich. / Ich verstehe jetzt nicht wirklich was das bringen soll, in Notsituationen, also wenn irgendetwas ist. / Es gibt auch andere Möglichkeiten: Erst die Polizei anrufen. Man hat ja immer das Handy dabei."

Meinungen aus Augsburg

Allerdings gibt es auch andere Meinungen:

"Manchmal überlege ich schon selber, ob man sowas auch braucht. ... Also, ich glaube, das ist die Überfremdung, weil man hört immer: die Leute kommen hier unkontrolliert rein und man weiß nicht, wer das ist. Da denkt man schon drüber nach."

Eine Augsburger Meinung

Polizei warnt vor Waffenbesitz

Eine trügerische Sicherheit! Davor warnt auch Augsburgs Polizeisprecher Robert Frank. Er findet: Eine Schreckschusswaffe kann bei Polizeikontrollen sogar richtig gefährlich werden.

"Es ist für einen Polizisten auf der Straße nicht sofort erkennbar, handelt es sich um eine tatsächlich scharfe Schusswaffe oder um ein Schreckschusswaffe. Sie müssen überlegen, die Polizeibeamten werden in ihrem Einschreitverhalten natürlich anders reagieren, ob jemand ohne oder mit einer Waffe vor einem steht."

Polizeisprecher Robert Frank

Erst im November hatten Jugendliche einen Polizeieinsatz bei Göggingen ausgelöst, weil sie in einem Waldstück mit täuschend echten Waffen-Imitaten gespielt hatten. Auch daran ist zu erkennen: Die zunehmende Bewaffnung führt mitunter zu einer steigenden Verunsicherung.


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Karsten Meyer, Donnerstag, 14.Januar, 23:46 Uhr

1. Softair Pistole

Warum haben Sie im Zusammenhang mit dem kleinen Waffencchein und den Schreckschußpistolen eine Airsoftwaffe abgebildet? Es ist unter allen Umständen verboten, eine Airsoftpistole in der Öffentlichkeit mitzuführen (ausgenommen die Airsoft befindet sich in einem abgeschlossenen Behälter, getrennt von Munition).
Auch der kleine Waffenschein berechtigt nicht zum Führen einer Airsoftpistole in der Öffentlichkeit.
Rein theoretisch mit einem großen Waffenschein darf man eine Airsoft mit sich in der Öffentlichkeit führen, aber in diesem Fall kann man/wird man gleich eine richtige Waffe mit sich führen.
Warum also Schreckschußwaffen mit Anscheinswaffen vermischen?

Ach ja, meiner Meinung nach sollte die Schreckschußwaffe wie die Airsoftwaffe behandelt werden, also vom führen in der Öffentlichkeit kommplett verboten werden. Also auch kein Führen mit den kleinen Waffenschein.