5

Hilfe beim Lesen lernen im Allgäu Bello, ich les´ Dir was vor!

Für Kinder mit Leseschwäche ist es schrecklich, vor der Klasse etwas vorzulesen, ins Stocken zu kommen, ausgelacht zu werden. Deshalb bringen die Johanniter Hunde als ermutigende Zuhörer mit in die Schule auf dem Lindenberg in Kempten.

Von: Viktoria Wagensommer und Matthias Lauer

Stand: 21.03.2017

Das Projekt "LeseHunde", das auch in der Klasse 2a der Grundschule auf dem Lindenberg Station gemacht hat, ist im vergangenen Jahr mit dem "Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt" ausgezeichnet worden.

Hunde als dankbare Zuhörer

Das Projekt für Kinder mit Leseschwäche soll Grundschulkindern die Hemmungen vor dem Vorlesen nehmen und ihnen Selbstwertgefühl vermitteln.

Als wir vor Ort sind, sitzt der kleine Adam mit einem Buch auf dem Schoß auf einem Kissen und liest. Der schwarze Labrador Gismo liegt vor ihm auf einer Decke, döst ein bisschen und lässt sich kraulen.
So – ohne dass die Mitschüler zuhören - macht den Zweitklässlern das Vorlesen mehr Spaß als vor der Klasse.

"Ich denk immer, dass die mich auslachen, weil ich nicht gut lesen kann und Hunde können ja nicht lachen. Ich bin nicht so ein Gut-Leser wie andere. Deswegen find ich´s besser, wenn ich´s einem Hund vorlesen kann. Da fühl´ ich mich auch wohler."

Luca und Nick

Vorlesen und Kuscheln 

Zwei Schüler mit Claudia Schindele von den Johannitern und ihrem Schäferhund "Andy"

Die Hunde sind geduldig, sie schnappen nicht, lassen sich streicheln und lecken manchmal sogar die Hand ab. Damit geben die Hunde den Leseanfängern genau das, was sie brauchen, sagt Friederike Mehrhof-Volbert. Sie hat von Lesehund-Projekten an anderen Orten erfahren und es deshalb bei den Johannitern in Kempten auf die Beine gestellt.

"Der Hund nimmt die Kinder an so wie sie sind – mit ihrem Stottern, ihrem langsamen Lesen, mit ihren Schwierigkeiten. So dass sie sich geborgen fühlen."

Friederike Mehrhof-Volbert, Lesehund-Projekt-Leiterin

Die Lese-Hunde beißen nicht

Das war bei den Eltern tatsächlich eines der größten Bedenken, bevor es vergangenen Herbst losgehen konnte. Obwohl alle drei bis vier Hunde, die in die Klasse kommen, einen Wesenstest bestanden haben, musste die Klassenlehrerin Ingrid Hermann zunächst Ängste abbauen:

Hunde zu Besuch beim Elternabend

"Manche Mütter sind auch beim Elternabend auf die Hunde zugegangen und haben mit denen alles Mögliche gemacht, um zu testen: Ist der Hund wirklich kindreif, schnappt der vielleicht doch? Aber die Ängste mancher Mütter sind nicht nachvollziehbar , weil gerade diese Kinder sind hellauf begeistert."

Ingrid Hermann, Klassenlehrerin

Der kleine "Spike" mag Kinder einfach zu gern

Die Schule und die Johanniter zahlen den beiden ehrenamtlich tätigen Lesehunde-Frauchen eine Aufwandsentschädigung.

Ihre vier Hunde sind für die Kinder nicht nur eine tolle Attraktion. Sie bringen bei ihnen – laut Klassenlehrerin Ingrid Hermann -  in Noten messbare Fortschritte.

"Sie werden besser. Also man merkt eindeutig: sie konzentrieren sich mehr, weil der Hund da ist. Es gib auch Untersuchungen, dass gerade das, was man auch sagt, positiv aufs Lesen eingestellt zu sein, gerne lesen mögen. Dass das mit einem Hund  nachhaltig anhält, dass diese Kinder dann zum Leser werden."

Ingrid Hermann, Klassenlehrerin

"Spike" lässt sich sogar auf den Arm nehmen

Selbst diejenigen, die  sich mit dem Lesen noch schwertun, freuen sich über die Besuche der Lese-Hunde, und auch die Hunde mögen ihre Aufgabe. Claudia Schindele von den Johannitern braucht Gismo und ihren beiden anderen Hunden freitags nur das rote Besuchshundehalsband anzuziehen, dann können sie es schon kaum mehr erwarten.

"Denen macht´s total Spaß. Die legen sich da hin, werden gekrault und gekuschelt. Welcher Hund mag das schon nett?"

Claudia Schindele, Johanniter


5

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

websaurier, Dienstag, 21.März, 13:38 Uhr

1. Wenn Bello zum Hasso wird...


Ein altes Sprichwort sagt:
"Hunde die lesen, beißen nicht!"

Hoffentlich ist(bleibt) das auch so! Ich sehe schon eine kreischende Herde gestörter, neurotischer "Mütter", wenn der Bello dann mal "Wuff" macht...