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Ex-Landgasthof in Rieggis Allgäuer Neonazi-Immobilie ist verkauft

Am Amtsgericht Kempten ist eine Oberallgäuer Neonazi-Immobilie versteigert worden. In dem ehemaligen Landgasthof "Alte Sennküche" in Rieggis bei Waltenhofen war über Jahre der Buchversand einer Nazi-Organisation untergebracht.

Stand: 15.01.2016

Außenansicht der Neonazi-Immobilie in Rieggis | Bild: BR/Rupert Waldmüller

Die Immobilie ging bei einer Zwangsversteigerung für 220.000 Euro an einen Privatmann aus dem Allgäu. Was er aus dem alten Gasthof aus den siebziger Jahren machen wird, weiß er noch nicht, sagt aber: "Es wird auf jeden Fall keine Burg für Neonazis werden."

Aushang zur Zwangsversteigerung

Das Haus in dem kleinen Ort Rieggis bei Waltenhofen im Oberallgäu gehörte bis zu der Zwangsversteigerung dem bekannten oberbayerischen Neonazi Anton Pfahler. Er hatte das Gebäude an Mitglieder der völkisch-religiösen und sektenähnlichen „Artgemeinschaft“ verpachtet. Diese betrieben dort weitgehend unbemerkt bis vor kurzem den Buchversand der Neonazi-Organisation.

Als klar war, dass die „Alte Sennküche“ offenbar wegen Finanznöten des Besitzers zwangsversteigert werden muss, brachen die Neonazis im vergangenen Juli ihre Zelte im Oberallgäu ab und verlagerten den Versand – vermutlich nach Sachsen-Anhalt.

Buchversand im Verborgenen

Die Nazis in Rieggis agierten weitgehend im Verborgenen.

Weitgehend unbemerkt und unbehelligt hatte der Buchversand der Neonazi-Organisation "Artgemeinschaft" Bestseller der Szene wie "Ahnenverehrung", "Brauchtum im Artglauben" und "Germanische Schöpfungssagen" aus dem Allgäu nach ganz Deutschland verschickt.

Über Jahre hinweg hatte kaum einer von dem Buchdienst der nicht unbedeutenden Neonazi-Organisation Notiz genommen. Auch die Polizei wusste nichts von den Aktivitäten der Neonazi-Sekte in der Region. Lediglich der Verfassungsschutz gibt an, ihm sei der Nazi-Buchversand im Oberallgäu bekannt gewesen.

Erster Versteigerungstermin gescheitert

Die Neonazis haben in dem alten Landgasthof offenbar ohne Öffentlichkeit agiert. Größere Veranstaltungen gab es dort laut Verfassungsschutz nicht, auch keine Polizeieinsätze. Ende Juli hatte es schon einmal einen Versteigerungstermin für die "Alte Sennküche" gegeben. Damals fand sich kein Käufer für das Gebäude.


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