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Sensationsfund in Veitriedhausen Jahrhundetealter protestantischer Abendmahlskelch

In Veitriedhausen, einem kleinen Ort bei Lauingen, leben etwa 200 Leute. Und obwohl den Bewohnern bislang schon klar war, dass ihr Ort eine interessante Historie hat, den Sensationsfund, den sie jetzt in ihrer Kirche gemacht haben, hätten sie wohl nicht erwartet.

Von: Judith Zacher

Stand: 18.04.2017

Leonhard Bertenbreiter und Michael Jerszynsky wollten eigentlich die Geschichte von Veitriedshausen in einem Film verarbeiten. Zur Recherche stiegen sie auch auf den Dachboden der kleinen Dorfkirche und entdeckten dort Außergewöhnliches. Hinter der großen Glocke war zwischen dem Gebälk eine Kiste versteckt. Auf den ersten Blick waren darin nur ein paar alte Zinngefäße, doch eines davon entpuppte sich als seltenes Exemplar eines Abendmahlskelchs.

Farbe des Kelches machte stutzig

Kreisheimatpfleger Alois Sailer ist stolz auf den Fund.

Die Farbe des Kelches war es, der die beiden Neugierigen stutzig machte. Denn das Gefäß war nicht, wie in der katholischen Kirche üblich, vergoldet oder versilbert, sondern aus einfachem dunkelgrauen Zinn. Weil sich Leonhard Bertenbreiter und Michael Jerszynsky auf diesen Kelch in ihrer katholischen Kirche keinen Reim machen konnten, fragten sie dann Kreisheimatpfleger Alois Sailer um Rat.

"Dann habe ich gewusst, dass die Kirche ein paar Jahre auch evangelisch war. Dann bleibt als Einziges: das muss ein evangelischer Kelch sein, weil er ja innen nicht vergoldet ist."

Kreisheimatpfleger Alois Sailer

Versierter Handwerker formte den Kelch

Der Kelch stammt also aus einer Zeit, in der die Kirche evangelisch war. Damals gab es in der Region viele Zinngießer gegeben - doch nur wenige hätten einen solchen Kelch formen können.

"Die Leute haben ja nur Haushaltsgegenstände gemacht. Auch Becher natürlich. Aber diese großartige Form – das muss ein Mann gewesen sein, der einiges verstanden hat."

Kreisheimatpfleger Alois Sailer

Inspiration in Augsburg?

Sailer geht davon aus, dass der Handwerker, der den Kelch formte, einmal in Augsburg gewesen sein muss. Dort hat er wohl die Brunnen in der Maximilianstraße gesehen und ist mit der Renaissance in Verbindung gekommen. Der Kreisheimatpfleger vermutet, dass der Kelch aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt. Davon, dass der Abendmahlskelch so gut erhalten ist, ist Michael Jerszynsky immer noch begeistert.

"Der hat die Reformation überlebt, den 30-jährigen Krieg überlebt, die Napoleonischen Kriege überlebt, den Franzosenkrieg, den ersten, den zweiten Weltkrieg und das ist dann natürlich schon eine Besonderheit."

Michael Jerszynsky

Glücksfall für Reformationsausstellung

In einer Nische hinter der Glocke fand sich der Kelch.

Wie die Veitriedshausener inzwischen herausgefunden haben, handelt es sich bei ihrem Kelch um das einzig bekannte Exemplar aus dieser Zeit nördlich der Alpen. Das haben auch zahlreiche Historiker sowie die Kunstbeauftragten der evangelischen Kirche in Bayern bestätigt.

Die Veitrriedshausener macht ihr Fund zurecht stolz und auch im oberbayerischen Neuburg an der Donau freut man sich darüber. Dort gibt es zum Reformationsjubiläum im Sommer die Ausstellung "Fürstenmacht und wahrer Glaube" zu sehen. Dafür gab es zwar viele Gegenstände aus katholischen Kirchen aus dieser Zeit – aber von der evangelischen Seite hatten die Ausstellungsmacher so gut wie nichts.

"Man hat bei einer bundesweite Suche nach Exponaten für diese Ausstellung nichts gefunden und diese Organisatoren sind jetzt Gott froh, dass wir diesen Kelch gefunden haben."

Michael Jerszynsky

Als Leihgabe wird der Kelch nun im Sommer in der Ausstellung gezeigt, um dann wieder nach Veitriedhausen zurückzukommen. Wo er bis zur Ausstellung versteckt wird – das verraten die Veitriedshausener aber nicht.


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Renate E., Mittwoch, 19.April, 13:11 Uhr

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Super! Bitte gut aufpassen, denn heutzutage bekommt leider sogar die metallene Grabverzierung auf dem Friedhof "Beine"...