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Nominiert für den Europäischen Erfinderpreis Watte aus Derching entfernt Öl aus Wasser

Öl aus Wasser herausfiltern, ohne Rückstände - das ist ein Problem, vor dem die Spezialisten nach jeder Öl-Verschmutzung stehen. Eine speizielle Watte könnte die Lösung sein. Ein Derchinger ist deshalb für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

Stand: 14.06.2017

Ernst Krendlinger hält einen Bausch Pure-Watte. | Bild: BR/Torsten Thierbach

Wie bei vielen anderen, die wegweisende Dinge entdeckt haben, so war es auch bei  Ernst Krendlinger. Eigentlich tüftelte der Derchinger an etwas ganz anderem.

"Ursprünglich ging's darum ein neues Wachs zu entwickeln, womit das Ferrari-Rot besser produziert werden kann. Denn das kennt ja wahrscheinlich jeder: Ein rotes Auto sieht nach ein paar Jahren auf der Motorhaube nicht mehr so schön rot aus. Es verblasst."

Erfinder Ernst Krendlinger

Doch im Jahr 2008 vertut sich ein Mitarbeiter in der Produktion, stellt an der Anlage unter anderem einen falschen Druck ein. Und herauskommt kein kleinkrümeliges Pulver wie erwartet, sondern eine weiße Watte.

Ernst Krendlinger hält einen Bausch Pure-Watte.

"Das war dann schon, dass die halbe Halle voll war. Da wurde dann schon die Nacht durch produziert. Und dann waren da schon sieben bis acht Tonnen da. Und dann hab ich mir gedacht: Weggeschmissen ist es schnell. Die stellen wir jetzt mal in die Ecke und schauen uns das mal genauer an. Vielleicht ist es ja etwas, was uns in einer anderen Anwendung gefallen könnte."

Ernst Krendlinger

Dass der Derchinger vielleicht das Mittel in den Händen hält, um die Ölverschmutzungen weltweit in den Griff zu kriegen, das ahnt er damals noch nicht. Und so fristet die Watte zunächst ein monatelanges Schattendasein. Bis zu jenem Tag, an dem einem Mitarbeiter eine Handvoll dieser Watte in eine mit Öl verschmutzte Pfütze fällt. Und siehe da: dieser unscheinbare Bausch saugte das komplette Öl heraus. Zurück blieb nur das Wasser.

"Da hat's natürlich Klick gemacht und wir sind dann relativ zeitig an die Ölfirmen ran."

Ernst Krendlinger

Die müssten ja ein riesiges Interesse an der ölaufsaugenden Superwatte haben. Immerhin kann sie das Siebenfache ihres eigenen Gewichts an Öl aufsaugen. Aber:

"Das wurde gleich an der Oberfläche abgeblockt, sodass wir eigentlich der Überzeugung sind, dass die Ölfirmen eigentlich gar nicht das Interesse haben, wenn sie Öl verlieren, auf einer Bohrinsel zum Beispiel oder bei einem Tanker, das Öl wieder rausholen und wiederverwenden wollen. Die wollen das Öl eigentlich nur verstecken, dass man es nicht sieht. Also, da sind wir eigentlich aufgelaufen und das haben wir dann auch relativ schnell aufgegeben."

Ernst Krendlinger

Immerhin kam die Superwatte, die inzwischen auf den Namen "Pure" hört, bereits 2010 nach der Ölkatastrophe im Niger-Delta zum Einsatz. In Deutschland benutzen sie unter anderem Feuerwehr und THW. Und Ernst Krendlinger und seine Kollegen sind für den Europäischen Erfinderpreis 2017 nominiert, der am Donnerstag (15.06.17) in Venedig vergeben wird.

"Ich sag mal, ich bin ja ein Fußballer: Der zweite Platz ist ja schon fast nichts wert. Also, wenn, dann wollen wir jetzt schon Erster werden!"

Ernst Krendlinger


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highwayfloh, Donnerstag, 15.Juni, 17:10 Uhr

3. Super Sache

Wenn es dann noch so ist, dass das aufgesaugte Erdöl wiederum neu verwendet werden kann um so besser! Endlich mal eine sinnvolle Erfindung, welche der Menschheit und der Umwelt wirklich nützt. Gratulation!

Alternativjournalist, Mittwoch, 14.Juni, 12:11 Uhr

2. Klingt schön, aber...

Ich finde es gut, dass ein Stoff gefunden wurde, mithilfe dessen man Wasser von Öl befreien kann. Allerdings muss meiner Meinung nach noch unbedingt untersucht werden, ob der Stoff sonst nichts giftiges ins Wasser absondert, oder ob er bei der Entsorgung Probleme für die Umwelt darstellt. Falls ja, sollte erst nachgebessert werden, bevor der Erfinderpreis verliehen wird.

  • Antwort von Franz, Mittwoch, 14.Juni, 15:30 Uhr

    Macht es eigentlich Spaß, immer das Haar in der Suppe zu suchen ?

bayer, Mittwoch, 14.Juni, 09:11 Uhr

1. Erfindung

Hut ab vor Herrn Krendlinger und seinem Team. Wünschen ihnen allen erdenklichen Erfolg.

  • Antwort von Chris, Mittwoch, 14.Juni, 10:20 Uhr

    Da kann ich mich nur anschließen, ich hoffe diese Watte findet noch weitere Verbreitung und Verwendung.
    Von solchen Nachrichten und Erfindungen bräuchten wir noch viel mehr!