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Schottdorf-Urteil erwartet Anklage fordert Haft und Millionen-Bußgeld

Im Prozess vor dem Landgericht Augsburg gegen den Laborarzt Bernd Schottdorf und seine Ex-Frau hat die Staatsanwaltschaft jeweils viereinhalb Jahre Haft sowie 15,8 Millionen Euro Bußgeld gefordert. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Das Urteil soll am Mittwoch (13.01.2016) ergehen.

Stand: 11.01.2016

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 75 und 61 Jahre alten Angeklagten gewerbsmäßigen Betrug vor: Sie sollen zwischen 2004 und 2007 kassenärztliche Vereinigungen in 124 Fällen um insgesamt fast 13 Millionen Euro geschädigt haben. Über scheinselbstständige Ärzte mit ihren Labors im ganzen Bundesgebiet sollen sie vorgeschriebene Rabatte an die Kassen umgangen und somit bei der Abrechnung von Laborleistungen zu viel kassiert haben.

Wichtige Entscheidungen über Personal oder Gehalt in den scheinbar selbstständigen Außen-Labors seien aber laut Staatsanwaltschaft stets in Schottdorfs Zentrale in Augsburg getroffen und abgerechnet worden. Die Kassen hätten es ihnen aber auch leicht gemacht und das System mit den scheinselbstständigen Ärzten nie geprüft.

Staatsanwaltschaft sieht "erhebliche kriminelle Energie"

Zur Begründung erklärte Staatsanwältin Simone Bader, beide Angeklagten hätten das System mit erheblicher krimineller Energie umgesetzt. Bernd Schottdorf habe das geplant und seine damalige Frau, von der er seit November geschieden ist, habe es dann bis ins letzte Detail umgesetzt. Der eine hätte das nicht ohne den anderen erreichen können, so die Staatsanwältin. 

Aus ihrer Sicht hat Schottdorf die Außenlabors in deutschen Städten gegründet, um Rabatt-Regeln zu umgehen. Denn ab einem bestimmten Auftragsvolumen müssen Laborärzte den Kassen Rabatte gewähren. Um diese Rabatte und die damit einhergehenden Umsatzeinbußen zu vermeiden, soll Schottdorf laut Staatsanwaltschaft Laboranalysen über scheinselbstständige Ärzte in anderen Bundesländern abgewickelt haben.

Verteidigung fordert Freispruch

Es gebe keine Tat, kein Motiv und keinen Schaden, erklärten hingegen die Anwälte von Bernd Schottdorf in ihrem Plädoyer. Auch die Verteidiger von Schottdorfs Ex-Frau Gabriele erklärten, sie sähen keinerlei Straftaten.

Angeklagte gaben an, nur "näher am Kunden sein zu wollen"

Die Laborgruppe Schottdorf in Augsburg

Beide Angeklagte haben vor Gericht ihre Unschuld beteuert. Sie hätten mit den Labors bundesweit präsent und näher am Kunden sein wollen. Bernd Schottdorf sagte, dass er eigentlich gar nicht wisse, warum er jetzt vor Gericht steht und dass die Vorwürfe alle falsch seien. Er habe wie andere Firmen wachsen wollen. Die von ihm angestoßene Industrialisierung in der Labormedizin habe dazu geführt, dass im Gesundheitssystem Milliarden eingespart wurden, hat sich Schottdorf vor Gericht verteidigt. Er sei jedenfalls davon ausgegangen, dass alles rechtens ist. Das Urteil will die Strafkammer an diesem Mittwoch (13.01.16) verkünden.

Europas größte Laborgruppe

Bernd Schottdorf hat in Augsburg Europas größte Laborgruppe mit 1.800 Mitarbeitern aufgebaut. Deutschlandweit arbeitet er eigenen Angaben zufolge mit rund 13.000 Ärzten zusammen, davon mehr als 3.000 in Bayern. Seine Ex-Frau Gabriele ist alleinige Geschäftsführerin, er selbst hat sich aus dem Unternehmen zurückgezogen.

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Wolfgang Huber, Montag, 11.Januar, 17:40 Uhr

1. Näher am "Kunden"...

An den "SYNLAB"-Labore des Herrn Schottdorf sollte kein Arzt mehr rumkommen. Die "Kunden", also die Ärzte waren allesamt Teil des durchsichtigen Spiels. Hier haben nicht nur die Kassen, sondern auch die Aufsichtsbehörden beide Augen zugedrückt. Es ging um Millionen auf Kosten der Solidargemeinschaft. Ich bat meinen Arzt, auf ein anderes Labor auszuweichen: Ich musste den Arzt wechseln!