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Ohne Lohn nach Hause Rumänische Bauarbeiter klagen Geld ein

Wurden in Augsburg rumänische Bauarbeiter abgezockt? Mit dieser Frage muss sich das Augsburger Arbeitsgericht am Montag (03.08.15) bei einer Güteverhandlung befassen.

Stand: 03.08.2015

30 Rumänen haben Klage eingereicht und geben an, keinen Lohn für ihre Arbeit auf einer Baustelle im Augsburger Textilviertel erhalten haben. Für die Monate April, Mai und Juni macht jeder von ihnen insgesamt etwa 7.000 Euro netto geltend. Der Auftraggeber, eine Augsburger Firma, argumentiert, dass der Lohn ordnungsgemäß an einen rumänischen Subunternehmer ausgezahlt worden sei.

Für das Gericht stellt sich nun die Frage, ob die Rumänen im Rahmen ihres Vertrages die geforderte Leistung erbracht haben, ob also ihre Ansprüche gerechtfertigt sind und ob sie ihr Geld ordnungsgemäß erhalten haben oder nicht. Die Arbeiter geben vor, lediglich einen Abschlag bekommen zu haben. Da ihr Subunternehmer möglicherweise abgetaucht ist, wollen sie nun die Auftraggeber in die Pflicht nehmen.

Unternehmer aus der Region stellen Reisebus und Verpflegung

Die Arbeiter vor dem Bus, der sie nach Hause bringen soll. Auch eine örtliche Brauerei hat Verpflegung für die lange Fahrt gestiftet.

Mitte Juli reisten die Rumänen nach Hause. Viele Sponsoren aus der Region, darunter Bäcker, Metzger und Brauer aus Augsburg unterstützten die Arbeiter und spendierten Brotzeit und Geld. Das Busunternehmen, für das Bayern 1-Hörer Arno Fottner arbeitet, stellte ihn und einen Kollegen als Fahrer ab – und dazu einen Reisebus für die weite Fahrt nach Bukarest.

Ein Fall, den es immer wieder gibt

Die Bauarbeiter fuhren mit gemischten Gefühlen nach Hause. Sie stehen am Ende einer langen Kette von Vertragsnehmern auf deutschen Baustellen. Ein undurchsichtiges Geflecht an Auftraggebern und Subunternehmern sorgt dafür, dass letztendlich die einfachen Arbeiter aus dem Ausland oft leer ausgehen, sagt Michael Fröschl. Der Anwalt vertritt die Bauarbeiter.

"Wir haben einen Bauherren, wir haben einen Generalunternehmer, der den Auftrag vergeben hat an eine weitere GmbH. Die hat den Auftrag dann wiederum an eine rumänische Firma vergeben, die die Auftraggeberin der Bauarbeiter ist. Wir haben also vier Teile in dieser Kette und dann kann man sich das eigentlich ganz gut vorstellen, dass, wenn die Preise knapp kalkuliert sind, unten einfach nichts ankommt."

Michael Fröschl, Anwalt der Bauarbeiter

Irgendwo in dieser Kette ist das Geld für die Bauarbeiter verschwunden. Es geht um mehrere Tausend Euro pro Arbeiter. Damit sie nicht ganz ohne Geld in Bukarest ankommen, sollte jeder von ihnen ein Handgeld mit auf den Weg bekommen haben. Offiziell bestätigen wollte den Betrag von 1.000 Euro niemand. Das Geld kommt offenbar vom Grundstückseigentümer, der übrigens immer beteuert hat, seine Rechnungen beglichen zu haben.


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