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Ein Dorf kämpft gegen den Digitalfunk "Wir haben Angst vor Krebs"

Im schwäbischen Rehling stimmt was nicht: Überall hängen Plakate gegen einen geplanten Digitalfunk-Sendemast. Die Bewohner sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder. Aber wie gefährlich ist die Strahlung wirklich?

Von: Andreas Herz

Stand: 17.08.2017

Protesttransparent gegen Digitalfunk in Rehling | Bild: BR/Andreas Herz/Gemeinde Rehling

Der Rehlinger Gemeinderat Hubert Limmer steigt die Lechleite hinauf. Dorthin, wo der rund 40 Meter hohe Sendemast für den Tetrafunk entstehen soll. "Von hier sehen wir schöne Häuser von jungen Familien, die hier investiert haben", erklärt Limmer. "Wir sehen den Kindergarten und die Schule, die auf der gleichen Höhe liegen wie einmal die Spitze des Sendemastes."

Hubert Limmer | Bild: Gemeinde Rehling

Gemeinderat Hubert Limmer

Die Kinder würden die Strahlen deshalb voll abbekommen, erklärt Limmer, der mit anderen Rehlingern eine Bürgerinitiative gegen den Mast gegründet hat. "Wir haben Angst vor Krebs, vor Tumoren."

Der Physiker Klaus Buchner von der ÖDP, ein erklärter Kritiker des Digitalfunks, bestärkt Gemeinderat Limmer in seinen Befürchtungen. Auch Buchner spricht von Krebsgefahr durch die Funkwellen, auch Erbschäden würden drohen, da die Strahlung tiefer eindringe als etwa der Mobilfunk. In einer Studie mit Tausenden Ferkeln seien "ungeheure Missbildungen" beobachtet worden.

Der Physiker Klaus Buchner

Buchner ist eigens nach Rehling gekommen, um die Bürger in einem rund einstündigen Vortrag über seine Sicht in Sachen Tetrafunk aufzuklären, den Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bayernweit nutzen.

LKA-Mann: "Horrormärchen"

Franz Xaver Birk vom Landeskriminalamt, das für den Digitalfunk zuständig ist, kann darüber nur den Kopf schütteln. Er sieht Buchner, gelinde gesagt, kritisch. Buchner habe in seinem Vortrag "Horrormärchen" verbreitet, er argumentiere sehr unwissenschaftlich. Die Angst der Bürger habe er bewusst geschürt.

Franz Xaver Birk vom LKA

Das LKA wie auch das Bundesamt für Strahlenschutz erklären, dass es keinerlei Belege für Gesundheitsgefahren durch Tetrafunk gebe, auch wenn die Strahlung - wie von Buchner behauptet - tiefer eindringt. Zudem seien die geltenden Grenzwerte, die laut dem Bundesamt strikter ausgelegt sind als beim Mobilfunk, "bei einer völligen Auslastung der Funkwelle erstellt worden, in Gebieten, in denen kranke Menschen und auch Kinder leben", führt Regierungsrat Birk vom LKA aus. "Und auf diesen Grenzwert wurden noch einmal hundert Prozent Aufschlag als Sicherheit eingerechnet."

Warum auch der Bürgermeister sauer ist

Die Rehlinger befürchten jedoch, dass es nicht beim Tetrafunk bleibt, sondern dass auch Sender für den Mobilfunk auf dem Mast installiert werden, was durchaus realistisch ist. Und auch was die Standortsuche für den Mast anbelangt, fühlt man sich in der Gemeinde vom LKA übergangen.

Haus in Rehling mit Protest-Plakaten

Das LKA habe mit einem älteren Grundstückseigentümer einen verbindlichen Mietvertrag geschlossen, erklärt Bürgermeister Alfred Rappel. "Dann zur Gemeinde zu gehen, nach dem Motto 'Wir fragen Euch zwar. Aber wenn ihr nein sagt, können wir den Mast trotzdem bauen, weil wir einen wasserdichten Vertrag haben' – das ist nicht ganz so fair, wie wir uns das gewünscht hätten."

Nun soll ein Runder Tisch die Wogen glätten. Ein Gutachter sucht im Auftrag der Gemeinde nach alternativen Standorten. Denn alle bislang getesteten Standorte außerhalb Rehlings hatten den technischen Anforderungen des LKA nicht genügt. Gemeinderat Limmer hofft auf eine gütliche Einigung. So recht daran glauben mag er aber nicht. Eine Klage sei bereits in Vorbereitung.


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Holger R., Samstag, 19.August, 22:04 Uhr

45. Lächerlich...........oder doch traurig?

Ist es nun lächerlich oder traurig, was mit den Funkphobikern da so abgeht? ÖDP das sagt schon alles. Es gibt keine einzige Studie, die irgedwie eine Gefährlichkeit von Funkwellen bestätigt. Aber viele, die es widerlegen. Aber oft geht das ja schon in die Esoterik. Beim Anblick einer Amateurfunkantenne bilden sich manche schon Beschwerden ein, obwohl die Antenne nicht mal angeschlossen ist. Genauso wie die selbst ernannten Elektrosensibelchen. Ja das geht sogar soweit, dass man dann noch irgendwelche Erdstrahlen ran nimmt. Das ganze ist einfach nut extrem lächerlich.............oder traurig, je nach Standpunkt
Aber ist ja immer so bei technischen Neuerungen.

Jurek W., Samstag, 19.August, 14:58 Uhr

44. Man sorgt sich auf hohem Niveau.

Wäre es wirklich so gefährlich im Land, gäbe es wohl nicht so viele alte Menschen mehr. Die Lebenserwartung nimmt ständig zu, aber die Leute geraten wegen immer anderer Gründe in Panik. Mal sind es Fleischskandale, mal sind es Eierskandale, hier ist es die Strahlung. Meine Güte, lebt doch euer Leben, genießt jetzt, was euch an Frieden und Wohlstand gegeben ist.

Crazy Radio, Freitag, 18.August, 23:12 Uhr

43. Leute, ihr macht euch verrückt

Wir sind ständig Strahlung ausgesetzt. Könnten unsere Augen Strahlung "sehen", wären wir blind.
Kosmische Strahlung, natürliche Radioaktivität, Sonnenstürme sind alles natürliche Strahlenquellen.

In der Tat ist die Frequenz wichtig. Harte Strahlung wie es Gammastrahlung ist, wäre bei entsprechender Exposition und Leistung sehr gefährlich bzw. tödlich. Extrem entscheidend über die tatsächliche Gefährlichkeit ist jedoch die Leistung einer elektromagnetischen Quelle und die Dauer der Einwirkung auf einen Körper. Dafür gibt es den SAR-Wert der auf jedem "Beipackzettel" eines Smartphones steht. Die Leistung eines Smartphones und der Mobilfunkstation sind sehr klein. Genauso ist es mit Funkgeräten oder Wifi usw. - alles kleinste Pillepalle.

Hohe Leistungen und hohe Frequenzen werden z.B. bei der Radarüberwachung genutzt. Unsachgemäß arbeitende Bundeswehrsoldaten mussten Gesundheitsschäden hinnehmen.
Leistung, Frequenz und Dauer der Intensität machen die Gefährlichkeit. Wie bei allem!

Peter, Freitag, 18.August, 11:14 Uhr

42.

Die Strahlung sieht man nicht, ist also harmlos. Gammastrahlung, Mikrowellen, Bahnstrom (30Hz), etc. alles nicht so schlimm, weil unsichtbar.
Herr, lass Hirn regnen...

  • Antwort von Stephan, Freitag, 18.August, 12:18 Uhr

    Bahnstrom hat 16 2/3 Hz und ist etwas grundlegend anderes als Gammastrahlung - bitte vor dem Dummschwätzen besser informieren. Gammastrahlung ist tatsächlich äußerst schädlich. Wenn Bahnstrom genauso gefählich wäre, dürfte kein einziger Zugführer das Rentenalter erleben, oder? Der sitzt schließlich den ganzen Tag direkt unter der Leitung...
    Um beim Thema zu bleiben: Tetrafunk 400MHz) gehört noch nicht zu den Mikrowellen. WLAN (2,4 GHz) sehrwohl.

  • Antwort von Mickel, Freitag, 18.August, 12:21 Uhr

    Das denk ich mir bei solchen Kommentaren auch.

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 18.August, 12:35 Uhr

    @ Peter:

    Bahnstrom in Europa, 50HZ, 16 2/3Hz und Gleichspannung, historisch 42Hz und 25Hz, nie 30Hz.

  • Antwort von S. I. Emens, Freitag, 18.August, 12:42 Uhr

    Bahnstrom (in D): seit 1995 16,7 Hz, 30 Hz gibt’s nirgends.

Wolfgang, Freitag, 18.August, 10:54 Uhr

41. Warum soviel rumgefunke, wirklich nötig, Kosten?

Abgesehen von der hier diskutierten Sache mit TETRA für Behörden, warum soviel rumgefunke?

1. Modenre Smartphones haben mehr als genug Speicherkapazität um Musik und Filme für Unterhaltung off-line zu nutzen. Ebenso für hervorragende Landkarten von halb Europa inkl Stadtplänen, offline!

2. Die Datenraten vom GSM reichen für wichtige Informationen völlig aus.

3. WLAN, wozu oder warum soviel? In Gebäuden können auch nachträglich problemlos optische extrem dünne Datenverbindugnen verlegt werdne.

4. Für öffentlichen Datenzugang könnten auch extrem robuste optische standarisierte Datensteckdosen eine neue Norm werden, in Cafes, an Wartebänken von Bahnhöfen, im Zugabteil usw. Ähnlich wie der Service-Anschluß an der Frontseite von neuen Miele Waschmaschinen.

Und die Bilder vom Enkel bei einem Zoobesuch sind nicht so wichtig daß die erst am Abend per Ethernet versendet werden könnten.