45

Allgida-Demo in Obergünzburg "Voller Hass, Abscheu und Menschenfeindlichkeit"

Der Schock in Obergünzburg (Lkr. Ostallgäu) nach der unangemeldeten Kundgebung des Pegida-Ablegers Allgida am Wochenende sitzt immer noch tief. "Das waren keine Wutbürger, das waren randalierende Neonazis", sagt Bürgermeister Lars Leveringhaus.

Stand: 22.02.2016

Leveringhaus war sichtlich mitgenommen, als er am Vormittag mit seinen beiden Stellvertretern vor die Presse trat:

"Es war eine aggressive Stimmung, ich habe in Gesichter voller Hass, Abscheu und Menschenfeindlichkeit geblickt."

Bürgermeister Lars Leveringhaus (Mitte) zwei Tage nach der Allgida-Demo

Der Bürgermeister war selbst unter den rund 50 Gegendemonstranten am Samstagabend auf dem Marktplatz. "Das waren keine Wutbürger, das waren randalierende Neonazis", sagt Leveringhaus. Rund 150 Allgida-Anhänger hatten gegen die Flüchtlingspolitik demonstriert. Die Polizei ermittelt, weil die Demo unangemeldet war und offensichtlich ein Verstoß gegen das bayerische Versammlungsgesetz vorliegt.

Mehr Aufmerksamkeit als in München

Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Drahtzieher nicht aus seinem Ort stammen, sondern wohl organisiert von außen kamen. Warum sich die Pediga-Sympathisanten ausgerechnet Obergünzburg für ihre Kundgebung ausgesucht haben, kann sich Leveringhaus nicht erklären. Er glaubt, dass Rechtsextremisten die 6.000-Einwohner-Gemeinde im Ostallgäu ausgewählt haben, weil 150 Demonstranten hier mit mehr Aufmerksamkeit rechnen können als etwa in München am Stachus.

Dass es Aufrufe zu einer Allgida-Demo in Obergünzburg gibt, war Polizei und Behörden bekannt. Doch da es bisher noch keine Aktionen dieses Pegida-Ablegers gab, waren Gemeinde, Landratsamt und Polizei davon ausgegangen, dass es zu dem Aufmarsch nicht kommen wird. Die Behörden wurden eines Besseren belehrt und beraten nun, wie sie in Zukunft auf ähnliche Allgida-Ankündigungen reagieren sollen.

"Das macht mich sehr traurig. Aber das bestärkt mich, dass wir unser Engagement in Unterbringung und Integration von Flüchtlingen verstärken. Denn das ist nicht Obergünzburg!"

Bürgermeister Leveringhaus am Tag nach der Allgida-Demo

Hitlergruß?

Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz seien die Pegida-typischen Parolen wie "Merkel muss weg!" und "Wir sind das Volk!" gerufen worden, so der Bürgermeister bereits am Sonntag zum BR. Einem Zeitungsbericht zufolge trugen die Demonstranten Fackeln und Deutschlandfahnen. Auch der Hitlergruß sei gezeigt worden. Das konnte die Polizei am Sonntag aber nicht bestätigen.

"Wir haben keine Erkenntnisse, dass es hier speziell eine rechte Szene gibt, also feste Strukturen. Aber es gibt im Allgäu Personen, die der rechten Szene angehören. Die sind polizeibekannt und stehen im Focus der Kripo."

Susanne Höppler, Polizeipräsidum Kempten

Die Polizei sprach von "Personen, die die derzeitige Migrations- und Asylpolitik kritisch sehen und auch Personen des rechten Spektrums". Ausschreitungen oder Gewalt habe es nicht gegeben. Nach gut einer Stunde, gegen 20.15 Uhr, löste sich die Demo auf. Die Polizei, die mit 60 Kräften im Einsatz war, blieb aber zur Sicherheit noch einige Zeit präsent.

Gewerkschaft Verdi verurteilt Demo

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verurteilt in einer Presseerklärung fremdenfeindliche Äußerungen und Bündnisse auf der so genannten "Allgida"-Demonstration in Obergünzburg am Wochenende. Der Kemptener Verdi-Sekretär Werner Röll erklärt darin, dass "Rassismus unserem Ruf im Allgäu als Tourismusregion immens schadet, dem Steuerzahler hohe Kosten verursacht und letztlich in eine intolerante Gesellschaftsform führt, an der niemand mit gesundem Menschenverstand Interesse haben kann."


45