8

Otting nach dem Jahrhundertunwetter "Unser Dorf ist mehr oder minder abgesoffen!"

In Otting im Landkreis Donau-Ries geht das große Aufräumen nach dem Unwetter weiter. Das Ausmaß der Schäden sei erst im Laufe des Tages sichtbar geworden, sagte Bürgermeister Herbert Löfflad auf einer Pressekonferenz. Jedes zweite Haus sei betroffen.

Von: Judith Zacher

Stand: 16.08.2017

Nach einem Unwetter mit Starkregen steht am 15.8.2017 die Haupstraße von Otting (Landkreis Donau-Ries) unter Wasser. | Bild: dpa-Bildfunk

"Weltuntergang! Unser Dorf ist mehr oder minder abgesoffen", schildert ein junger Ottinger das Unwetter, das an Mariä Himmelfahrt über den Ort hereinbrach. Von allen Seiten ist das Wasser in das kleine Dorf geschossen. Otting liegt in einer Senke, umgeben von mehreren Bächen. "Du hoscht koi Straß mehr gseha. Des war furchtbar", sagt eine ältere Bewohnerin noch sichtlich mitgenommen.

Durch das 800-Einwohner-Dorf fließt der Möhrenbach, der sich in einen reißenden Strom verwandelte. Herbert Löfflad, der Zweite Bürgermeister, kam gerade von einem Ausflug zurück und traute seinen Augen kaum. "Es war überall nur Wasser", sagt er. "So was haben wir noch nie gehabt."

Feuerwehr zum Warten verdammt

Nur etwa eine gute halbe Stunde dauerte das Unwetter. Eine riesige Gewitterwolke war es, die sich gegen 19 Uhr genau über Otting entlud. Es regnete so stark, dass die örtliche Feuerwehr nicht ausrücken konnte. Es wäre zu gefährlich gewesen, sagt Kreisbrandinspektor Heinz Mayr:

"Das ist eine schwierige Situation, vor allem wenn man sieht, wie immer mehr Keller volllaufen. Man würde am liebsten ins Wasser springen. Aber man ist gezwungen zu warten, bis man Hilfe leisten kann."

Kreisbrandinspektor Heinz Mayr

Während des erzwungenen Wartens wurden alle Feuerwehren aus der Umgebung alarmiert. Kaum war die Straße frei, waren etwa 250 Einsatzkräfte da und packten an. Mit dabei war auch ein Fahrzeug, das 30 Pumpen auf einmal transportieren kann. Es wurde aus dem etwa 40 Kilometer entfernten Nordendorf im Nachbarlandkreis Augsburg nach Otting geschickt.

Alle helfen zusammen

Das Wasser hinterließ überall Schlamm.

So schafften es die Einsatzkräfte, die meisten Keller noch in der Nacht auszupumpen. Trotzdem sind die Schäden enorm: Waschküchen, Heizräume, Tankräume, Gefriertruhen, Waschmaschinen, Autos ... Entweder beschädigt oder kaputt. Etwa jedes zweite Haus im Ort ist betroffen, mehr als 80 Keller sind vollgelaufen. Zum Glück gebe es viele Helferinnen und Helfer, lobt der Bürgermeister.

Besonders betroffen sind das Sport- und das Schützenheim, in denen das Wasser 1,80 Meter hoch stand. Niemand hatte damit gerechnet, dass diese Gebäude einmal unter Wasser stehen würden: Das Schützenheim steht am Hang! Außerdem sind vor Jahren Regenrückhaltebecken gebaut worden, die bislang ausreichten. Doch bei bis zu 80 Litern, die es diesmal pro Quadratmeter regnete, wurden die Deiche bis zu einem Meter hoch überspült.

Wer bezahlt die Schäden?

Pressekonferenz am Mittwochnachmittag

Geklärt werden muss jetzt, wie hoch der finanzielle Schaden ist, wer dafür aufkommt, wer wie versichert ist. Der stellvertretende Landrat Reinhold Bittner will auch Kontakt mit dem Freistaat aufnehmen, ob es möglicherweise einen Hilfsfonds oder Ähnliches für die Betroffenen gibt. Bittner will aber hier noch keine Hoffnungen wecken. Die Ottinger haben derweil alle Hände voll zu tun, die Schlammmassen und den Unrat zu beseitigen.


8

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Jörg, Donnerstag, 17.August, 13:33 Uhr

3. Schlimme Unwetterereignisse werden zunehmen,...

Für die Betroffenen ist dieses Unwetter katastrophal im wahrsten Sinne des Wortes und solche Unwetter, wie hier, oder Simbach, oder wo auch immer werden zunehmen sagen Meteorologen und Klimawissenschaftler.

Aber wir schauen vie Fernsehen, Twitter, Facebook und Co beim Aufräumen zu, einige von uns leisten noch tatkräftig Hilfe, Politiker fordern, oder bewilligen Hilfe und das wars dann, bis das nächste Supergewitter die Schleusen öffnet.

Es ist höchste Zeit nicht nur nach Gewittern Keller auszupumpen, sondern unseren schlauesten Köpfen, hier Klimaforscher zuzuhören und massiv Veränderungen voranzutreiben:
-Alte Häuser gehören isoliert
-Neue Häuser so geplant und gebaut, dass keine fossilen Brennstoffe mehr verbrannt werden müssen.
-Der Verkehr - und das wird schwierig - muss komplett anders gedacht werden.
-Insgesamt muss eigentlich alles getan werden um weiteren CO² Ausstoß zu verhindern.
Die Folgen einer Klimaerwärmung sind sichtbar. Die Kosten werden alles sprengen.

thorie, Donnerstag, 17.August, 11:35 Uhr

2. Wer bezahlt die Schäden?

es soll der bezahlen, der vor jahren hochwasserschutz versprochen hat---und zwar persönlich ---oder zumindest die partei !

Wolgang, Mittwoch, 16.August, 18:19 Uhr

1. Wirklich Wettertendenz- oder Klimaänderung oder durch Bauweise bedingt?

Simbach letztes Jahr, Ottingen udn anderswo, sehr heftige Regenfälle auf relativ kleinem Gebiet. Das Elbe- und Oderhochwasser vor ca. 10 Jahren war Ergebnis einer seltenen sogenannten 5b-Wetterlage.

Die Frage ist ob Regen sehr heftig auf kleinem Raum häufiger vorkommt oder nur die Orte und Dörfer anders zugebaut wurden?

Die Schadenshöhe hängt ja auch von der Bauweise ab, wenn wie in Deggendorf-Fischerdorf ( nomen est omen! ) überwiegend im Bunglaowstil gebaut wird, dann ist jeder Gebäudeschaden annährend 100%, bei 3-geschossiger Bauweise nur 33%...... Und ohne "Bungalow" im hochwassersicheren Deggendorf hätte man das Fischerdorf nicht bebauen müssen. Mehr Baurecht im Bestand bringt aber keine Grundstücksverkaufsgewinne.....

Bei sehr räumlich sehr begrenztem Starkregen kommt es auf die Abflußmöglichkeit an, weiter unten im Flußlauf entsteht deshalb ja trotzdem kein Hochwasser.

Das Ergeigniss Simbach brachte weder in Passau noch in Wien Hochwasser...., Ottingen auch nicht...

  • Antwort von Leonia, Donnerstag, 17.August, 08:34 Uhr

    Diese Starkregenereignisse sind meist räumlich sehr eng begrenzt und nehmen bekanntermaßen zu. Man wird deshalb nicht die Bauweise der Häuser ändern können, weil die meisten Häuser bereits stehen. Wer neu baut, sollte sich jedoch informieren, ob Bäche im Umfeld verlaufen, die wenig natürliche Ausuferungsmöglichkeiten haben. So kann dann aus einem normalerweise rinnsalbreiten Bach ganz schnell ein ziemlich reißendes und die Straßen und Häuser überschwemmendes Gewässer werden. Außerdem sollte man beachten, ob man ein Grundstück in einer Senke oder einem Rückstaubereich haben könnte.
    Dann sollte man in seinem Keller die Stromleitungen unter die Decke legen (samt Steckdosen) und einen abtrennbaren Stromkreis dafür haben und keinen Heizöltank im Erdreich oder Keller haben.
    In Norddeutschland baute man seine Häuser ohne Keller auf Warften, also auf Erdanschüttungen, die meist ausreichten, bei großflächiger Überschwemmung wenigstens das Wohnhaus trocken zu erhalten.

  • Antwort von Jörg, Donnerstag, 17.August, 13:43 Uhr

    Ja genau Versiegelung der Erde, Begradigung von Bächen, Maisfelder wo immer Wiesen waren, etc. tragen natürlich auch dazu bei, dass solche Gewitter katastrophal enden. Die Häufigkeit dieser Extremwetterereignisse nimmt allerdings zu und da braucht es Maßnahmen gegen den Klimawandel, gegen weiteren CO² Ausstoß, der dieses Jahr in Deutschland wieder zugenommen hat.

    Wissenschaftler sagen dies seit den 90er Jahren, aber der Wandel wäre unbequem, also wird von der Petrolindustrie bezahlten Lobbiisten und von um Stimmen ringenden Populisten der Menschengemachte Klimawandel negierd und als Idee der Chinesen verkauft. Die haben ja auch kein Haus in einer Senke,oder an einem Bach und wenn, dann haben die genug Geld den Schaden zu bezahlen. Ich nicht!