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Dünger und Gülle belasten Grundwasser Bedenkliche Nitratkonzentration in Teilen Schwabens

Schon ein Viertel des bayerischen Grundwassers ist so stark mit Nitraten belastet, dass es nicht mehr den EU-Vorgaben entspricht. In Schwaben verläuft die rote Linie vom Ries ins Allgäu.

Von: Torsten Thierbach und Matthias Lauer

Stand: 21.03.2017

ein Bauer bringt Gülle aus | Bild: picture-alliance/dpa

Während in Augsburg Nitrat im Grundwasser kaum ein Thema ist, sah es in der Vergangenheit beispielsweise in Nördlingen, Krumbach, Dillingen und Kirchhaslach schon deutlich anders aus. An mehr als 60 Messstellen in ganz Schwaben wurden Nitratkonzentrationen von mehr als 50 Milligramm pro Liter gemessen. Das ist eigentlich die Höchstgrenze.

Intensive Landwirtschaft belastet Grundwasser

Die Ursache für die überhöhten Nitratwerte sieht das Landesamt für Umweltschutz in Augsburg unter anderem darin, dass die Landwirte zu viel Gülle und Kunstdünger auf ihre Felder ausbringen. Der Boden kann die überflüssigen Stoffe nicht aufnehmen. Sie sickern ins Grundwasser und kommen so beim Menschen an.

Dabei ist Nitrat an sich unbedenklich, sagt Dr. Christoph Müller vom Zentrum für Pharmaforschung an der LMU München. Dem Lebensmittelanalytiker zufolge ist das Schlimme nur, wenn Nitrat zu Nitrit wird.

Babys sind gefährdet

Vor allem für Säuglinge kann Nitrit gefährlich sein: Das aufgenommene Nitrit stört den Sauerstofftransport durch die roten Blutkörperchen. Dies kann zu Sauerstoffmangel in den Geweben bis hin zur inneren Erstickung führen. Das Phänomen ist als Blausucht bekannt.

Für den erwachsenen Menschen kann Nitrit gefährlich werden, weil es im Körper mit Aminen zu sogenannten Nitrosaminen reagieren kann. Diese haben sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen.

"Nitrat an sich ist unbedenklich. Das Schlimme ist lediglich, wenn Nitrat zu Nitrit wird! Das kann wiederum zu Nitrosamin werden. Das kennt man zum Beispiel aus dem Zigarettenrauch. Und das ist potenziell krebserregend!"

Dr. Christoph Müller, Lebensmittelanalytiker, Zentrum für Pharmaforschung, LMU München

Eine nitratarme Ernährung – eine Vorsichtsmaßnahme

Gleich weniger Nitrat aufzunehmen, ist sozusagen eine Vorsichtsmaßnahme, um kein Nitrit oder Nitrosamin abzubekommen. Besonders nitrathaltige Gemüsesorten sind beispielsweise Rucola, Spinat oder Salat. Um diese Gemüsesorten trotzdem genießen zu können, kann man ein paar einfache Tipps beachten: Lassen Sie angemachte Salate nicht lange stehen – Bakterien wandeln sonst das Nitrat in Nitrit um. Aus dem gleichen Grund sollte man Spinat nicht aufwärmen.

"Lässt man den fertigen Spinat warm auf dem Herd stehen, werden die Bakterien aktiv. Und wenn wir ihn das nächste Mal erwärmen, haben wir einen Spinat voller Nitrit! Hier ist es ratsam, nur so viel zu kochen, wie man auch tatsächlich essen kann."

Dr. Julia Bollwein, Ernährungswissenschaftlerin, München

Ernährungswissenschaftlerin Julia Bollwein rät, vor allem bei gepökeltem Fleisch oder roter Wurst aufzupassen, denn diese enthalten Nitritpökelsalz. Hier ist der Umwandlungsschritt - vom Nitrat zum Nitrit - schon vollzogen. Wenn man sich Gepökeltes ab und an als Schmankerl gönnt, sollte man bei der Zubereitung trockene Hitze vermeiden, damit keine Nitrosamine entstehen. Statt grillen oder braten – lieber langsam im Wasser erwärmen.

"Beim Bio-Gemüse ist immer weniger Nitrat drin, weil Bio-Bauern nicht so stark düngen und keinen Kunstdünger verwenden!"

Dr. Julia Bollwein, Ernährungswissenschaftlerin

So können Sie die Aufnahme von Nitrat verhindern:

  • Saisonales Gemüse enthält stets weniger Nitrat.
  • Freilandware und biologisch angebautes Gemüse enthalten geringere Mengen Nitrat, weil Bio-Bauern auf zusätzlichen Kunstdünger verzichten.
  • Entfernen Sie beim Putzen des Gemüses die äußeren Blätter und die großen Blattrispen.
  • Lassen Sie angemachte Salate nicht lange stehen! Bakterien setzen das Nitrat schnell zu Nitrit um.
  • Gepökelte Waren wie Kassler oder Schinken möglichst selten verzehren. Diese sind mit Nitritpökelsalz behandelt! Gepökelte Ware, wenn möglich, langsam im Wasser erwärmen; nicht grillen oder braten!
  • Benutzen Sie Wasser, das über Nacht in den Leitungen gestanden hat, nicht für die Nahrungszubereitung.
  • Nitrathaltiges Gemüse, z.B. Spinat, nicht wieder aufwärmen!

Link-Tipp:

Bundesinstitut für Risikobewertung


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Renate E., Freitag, 31.März, 15:21 Uhr

9. Dem einen seine Eul', dem anderen sein' Nachtigall...

Da ist es ja doch zu was gut, dass die Rinderherden drastisch abnehmen. Zwar haben die Milchbauern den Schaden, doch die Allgemeinheit kann zukünftig mit weniger Umweltbelastungen rechnen.

Ulrike Haubner, Dienstag, 28.März, 09:31 Uhr

8. Gülle

Die Unterallgäuer Wiesen sind ausgemergelt , ich wohne seit 13 Jahren direkt an diesen bayerischen zu Tode bewirtschafteten Wiesen.
Ich bin keine Aufregerin und dachte die Gülle ist ein ganz normales Abfallprodukt unserer Versorgung durch die Landwirtschaft .
Tja nur leider ist da etwas ordentlich aus dem Gleichgewicht geraten !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ein Zuviel an MIST ( egal welcher ) bringt eben keinen Segen ------------äh oder doch?
Ich glaube ein jeder der a bisserl mitdenkt kann diesen wirtschaftswahnsinn auf kosten von gesunder Natur nicht gutheißen , mir verhungern nicht wenn wir a bisserl ordentlicher mit der Natur umgehen.
UND wenn jemand diesen Überfluss unbedingt braucht weil er halt jetzt möglich ist , ist er oder sie halt ein rücksichtsloser Mensch ! I leb jetzt und ned morgen!
Vor ein paar Jahrzehnten hat man in Bayern die Flüsse in der reißen gehabt und viele kaputt gemacht, Tja jetzt hat man sie zum Teil für viel
Geld wieder RENATURIERT !!!!!!
Bayern!!!!

websaurier, Mittwoch, 22.März, 12:00 Uhr

7. Bio-Gemüse ist kein Ausweg...


Unser Trinkwasser ist versaut !
Und das auf Jahrzehnte hinaus...
Selbst, wenn ein sofortiger Stopp kommt; der Genuss von Nitrat, Glyphosat und Phosphat ist auf Jahre gesichert !
Es gibt ja sogar noch als Zugabe das Atrazin, welches schon seit Jahren nicht mehr angewendet wird.

Danke liebe Landwirte !

Allgäuer, Dienstag, 21.März, 20:36 Uhr

6. Die große Anti-Bauern-Verschwörung, oder?!

Verstehe ich die Kommentare richtig, dann hat sich hier eine große Koalition gegen die Bauern zusammengefunden und vorsätzlich Messwerte gefälscht. Wenn's nicht um unser wichtigstes Lebensmittel Wasser ginge dann könnte man einfach darüber lachen bzw. den Kopf schütteln. Irgendwie erinnert mich die Argumentation von Seiten der Landwirtschaft an die permanenten Fake-News-Vorwürfe von US-Präsident Donald Trump.

Vielleicht lädt der Bauernverband zur nächsten Hauptversammlung den US-Präsidenten ein und lässt sich von ihm erklären, wie man freien und unabhängigen Journalismus gekonnt beleidigt und schlecht redet. Und als Co-Referent tritt dann Herr Erdogan auf und erklärt wie er das mit kritischen Medien in der Türkei handhabt.

Michael, Dienstag, 21.März, 17:49 Uhr

5. Fraglich Werte

Ich frage mich wo die Proben genommen wurden?
In den Veröffentlichungen von Wasserversorgen vom Ries bis Oberstdorf habe ich nur Werte unter dem Grenzwert gefunden.
Der höchste war 27 mg/l in Pfaffenhausen und 2,3 mg/l in Sonthofen.
Ist die also nur reine Panikmache um Vershcärfungen zu rechtfertigen?

  • Antwort von Stickstoffkreislauf, Mittwoch, 22.März, 23:53 Uhr

    Ihre genannten Werten sind nach der Reinigung durch die Wasserwerke.
    Die höheren Werte sind vor der Reinigung direkt am Brunnen. Grüße