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Oberbürgermeisterwahl in Memmingen Manfred Schilder übernimmt rotes Rathaus

Manfred Schilder von der CSU ist neuer Oberbürgermeister von Memmingen. Nach dem vorläufigen Endergebnis liegt er mit 51,5 Prozent vor Friedrich Zeller von der SPD mit 48,5 Prozent.

Von: Doris Bimmer

Stand: 20.03.2017

Erstmals seit Jahrzehnten wird Memmingen wieder von einem CSU-Oberbürgermeister regiert. Manfred Schilder (59) setzte sich bei der Wahl am Sonntag gegen Friedrich Zeller (50) von der SPD durch. Nach dem von der Stadt veröffentlichten vorläufigen Endergebnis holte Schilder in einem Kopf-an-Kopf-Rennen 51,5 Prozent der Stimmen. Zeller kam auf 48,5 Prozent. Memmingen war rund 50 Jahre fest in SPD-Hand.

Die Kandidaten im Vergleich

Manfred Schilder (CSU) bezeichnet sich selbst als "Memminger durch und durch". Der 59-Jährige ist in der Stadt geboren und nie weggezogen. Er engagiert sich in Sportvereinen, ehrenamtlich im Rotary Club und in der Freiwilligenagentur. Seit der letzten Kommunalwahl 2014 sitzt er für die CSU im Stadtrat. Im Berufsleben vertritt Schilder die Industrie- und Handelskammer als Regionalgeschäftsführer im Allgäu.

Dr. Friedrich Zeller (SPD) ist zwar in Memmingen geboren, nach der Bundeswehr zog es ihn jedoch fort. Nach dem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften ging er nach Leipzig und sammelte dort erste Erfahrungen als Stadtrat. Im oberbayerischen Schongau wurde er mit 29 Jahren Erster Bürgermeister und blieb es zwölf Jahre - bis er zum Landrat gewählt wurde. 2014 kehrte er nach Memmingen zurück und arbeitet heute in der Firma seiner Schwester.

Kurzer und prägnanter Wahlkampf

Die beiden OB-Kandidaten hatten nur knapp zwei Monate Zeit für ihren Wahlkampf. Sie setzten auch deshalb auf den direkten Kontakt: "Schilder treffen", hieß das Programm des CSU-Bewerbers, der durch die Stadtteile tourte: "Ich will aufnehmen, was passiert, was treibt euch an, was erwartet ihr!" Man müsse in dieser Zeit klar Stellung beziehen, sagte Schilder, und das Risiko eingehen, nicht immer dem Mainstream zu entsprechen.

SPD-Bewerber Friedrich Zeller verfolgte ein ähnliches Konzept: Zeller besuchte Stadtteilversammlungen und stand unter der Woche täglich am Marktplatz Rede und Antwort. Titel: "Werktags um vier bin ich hier!"

Die Kandidaten stehen Rede und Antwort

Warum ich?

Manfred Schilder: "Ich bin ein Pragmatiker. Ich bin es oft leid, dass wir uns über Dinge stundenlang unterhalten, ohne nicht wirklich zu wissen, was passiert eigentlich, wie wirkt das, wenn wir es tun. Ich neige eher dazu, den Mut zu haben, auch mal ein Risiko einzugehen und zu sagen, lass es uns einfach mal ausprobieren.

Wenn wir merken, das ist der falsche Weg, dann ändern wir es wieder. Wir meißeln das nicht in Stein, sondern wir versuchen die bestmögliche Lösung auch miteinander zu erarbeiten. Und ich glaube, dass wir gut beraten sind, die Dinge auch einfach mal zu tun. Auch vielleicht mal geschehen zu lassen, dass Dinge passieren, die wir nicht unbedingt beeinflussen können."

Friedrich Zeller: "Versuch und Irrtum soll nicht an der Tagesordnung sein, aber bei bestimmten Projekten hat sich das auch bewährt. Ausprobieren ist immer besser, als lange drüber reden. Wenn sie sich bewegen, dann machen sie auch Fehler. Und eventuell muss man auch mal was zurücknehmen oder zurückschrauben.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: den Weinmarkt. Da wünsch ich mir schon, dass wir in den Sommermonaten Samstag und Sonntag den Weinmarkt so schließen, dass Autos nicht mehr durchfahren können. Busse natürlich schon. Wenn es in dem einen Sommer nicht funktioniert, dann lässt man's halt wieder bleiben."

Ich bin der Richtige, weil ...

Manfred Schilder: "... ich nicht so in eine Verwaltung involviert bin. Ich bin Unternehmer, komme aus der unternehmerischen Ecke, gehe sehr viele Dinge pragmatisch an. Weil das den Unternehmer auch auszeichnet, der unternimmt was, sonst würde er ja Unterlasser heißen. [...] Und ich bin eigentlich nicht der, der sagt, dass muss jetzt alles nach meinem Kopf gehen. Ich will einen Konsens haben. [...] Ich glaube, das zeichnet mich aus, und ich glaube, dass das auch für den künftigen Oberbürgermeister von entscheidender Bedeutung sein wird."

Friedrich Zeller: "... ich mit 50 Jahren noch jung genug bin, um länger weiterzumachen, wenn ich gewählt werde. Außerdem bringe ich das fachliche Know-how mit, eine sehr umfangreiche Erfahrung als Führungskraft der öffentlichen Verwaltung – als Bürgermeister und Landrat, ich weiß, wie das geht. [...] Und es hat auch einen Vorteil, wenn mal einer von außen kommt, der die Stadt liebt und mag und kennt, aber doch mit einer gewissen, ja, objektiven Sicht an die Dinge rangeht. Bin da mit keinem verbandelt, das ist auch ein Vorteil für eine Stadt."

Kurzfristige Ziele

Manfred Schilder: "Diesen Bürgerdialog, den ich initiieren möchte, den gibt es ansatzweise, aber den müssen wir verbessern. [...] Das Thema Verwaltung, da muss man an der einen oder anderen Stelle kritisch draufgucken, auch was das Thema Effizienz, das Thema Bürgerfreundlichkeit anbelangt. Finden wir Formate, wie wir näher an den Bürger herankommen, wie die Verwaltung sich auch als Dienstleister versteht. Da noch mal draufzuschauen, auch gerade zusammen mit den Mitarbeitern in der Verwaltung, das ist ein ganz wichtiger Prozess, der nicht von oben verordnet werden kann, sondern gemeinsam erarbeitet werden mus.

Und dann sind die praktischen Themen, die auf dem Tisch liegen: Wir müssen das Klinikum angehen, da haben wir einen hohen Handlungsdruck. Wir müssen das Thema Bahnhofsareal angehen, die Ikea-Ansiedlung, die Bäderfrage – da liegen Dinge auf dem Tisch, [...] das muss aufgegriffen werden. Und das ganz, ganz schnell auch passieren muss."

Friedrich Zeller: "Ich möchte konzeptionell die Frage mit dem Stadtbusverkehr voranbringen. Dann das Hallenbad anschieben, als Chefsache möglichst aufs Gleis gebracht haben. Es ist dann zwar nicht gebaut, aber da müssen alle Entscheidungen gefallen sein und es muss auf dem Gleis sein, außerdem Ikea und das Bahnhofsareal."

Visionen für Memmingen

Manfred Schilder: "Ich bin schon mal vor Jahren nach meiner Vision gefragt worden. Ich habe damals geantwortet: 'Ich möchte die Schlagzeile in der Zeitung lesen: Memmingen übersteigt die 50.000 Einwohner-Marke.' [...] Warum eine Steigerung der Menchen in der Stadt? Weil wir damit errreichen, dass sich Menschen wohlfühlen. Ich fühl mich in Memmingen sehr wohl, nicht, weil es meine Heimatstadt ist allein, sondern weil ich überzeugt bin, dass man in Memmingen sehr, sehr gut leben kann. Und sich auch wohlbehalten fühlt, auch was das Thema Sicherheit anbelangt. Und das gilt es auch, nach außen zu transportieren. Vielleicht auch im Sinne einer touristischen Prägung."

Friedrich Zeller: "Ohne Vision bringen wir so eine Stadt nicht weiter: Wir sind in zehn bis 15 Jahren die wirtschaftliche Lokomotive im Raum zwischen Kempten und Ulm. Wir ziehen Leute an, auch aus aller Welt. Wir sind eine weltoffene vielfältige Stadt, aber die Leute arbeiten dann auch gut hier mit, fühlen sich wohl, es gibt ein sehr, sehr gutes Miteinander. Und dann heißt es: 'Mensch, wenn Du nach Memmingen ziehst, dann kannst Dich da wohlfühlen, kriegst Wohnraum, man kann sogar nach München pendeln, weil dann auch der Zugverkehr deutlich schneller sein wird. Es gibt neue und bessere Verbindungen in die Ostschweiz. Tolle Lage, tolle Leute, hier lebt man gern – das muss die Botschaft sein."

Abschied von Markus Kennerknecht

Der SPD-Politiker Markus Kennerknecht hatte sich erst Anfang November in der Stichwahl als Oberbürgermeister durchgesetzt. Der 46-Jährige trat in die Fußstapfen seines SPD-Kollegen Ivo Holzinger, der 36 Jahre lang Chef im Rathaus war. Nach nur 38 Tagen im Amt erlitt Kennerknecht kurz nach Weihnachten beim Joggen in Durach bei Kempten einen tödlichen Schwächeanfall.


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Gerald, Montag, 20.März, 07:51 Uhr

11. Martin Schulz war keine Hilfe!

Martin Schulz Effekt? Scheint in Memmingen nicht gefruchtet zu haben!

Huntius, Montag, 20.März, 07:08 Uhr

10. Bürgermeisterwahl

Oh Mann Leute. Es handelt sich um eine Bürgermeisterwahl, und da steht wie eh und jeh die Person im Mittelpunkt. Könnt ihr bitte mit Eurem Demokratiebashing aufhören? Ich habe die Schnauze gestrichen voll von dem, was die Grossen der Welt von sich lassen, da müssem wir als Bürger nicht auch noch mitmachen. Dieses Alles ist schlecht, alles ist Einheitsbrei, nur wer austeilt ist toll ist so etwas von primitiv.

Le Th, Montag, 20.März, 06:47 Uhr

9. OB-Wahl

Was sind denn - bis auf die Nr. 8 - für äußerst geistreiche Kommentare? Und wie sich die üblichen Leutchen dann gegenseitig zerfleischen.
Eine OB-Wahl hat weniger mit einer Parteienwahl, vielmehr mit einer Persönlichkeitswahl zu tun. Und dies wurde in MM gemacht.
Zur nr. 8: Die Wahlbeteiligung mit 48,8% finde ich zum einen für eine Kommunalwahl, zum anderen für eine zweite OB-Wahl innerhalb kürzester Zeit gar nicht sooo schlecht.

Sonntagskind, Sonntag, 19.März, 22:34 Uhr

8. Bürgermeisterwahl in MM

Seht euch doch mal die Wahlbeteiligung an. Beschämend !!!
Ich würde gern wissen, wieviel von den Kommentatoren überhaupt ihre Stimme
abgegeben haben. Beeinflussung des Wahlausgangs würde dann vielleicht
anders aussehen.

Reiner Bender, Sonntag, 19.März, 21:48 Uhr

7.

Ob Kommunalwahlen, Landtagswahlen, Bundestagswahlen oder Europawahlen, es gilt immer und einzigst die SPD zu wählen. Entsprechend sind bei Direktwahlen auch immer die Kandidatinnen und Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu wählen. Von daher finde ich das Wahlergebnis bei der OB-Wahl von Memmingen ebenso enttäuschend wie beschämend. Ungeheuerlich und nicht hinnehmbar sind die unter dem Beitrag zum Ausgang der OB-Wahl von Memmingen als "Kommentare" vorgenommen und eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnenden Äußerungen von "onkel" und Michael D. zu bewerten, deren sofortige Entfernung der BR veranlassen muss. Nazis durften und dürfen keine Chance haben!

  • Antwort von Leo Bronstein, Sonntag, 19.März, 22:10 Uhr

    @ Reiner Bender
    >Ob Kommunalwahlen, Landtagswahlen, Bundestagswahlen oder Europawahlen, es gilt immer und einzigst die SPD zu wählen. Entsprechend sind bei Direktwahlen auch immer die Kandidatinnen und Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu wählen.<

    Welcher Diktator hat diese Direktive erlassen?

  • Antwort von Onkel, Sonntag, 19.März, 22:11 Uhr

    Bei solchen "Kommentaren" kann man wirklich nur noch mit Herrn Sarazin von der SPD antworten: Deutschland schafft sich ab.

  • Antwort von Tante wider Onkel, Sonntag, 19.März, 23:00 Uhr

    Sie brauchen keinen Sarrazin, dass schaffen sie selber.

  • Antwort von Braunbär, Montag, 20.März, 08:38 Uhr

    @Reiner Bender:
    Ich mag auch keine Nazis.
    Aber ich liebe das Recht der freien Meinungsäußerung, auch wenn mir nicht jede Meinung gefällt, wie z.B. die von Onkel.
    Ebenso liebe ich das Recht, bei Wahlen mein Kreuz dort machen zu dürfen, wo ICH es für richtig halte.
    Die AFD wird dieses Kreuz nicht bekommen, weil ich es eben nicht für richtig halte. Die SPD aus dem selben Grund aber auch nicht.
    Was ich aber gar nicht mag, sind Menschen die mir meine Meinung verbieten und mir vorschreiben wollen, was oder wen
    ich zu wählen habe. Wenn ich so etwas haben bitte ich in Nordkorea um Asyl.....