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Jobcenter Kempten Mehr Schutz durch Patrouillen und Barrieren

Die Geiselnahme im Pfaffenhofener Landratsamt, die tödlichen Schüsse im Amtsgericht Dachau vor fünf Jahren - wie sicher sind die Mitarbeiter in Ämtern, Gerichten und Behörden ? Im Jobcenter in Kempten werden die Mitarbeiter jetzt besser vor Angriffen geschützt.

Stand: 06.11.2017

Peter Müller, Chef des Kemptener Jobcenters, an seinem Schreibtisch in L-Form | Bild: BR/Viktoria Wagensommer

"Das war eine Beratungssituation, wo es um die gesundheitliche Lage ging. Ein Wort gab das andere. Auf einen Schlag ist der Kunde explodiert. Er ist ins Nachbarbüro gerannt und hat den Kunden meiner Kollegin zusammengeschlagen."

Beraterin im Jobcenter Kempten

Die 29-jährige Arbeitsvermittlerin hatte damals Glück, nicht selbst angegriffen worden zu sein. Noch heute will sie aber anonym bleiben. Der Fall sitzt ihr noch immer in den Knochen:

"Da ist man zuerst schon ganz schön aufgewühlt. Wenn dann die Polizei nachmittags noch anruft und sagt, man lässt ihn wieder laufen, und wir sollen das Jobcenter doch bitte zuschließen, weil es könnte sein, er kommt noch mal. Dann hat man natürlich kein gutes Gefühl. Auch auf dem Nachhauseweg nicht."

Beraterin im Jobcenter Kempten

Sicherheitsdienst bei schwierigen Kunden mit im Büro

Sie ist froh, dass sich an ihrem Arbeitsplatz seit diesem Fall einiges getan hat. Ihr Chef Peter Müller hat einen Sicherheitsdienst eingerichtet, der während der Öffnungszeiten für den Schutz der knapp 50 Mitarbeiter und der Kunden sorgt:

"Das sind zwei Personen, die sich primär im sogenannten Wartebereich aufhalten, die aber immer unregelmäßig durch die Gänge patrouillieren. Wenn Mitarbeiterinnen Kunden einladen, bei denen sie ein ungutes Gefühl haben, dann steht gegebenenfalls der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Büro."

Peter Müller, Chef des Jobcenters

Beraterin: Situation kann von jetzt auf gleich eskalieren

Unberechenbar sind laut Müller zum Beispiel Kunden mit psychischen Krankheiten, wenn nicht sicher ist, ob sie ihre Medikamente genommen haben. Dasselbe gilt für manche Straftäter, wenn sie nach der Haft wieder eingegliedert werden sollen. In solchen kritischen Fällen braucht es für Aggression nicht viel sagt die Arbeitsvermittlerin: 

"Das ergibt sich aus dem Gespräch dann manchmal – wenn Sanktionen ein Thema sind, wenn gewisse Pflichtverstöße Thema sind, die zu weniger Geld führen, dann sind Existenzängste bestimmt auch mit im Spiel, und dann geht das ganz schnell."

Beraterin im Jobcenter Kempten

L-Stellung des Schreibtischs als Barriere

Damit die Mitarbeiter dann nicht so leicht zur Zielscheibe werden können, hat der Jobcenter-Leiter die Büros beim Umzug der Behörde im Juni 2016 speziell gestalten und einrichten lassen:

"Die L-Form der Schreibtische ist so gewählt, dass ein Kunde nicht unmittelbar Zugang hat zum Mitarbeiter, zur Mitarbeiterin. Er müsste, wenn er körperlich bös zusetzen wollte, um den Schreibtisch herum laufen oder auf den Schreibtisch hüpfen."

Peter Müller, Chef des Jobcenters

Fluchttüren für die Mitarbeiter

Fluchttüren direkt hinter dem Mitarbeiter bringen zusätzliche Sicherheit. Seit es im Kemptener Jobcenter den Sicherheitsdienst und die neue Einrichtung gibt, waren keine Polizeieinsätze mehr nötig, sagt Müller. Die Mitarbeiter fühlen sich jetzt wieder wohler und statt sich vor aggressiven Einzelfällen zu fürchten, können sie sich wieder auf den Kern ihrer Arbeit konzentrieren. Die weit überwiegende Zahl der Kunden ist laut Müller dankbar für die Hilfe und würde niemals aggressiv werden.


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Servus, Dienstag, 07.November, 12:02 Uhr

11. Mich wundert, dass nicht mehr passiert!

Ich habe Erfahrungen mit Hartz IV aus der Anfangszeit. Und mich wundert, dass es nicht zu viel mehr tätlichen Angriffen und Tötungen kommt. Für diese Contenance bewundere ich alle, die in der Hartz IV Falle festsitzen!
Warum?
Weil das System für die Betroffenen eine psychische Katastrophe ist. Es ist demütigend, erniedrigend, hoffnungslos, ungerecht. Eine sowohl finanzielle wie psychische Abwärtsspirale. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich in absehbarer Zeit im Sommer werde barfuß laufen müssen und mir das Essen bei der Tafel besorgen muss. Zum Glück war ich zu jung für die typischen, aus Geldmangel entstehenden Zahnlücken, die man immer häufiger auf der Straße sieht.
Nachdem ich wieder Geld für zusätzliche ärztliche Vorsorgeuntersuchungen hatte, waren auch gleich zwei Operationen fällig. Das hat mir zu denken gegeben.
Meine angestaute Wut habe ich nicht vergessen.

An dieser Stelle noch mal Danke! an Hr. Schröder von der SPD!!! Ha!

  • Antwort von Melli, Dienstag, 07.November, 12:09 Uhr

    Dann sind sie also der Meinung das die Mitarbeiter im Amt an Ihrer Lage schuld sind und diese dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen ?

  • Antwort von Renate E., Dienstag, 07.November, 12:46 Uhr

    Servus, diese Mitarbeiter tun nur das, was wir alle tun, die wir tätig sind: ihren Job machen! Sie haben ja noch die Richtung gefunden, aus der das allgemeine Unheil kam, als Sie am Ende Ihres Kommentars waren: bei der SPD! Aber eigentlich ist die GroKo insgesamt schuld an diesen unwürdigen Verhältnissen. Denn in deren gemeinsamer Amtszeit hat sich ja auch nichts gebessert. Ich denke, man sollte nicht seinen Frust oder gar Wut an den letzten Befehlsempfängern abreagieren. Wir hatten im September die Chance, unseren Unmut auszudrücken. Das haben leider viele Frustrierte versäumt, wenn ich an die Zahlen denke. Und etliche aus Bequemlichkeit wieder genau da ihr Kreuz gemacht, wo diese Untätigen sitzen...

  • Antwort von Hallo, Dienstag, 07.November, 16:03 Uhr

    @Servus

    ...und nur die böse, böse Welt ist an dem Schuld?

    Eigenverantwortung? Selbst aktiv werden? DDR-Polster verwöhnt ist weg? Anspruchstellergehabe? - Und das ist das "Fräulein vom Amt" der Prellbock?
    Wäre das nicht eher ein Fall für einen Psychologen?

  • Antwort von Guest, Donnerstag, 09.November, 09:10 Uhr

    @Hallo

    ...und nur die böse, böse Welt ist an dem Schuld?

    Hm. Wohl eher der Fürst dieser Welt der hinter diesem System steckt.

Süddeutscher und gleich weg, Dienstag, 07.November, 10:15 Uhr

10. wie vom Wähler bestellt, so geliefert!

Es zeigen sich lediglich Reaktionen, die der eiskalte Kapitalismus mit Hilfe seiner willfährigen Politiker in den letzten Jahrzehnten bezüglich des Arbeitsmarktes in der BRD geschaffen hat.
Durch immer neue Konkurrenz auf dem inländischen Arbeitsmarkt durch Globalisierung, Anlockung von Migranten, 1-Euro-Jobs, Ausweitung der Zeitarbeit oder "flexiblen" Arbeitszeiten sank das Lohnniveau. Viele Arbeitslose wurden unvermittelbar und zugleich die reale Arbeitslosenquote verschleiert.
Nun laufen die Politiker und Medien durch die Lande und verkünden die Vollbeschäftigung. In Wirklichkeit waren noch nie so viele arm oder an der Armutsgrenze in den letzten 50 Jahren.

  • Antwort von Süddeutscher und gleich weg, Dienstag, 07.November, 10:43 Uhr

    Den Erfolg des Großkapitals mit Hilfe der Politiker und den Zorn der Erwerbslosen oder Sozialfälle bekommen die Jobcenter nun zu spüren.
    Ich traue keiner der Blockparteien zu etwas an der Stimmung wie in einem Pulverfaß ändern zu können, noch zu wollen.
    Die Stamm- (Traditions-)wähler ignorieren teilweise aus Dummheit die Situation, manch einer ist auch zu sehr mit Arbeit beschäftigt, um sich ein Bild zu machen, was auch ihm widerfahren könnte.
    Wir sehen stattdessen diese Politbonzen in gepanzerten Limousinen, abgeschirmt von den Bürgern und Mitarbeitern sich selbstüberlassen in den Jobcentern die Drecksarbeit wegräumen.
    Möglicherweise sitzen sie bald hinter schusssicheren Scheiben ihren Kunden gegenüber und reichen ihnen Beruhigungsmittel.

  • Antwort von Platte, Dienstag, 07.November, 11:09 Uhr

    Ist ihre Platte an der Rille "DDR" hängengeblieben?

    Hallo, aufwachen, sie leben jetzt in Deutschland :-)

  • Antwort von Süddeutscher und gleich weg, Dienstag, 07.November, 12:14 Uhr

    Nein, wieso? Was stört Sie? Die Deutschen Demokratischen Republik hat über die Auflösung der DDR beschlossen und ihren Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) erklärt. Oder wissen Sie nicht in welchem Staat Sie leben? Ich lebe übrigens nicht mehr in der alten BRD, noch auf dem ehemaligen Territorium der DDR.

  • Antwort von Südsachse, Dienstag, 07.November, 12:48 Uhr

    Platte, vielleicht sollten Sie aufwachen! Denn es ist tatsächlich so, wie geschildert. Wenn Sie da gleich an die DDR denken, ist es nicht nur schlimm, sondern leider ein Anzeichen dafür, dass sich die Realität angeglichen hat.

  • Antwort von Platte, Dienstag, 07.November, 15:59 Uhr

    Termini hören sich nach frustriertem Alt-Kommunisten DDR'scher Prägung an mit wutgebürgertem AFD-Anteil. Von Blockparteien spricht hier sonst niemand.

    Ist doch so, oder? - Aber ist mir auch egal. Sie müssen damit zurecht kommen.

Angestellte, Dienstag, 07.November, 09:47 Uhr

9. Sicherheit ?

Es ist schon schlimm genug, das unsere Arbeitsplätze geschützt werden müssen. Denn nicht jeder Vorfall wird gleich medienwirksam verbreitet und davon gibt es sehr viele !
Aber manche Kommentare hier sind auch sehr daneben. Uns beschuldigen das wir die Kunden provozieren und diese zu solchen Taten ermutigen. Ja, weil wir in den Ämtern alle lebensmüde sind.
Es ist doch einfach nur krank. Wir machen ganz einfach nur unsere Arbeit, die uns durch Gesetzgebung vorgeschrieben wird. Wir machen diese Gesetze nicht.

  • Antwort von Maria A., Dienstag, 07.November, 12:56 Uhr

    Angestellte, es ist nun mal so, dass manche Mitbürger ungerecht reagieren. Ich weiß aus eigener Erfahrung heraus, dass man sich nicht nur als Bittsteller vorkommt, sondern oftmals auch ungerecht behandelt. Dass Mitmenschen mit schlechter Kinderstube aus ihrem Frust heraus zu völlig falschen Mitteln greifen, sich gegen das System zu wehren, ist somit nachvollziehbar, aber niemals zu tolerieren! Denn wie wir wissen, und Sie schrieben, sind Sie und alle Mitarbeiter der Behörden die letzten Ausführenden der Befehlskette. Und jeder "Normale" wird das auch anerkennen, also nicht im Amt drohen oder gar aggressiv werden.

  • Antwort von Guest, Donnerstag, 09.November, 09:13 Uhr

    @Angestellte

    Sie machen diese Gesetze nicht, aber Sie setzen diese um.
    Man muss doch selbst entscheiden können ob das richtig ist, oder nicht.

Ulrich Denninger, Montag, 06.November, 19:45 Uhr

8. Sachbearbeiter Qualifikation

Ich finde diese "Sachabearbeiter" sollten sich etwas besser auf ihre "Kunden" einstellen, dann passiert auch nichts. Gut, sie sind auch nur Menschen. Aber kennen oder machen sie sich oft die Mühe, sich mit den Problemen ihrer Kunden zu beschäftigen? Hier geht es nämlich nicht oft um nur eine "Sache", sondern um die Existenz eines oder mehrer Menschen. Und wenn man den "Kunden" oftmals längere Zeit seiner Zeit beraubt. Wenn der dann etwas "unbeherrscht" wird, sollte man sich nicht wundern. Man sollte sich als Behörden-MA auch dessen immer bewußt sein, wie man in den "Wald ruft, so ruft es auch heraus"??

  • Antwort von Sachbearbeiter, Dienstag, 07.November, 10:05 Uhr

    Ist ja sehr freundlich von Ihnen, uns als Menschen zu bezeichnen. """ Diese Sachbearbeiter "" machen tagtäglich die Arbeit, die für den Arbeitsplatz definiert sind. Wir sind nicht dafür da, die "" Kunden "" Bauch zu streicheln oder seelisch zu betreuen. Stellen sie sich doch mal den ganzen Tag hinter einen Sachbearbeiter, sie werden sich wundern, was diese auszuhalten haben.

Kluge sie , Montag, 06.November, 16:37 Uhr

7. Ein Beamte sollte immer freundlich und hilfsbereit sein.

Warum? Weil er von unseren Steuern lebt und später eine Beamtenpension bekommt, für die er nichts eingezahlt hat, die das doppelte einer normalen Rente beträgt. Das soll jeder Kunde einem unfreundlichen Beamten ruhig sagen.

  • Antwort von Josef, Montag, 06.November, 16:49 Uhr

    Kluge Bemerkung von Kluger Sie. Das merke ich mir. So mache ich das. Danke.

  • Antwort von maex, Montag, 06.November, 17:05 Uhr

    Das stimmt nicht, Beamte zahlen inzwischen etwas und bekommen weniger Brutto. Und wo beträgt die Pension das doppelte der Rente??? Das liegt doch an dem, was man vorher verdient hat.

  • Antwort von Beamtin, Montag, 06.November, 18:27 Uhr

    @ Kluge ?
    Beamte verdienen viel weniger wie Angstellte in der freien Wirtschaft.
    Vor dem Kommentare schreiben informieren !
    Das wäre klug !

  • Antwort von Was daran ist klug, Montag, 06.November, 18:37 Uhr

    Mit der Argumentation müssten alle ganz lieb und nett sein.

    - Der Müllwerker, weil er von unseren Gebühren lebt
    - Der Busfahrer, weil er von den Fahrkarten lebt
    - Der Hartz IV Empfänger, weil er der Allgemeinheit auf der Tasche liegt
    - Und Millionen weitere ähnliche Beispiele
    usw. sofort.

    Übrigens sind die Besoldungen öffentlich. Man könnte sich genauer informieren. Wenn man (sie) das kann ;-)
    Nein, das ist nicht besonders klug und skeptisch werde ich sowieso immer dann, wenn sich jemand selbst solche Eigenschaften zuschreibt.

  • Antwort von gilt für alle, Montag, 06.November, 20:09 Uhr

    So gesehen frage ich mich, warum mein Heizungsbauer so pampig und unhöflich ist, wenn er mir schon eine Rechnung stellt und wo er doch weiß, dass ich auch zur Konkurrenz gehen könnte...