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Aufgerüstet Krumbacher Kindergarten und das Web 2.0

Der Kindergarten Krumbach (Lkr. Günzburg) hat sich auf die digtiale Welt eingestellt. Kinder dürfen mit dem iPad spielen. So sollen sie lernen, wie man richtig damit umgeht.

Von: Jenny Schack

Stand: 30.03.2016

Anne Müller, Leiterin des Krumbacher Kindergartens, sitzt neben Kind Ida.  | Bild: Jenny Schack / BR

Egino und Ida haben ein Tablet vor sich liegen. Sie versuchen, ein digitales Mammut durch unterschiedliche Level zu führen. Die fünfjährigen Kinder spielen gerade im Kindergarten in Krumbach. Hier im evangelischen Kinderhaus gehört die digitale Erziehung dazu, sagt Leiterin Anne Müller.

"Wir haben von Anfang an Medien einbezogen, weil wir die Kreativität der Kinder fördern wollen. Wir wollen aber auch die Eigentätigkeit der Kinder fördern."

Anne Müller

Bruchrechnen spielend lernen

Ida fährt mit dem Finger über den Bildschirm. Egino nickt zustimmend. Nun fallen digitale zugeschnittene Wasserquader auf rote Feuersymbole und löschen sie. Der Weg ist frei. Das Mammut trottet weiter. Die Kinder haben die Aufgabe bestanden.

Und jetzt bekommt Ida einen Punkt - einen echten, einen, den sie anfassen und aufkleben kann. Anne Müller sitzt neben den beiden und beobachtet ihre Fortschritte: "Es geht darum, dass die Kinder spüren, ein Ganzes besteht aus verschiedenen Teilen. Das ist eigentlich schon eine Vorlage, wo es darum geht, das Bruchrechnen zu erlernen."

Die Leiterin des Kinderhauses hat unzählige digitale Kinderspiele für das deutsche Jugendinstitut bewertet. Die meisten sind nach ihrer Meinung wenig anspruchsvoll.

Eltern und Pädogogen müssen schon genau hinschauen, was sie ihren Kindern da vorsetzen. Müller spricht über sogenannte Jump- und Runspiele.

Da geht es aus ihrer Sicht nur darum, schnell zu sein. "Ein Lerneffekt steckt nicht dahinter. Deshalb ist es ganz wichtig,  einfach Spiele zu finden, bei denen ein Lerneffekt da ist, aber die trotzdem Spaß machen", sagt die Leiterin.  

Mutter: "Sinnvolle Sachen machen"

Auch Christina Pittl, die Mutter von Ida, achtet genau darauf, wie der Umgang mit dem Tablett im Kindergarten ihre Tochter beeinflusst:

"Ich glaube, sie haben hier eher gelernt, dass man nicht nur konsumiert, nicht nur spielt sondern wirklich sinnvolle Sachen damit machen kann."

Mutter Christina Pittl

Vater Fatih Tschackla findet inzwischen, dass das Tablett im Kindergarten wichtig für seine beiden Kinder Eva und Eray ist:

"Das sieht man heute ja selber im Berufsleben, dass man das immer mehr braucht. Man kriegt das auch zu spüren, wenn die Kinder nach Hause kommen, wie schnell sie sich da irgendwo einklicken. Das sieht man schon auch, wie schnell sie die Apps relativ schnell auffassen."

Fatih Tschackla  

Spiel und Spaß im Freien

Katja Schulz hat ebenfalls eine fünfjährige Tochter im Kinderhaus. Sie war anfangs besorgt, dass die Kinder nicht mehr rausgehen. Jetzt sieht sie das etwas anders:

"Das ist halt kein Plastikspielzeug, dass man in die Ecke schmeißt, wenn man es nicht mehr will. Es soll schon Spaß bringen. Es soll zum Lernen da sein. Es ist aber kein Ausgleich für Sport im Freien, für Spielen mit Freunden."

Katja Schulz

Und die Kinder selbst? Ida und Egino sind so vertieft in ihre Aufgaben, dass sie nur schnell nicken, wenn man sie fragt, ob ihnen das Tablett-Spielen hier gefällt. Klar, was sonst? Dann aber wollen Ida und Egino wieder raus. Denn am Ende sind die Freunde draußen doch wichtiger als ein blinkender Bildschirm.


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