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Missbrauchsprozess in Augsburg 13 Jahre Haft für pädophilen Kinderarzt

Das Augsburger Landgericht hat einen Kinderarzt zu einer Strafe von 13 Jahren und sechs Monaten Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der 41-jährige Augsburger hatte jahrelang Buben sexuell missbraucht. Der Verurteilte darf nie wieder als Arzt arbeiten.

Von: Annemarie Ruf und Barbara Leinfelder

Stand: 10.03.2016

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Lenart Hoesch blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 14 Jahren und sechs Monaten und Sicherungsverwahrung. Die Verteidigung hatte eine Strafe von neun Jahren und die Unterbringung in der Psychiatrie für ihren Mandanten gefordert.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mediziner rund 15 Jahre lang Buben missbraucht hatte - fremde Kinder von der Straße ebenso wie die Söhne von Bekannten oder Lebensgefährtinnen, insgesamt 21 Buben. Zum Teil hatte er sie betäubt und Fotos und Filme der sexuellen Handlungen angefertigt und gespeichert. Sein jüngstes Opfer war vier Jahre alt. Ein Jugendlicher erfuhr erst im Verlauf der Ermittlungen von den Missbrauchshandlungen, denen er in betäubtem Zustand ausgesetzt war.

Richter geht hart mit Angeklagtem ins Gericht

Warten auf den Richterspruch: Der Angeklagte zwischen seinen Anwälten.

Richter Hoesch übte starke Kritik am Verhalten des Angeklagten im Prozess. Es sei unverständlich, wie hartnäckig dieser an Beschönigungsversuchen und an frei erfundenen Behauptungen festgehalten habe. Die Aufarbeitung von Lebenslügen habe den Prozess zusätzlich in die Länge gezogen, sagte Hoesch.

Das Gericht habe dem Angeklagten mehrere Schutzbehauptungen nachweisen können, zum Beispiel, dass er seine Opfer nicht sediert, also mit Medikamenten ruhig gestellt habe. Der angeklagte Kinderarzt sei kernpädophil, habe also sexuelle Neigungen zu Buben. Der Richter nannte die Strategie des Arztes ein "Uminterpretieren von klaren Sachverhalten". Er sei nur aufgrund sehr penibler Ermittlungen überführt worden, sein Geständnis sei erst spät im Prozessverlauf erfolgt.

Gericht sieht Rückfallgefahr

Nach Hoeschs Worten hat sich der Mediziner ausgesprochen schuldig gemacht und seinen Opfern einen Vertrauensbruch größten Ausmaßes zugefügt. Eine weitere Strafminderung wegen verminderter Schuldfähigkeit habe ihm das Gericht nicht zubilligen können. Die von der Verteidigung geforderten neun Jahre seien völlig illusorisch. Die allgemeine Sozialprognose sei ungünstig, und es bestehe weiter Rückfallgefahr. Er habe seinen Beruf als Arzt in grober Weise missbraucht.

Wie schon während der Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hörte der 41-Jährige, der sich einen Drei-Tage-Bart hatte wachsen lassen, dem Urteil regungslos zu - mit gefalteten Händen und ohne auch nur einmal ins Publikum im vollbesetzten Gerichtssaal zu schauen. Vom einst selbstsicheren Kinderarzt war nichts mehr übrig. Seine Approbation, also Zulassung  als Arzt, hat er bereits vor dem Urteil freiwillig zurückgegeben. Das Gericht verhängte zusätzlich ein lebenslanges Berufsverbot.

Die Verteidigung schließt eine Revision nicht aus, will das Urteil aber erst prüfen. Verteidiger Moritz Bode sagte nach dem Richterspruch, er sei überzeugt, dass sein Mandant therapiefähig sei. Er habe jetzt schon ein sehr starkes Engagement gezeigt und 40 Stunden mit einem Therapeuten verbracht. Außerdem habe er auch schon in der JVA Straubing, wo er eventuell hinkommt, vorgefühlt, ob er dort seine Therapie fortsetzen könnte.

Opferanwältin: Endlich Schlussstrich ziehen

Opferanwältin Marion Zech erklärte, ihre jugendlichen Mandanten hätten belastende Wochen hinter sich. Für sie sei weniger das Strafmaß wichtig, als vielmehr die Tatsache, dass man jetzt einen Schlussstrich ziehen könne.

Der Angeklagte hatte im Prozess alle Missbrauchsfälle zugegeben, sich bei den Opfern - der jüngste Bub war vier - entschuldigt und Schmerzensgeld gezahlt. Außerdem hatte er in der Verhandlung versprochen, dass er jede Hilfe annehmen werde, um nicht wieder rückfällig zu werden.

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