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Kinderarzt-Prozess in Augsburg Verteidigung sieht keine Gründe für Sicherungsverwahrung

Im Missbrauchsprozess gegen einen Augsburger Kinderarzt vor dem Landgericht Augsburg fordert die Verteidigung, die Freiheitsstrafe auf maximal neun Jahre anzusetzen und auf die Sicherungsverwahrung zu verzichten.

Stand: 04.03.2016

Außenaufnahme Eingangsportal Strafjustizzentrum Augsburg, Gögginger Straße  | Bild: BR/Klein

Kann bei dem 41-jährigen Kinderarzt, der sich an 21 Buben sexuell vergangen haben soll, auf eine Sicherungsverwahrung verzichtet werden? Ja, findet die Verteidigung. Der Angeklagte sei ein akademisch gebildeter und promovierter Mann, der das Zeug dazu habe, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, so die Verteidiger Ralf Schönauer und Moritz Bode.

Harry S. gelte demnach als getriebener, seelisch kranker Täter, der sich jedoch offen zu seiner Störung bekenne und gestehe. Er habe zu einem frühen Zeitpunkt ein vollumfängliches Geständnis abgelegt. Der Erfolg einer Therapie sei deshalb gegeben, weil Harry S. kein Hangtäter und nicht vorbestraft sei.

Der Angeklagte verspricht, nicht wieder übergriffig zu werden

Der Angeklagte sagte zum Abschluss, er wisse, dass es mit Entschuldigungen nicht gutzumachen sei. Er tue es trotzdem. Er werde jede Hilfe wahrnehmen, therapeutisch und medizinisch. Er verspreche, dass er nach der Therapie nicht wieder übergriffig oder straffällig werde. Das Urteil wird am 10. März gesprochen.

Staatsanwaltschaft hatte Sicherungsverwahrung gefordert

Gestern hatte die Anklage 14 Jahre und sechs Monate Haft, Sicherungsverwahrung sowie lebenslanges Berufsverbot für den Kinderarzt gefordert. Zugunsten des Angeklagten rechnete Staatsanwältin Maiko Hartmann sein Geständnis und den erfolgten Täter-Opfer-Ausgleich an. Sonst hätte sie die Höchststrafe von 15 Jahren Haft gefordert. Der 41-Jährige hat mit drei Opferfamilien eine Vereinbarung getroffen und Schmerzensgeld gezahlt.


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