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Bahnhof Kaufbeuren Kampf den Barrieren

Kaufbeuren - knapp 50.000 Einwohner und ein Bahnhof ohne Aufzug oder Rolltreppe: Schon lange kämpfen Stadt und Landkreis für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs, doch getan hat sich nichts. Damit geben sich einige Stadträte nicht zufrieden.

Von: Andrea Trübenbacher

Stand: 20.04.2017

Rollstuhlfahrer an Treppe | Bild: picture alliance / blickwinkel

„Kaufbeuren braucht einen barrierefreien Bahnhof! Wir fordern die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn sowie beim Bund, aber auch den Freistaat Bayern auf, umgehend die Weichen dafür zu stellen, dass der Kaufbeurer Bahnhof bis 2021 komplett barrierefrei ist.“  So beginnt die Resolution, die unter anderen der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, den Stadträten zur Abstimmung vorlegen will.

"Und das in der heutigen Zeit"

Übergang für Rollstuhlfahrer

Die Vertreter der CSU, der Freien Wähler und der Initiative für Kaufbeuren wollen eine Resolution in den Stadtrat einbringen, die von Bahn und Staatsregierung den Umbau des Bahnhofs fordert - und so das Thema wieder an die Öffentlichkeit bringen. Denn der jetzige Zustand des Bahnhofs ist für Pohl und seine Kollegen nicht hinnehmbar:

"Hier kommen knapp 5.000 Menschen tagtäglich an und reisen weg. Man möge mir mal sagen, wie es angehen kann in der heutigen Zeit, mit einer Behindertenkonvention etc, dass man für eine Stadt wie Kaufbeuren keinen barrierefreien Bahnhof vorsieht. Das kann man entweder unterirdisch machen – wir haben ja die Zugänge zu den einzelnen Bahnsteigen, da müsste man mit Aufzügen arbeiten – oder man kann es auch oberirdisch machen."

Bernhard Pohl, Freie Wähler

Bislang ist es so: Wer mit dem Rollstuhl von Kaufbeuren abfahren will, muss dies zwei Tage vorher bei der Bahn anmelden, dann wird in Fahrtrichtung Kempten der Hublifter angesetzt und der Rollstuhlfahrer kann in den Zug fahren. Wer nach Augsburg oder München will, hat es noch komplizierter.

Der Hublifter

Da müssen kurz vor der Abfahrt die Gleise gesperrt werden, damit der Reisende auf den anderen Bahnsteig fahren kann: Etwa 350 Meter auf der einen Seite hin, dann über die Gleise und auf der anderen Seite wieder die gleiche Strecke zurück. Auch dann kommt der Hublifter zum Einsatz. Ein Zustand der für die Behindertenbeauftragte des Ostallgäus, Waltraud Joa, dazu führt, dass Rollstuhlfahrer den Kaufbeurer Bahnhof meiden:

"Ich halte den Bahnhof, gerade den Zugang zu den Gleisen, schon für sehr renovierungsbedürftig. Das ist für die gesamte Gesellschaft notwendig. Ich sage auch den Urlaubern mit Rollstuhl wenn möglich mit dem eigenen Auto zu kommen."

Waltraud Joa, Behindertenbeauftragte des Ostallgäus

Doch nicht nur Rollstuhlfahrer haben so ihre Schwierigkeiten mit dem Bahnhof: Auch Menschen mit schwerem Gepäck haben zu kämpfen auf ihrem Weg zum Zug, denn zum Gleis zwei müssen sie erst die Treppe runter, dann durch die Unterführung und dann wieder eine Treppe hoch. "Das hat für mich so nicht funktioniert, das Laufband", sagt eine Bahnkundin. "Wahrscheinlich habe ich auch den Koffer falsch draufgestellt."

Hoffen auf Seehofers Versprechen

Treppe zu den Gleisen

Und auch Eltern beklagen sich über den fehlenden Aufzug: "Wir sind zum Glück zu Zweit und können anfassen. Sie ist auch nicht so schwer und wir haben nicht viel Gepäck. Insofern kann man dann den Kinderwagen die Treppe runtertragen." Und selbst die Reisenden, die weder mit großem Gepäck noch mit Kinderwagen unterwegs sind, kritisieren die fehlenden Aufzüge. Eine Rolltreppe wie in München-Pasing wäre schön, so ein jüngerer Mann.

2013 sah es schon einmal so aus, als ob der barrierefreie Ausbau kommen würde, doch dann wurde stattdessen der Bahnhof in Straubing umgebaut, 2014 unterstütze der bayerische Landtag eine Petition aus Kaufbeuren: Einstimmig wurde hier der Ausbau gefordert. Passiert ist nichts. Jetzt soll mit der Resolution des Stadtrats wieder Druck auf die Bahn aufgebaut werden, sagt Bernhard Pohl:

"Der bayerische Ministerpräsident hat – und das begrüße ich außerordentlich – erklärt, Bayern ist 2023 barrierefrei. Da kann ein so großer Bahnhof einer bedeutenden Stadt wie Kaufbeuren nicht einfach außen vor sein."

Bernhard Pohl, Freie Wähler

Bayern barrierefrei 2023 – ob dieses Ziel der Staatsregierung auch für den Bahnhof in Kaufbeuren gilt – das bleibt wohl abzuwarten.


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