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Kernenergie Katastrophenschutzübung simuliert Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen

Ein fiktiver Störfall im Kernkraftwerk Gundremmingen im Landkreis Günzburg ist Grundlage für eine Katastrophenschutzübung an diesem Samstag. Organisiert wird sie von der Regierung von Schwaben. Allerdings wird die Bevölkerung wenig von der Übung mitbekommen. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Stand: 10.11.2017

Die Kühltürme des AKW Gundremmingen | Bild: BR/Joseph Weidl

Die Tage der Atomkraft in Deutschland sind auch in Schwaben gezählt. Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen soll Ende diesen Jahres für immer abgeschaltet werden, Block C Ende 2021. Doch solange das AKW noch läuft, sind die Behörden verpflichtet, immer wieder gewisse Szenarien zu proben für den Ernstfall, für einen Störfall im Kernkraftwerk, bei dem etwa radioaktive Strahlung austritt. Am Samstag gibt es dazu eine Katastrophenschutzübung der besonderen Art, bei der die Bevölkerung aber sehr wenig bis gar nichts sehen wird.

Was passiert genau bei dieser Übung?

Zuerst muss man sagen, dass es keine Katastrophenschutzübung ist, wie man das vielleicht kennt mit vielen Feuerwehrautos, Löschübungen, Evakuierungen ... Diese Übung spielt sich vor allem in der digitalen Welt ab. Denn es geht um die Frage: Wie sieht die Kommunikation unter den Behörden aus, wenn es wirklich einen Störfall im AKW geben sollte. Wer alarmiert wen? Wer spricht mit wem? Wer kümmert sich wann worum?

Ausgangspunkt dafür ist, so ein Sprecher der Regierung von Schwaben, ein Computerprogramm, das sowohl die Landratsämter, die für den Katastrophenschutz verantwortlich sind, als auch Feuerwehr, Polizei und andere nutzen. In diesem Programm sollen im Fall der Fälle alle wichtigen Informationen zusammenlaufen.

Es geht um den Alarmweg: Welche Maßnahmen werden bei einem Störfall ergriffen ?

Zunächst müsste das AKW natürlich die zuständigen Behörden, also Atomaufsicht und den Katastrophenschutz, sprich: die Landratsämter und die Regierung von Schwaben informieren. Danach kommen der Rundfunk ins Spiel: Denn auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk würden entsprechende Durchsagen laufen müssen.

Für die Evakuierung gibt es einen Bereich im Radius von zehn Kilometern rund um das AKW. Dieser Bereich ist in Sektoren eingeteilt. Jeder Sektor ist einem anderen Aufnahmeort weiter weg zugewiesen. Beispiel: Bewohner aus Günzburg würden zum Messegelände nach Augsburg fahren müssen oder mit Bussen dorthin gebracht werden, Bewohner aus Lauingen in den Landkreis Unterallgäu. Dort gibt es dann zentrale Aufnahmestellen. Von dort würden die Menschen je nach Bedarf verteilt werden – auf große Sammelunterkünfte oder gegebenenfalls auch Hotels und Pensionen. Gleichzeitig ist im betroffenen Gebiet der Strahlenschutz unterwegs. Er muss messen, wie hoch die Strahlenbelastung ist, und sollte im ständigen Austausch mit den Behörden stehen.

Solche Pläne sind häufig umstritten. Gibt es im Fall von Gundremmingen Kritik?

Ja, die gibt es durchaus, zum Beispiel von Raimund Kamm von der Initiative Forum. Die Gegner sagen: Auf dem Papier ist das alles schön und gut, aber funktioniert das wirklich in der Praxis? Müsste man solche Evakuierungen nicht auch mal üben? Und müsste man die Menschen nicht noch genauer informieren, was sie zu tun haben? Weiteres Beispiel der Gegner: Wenn wirklich wegen radioaktiver Strahlung die Evakuierung ausgerufen wird, wen kann man verpflichten, in die Krisenregion zu fahren, um Menschen mit dem Bus abzuholen?

Das ist vielleicht auch ein bisschen provokant gefragt, es spielen da ja auch noch viele Faktoren herein, wie etwa die Windrichtung oder die Frage, wie schnell tatsächlich Strahlung nach außen dringt. Eine weitere Forderung der Gegner: Bayern soll endlich die neuen Empfehlungen der Strahlenschutzkommission umsetzen, die nach dem Unglück in Fukoshima ausgesprochen wurden. So soll der Radius für die Evakuierung zum Beispiel von 10 auf 20 Kilometer rund um das AKW erweitert werden. Noch ist da nichts passiert. Das ist Aufgabe des Innenministeriums.


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Realist, Freitag, 10.November, 10:38 Uhr

1. Was wollen wir überhaupt?

Egal wie, es ist immer falsch.
Da wird geübt und auch hier wird wieder gemeckert werden. Der Strom soll ja schließlich billig sein und "nur" aus der Steckdose kommen!
Windenergie soll dringend genutzt werden , aber nicht bei mir/uns!
Solarstrom auch, aber bitte keinen Solarpark in meiner Nähe! Und übrigens auch keine Stromtrasse(n) aus oder in den Norden! Kohlekraft abschalten, Kernenergie sowieso...
Hauptsache wir deutschen sind "Sauber". Es gibt ja noch die "sicheren" Kernkraftwerke in Westeuropa. Westwind in Schwaben....ja! Nachdenken.
Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

Es ist gut das so etwas geübt wird. Besser wäre es mal darüber nachzudenken wo unser täglich Strom so herkommt ?
Den durchführenden der Übung "ein gutes" gelingen!

  • Antwort von Spreng Thomas, Sonntag, 12.November, 13:54 Uhr

    Nein, es ist nicht wie immer falsch....abschalten den Wahnsinn, ist die richtige Lösung. Die nachfolgenden Generationen der nächsten 100.000 Jahre werden es uns danken. Aber da leben wir nicht mehr ....und nach mir ist das sowieso egal.
    Verantwortungslosigkeit nennt man so etwas.
    Aber sicherlich wird mein " Vorschreiber" bei seiner nächsten Gehaltsverhandlung im AKW Gundremmingen gut bedacht werden.

    Zur Korrektur....der Strom wird immer aus der Steckdose kommen. Interessant ist hierbei nur, welche Erzeugungsart vor der Steckdose steht.
    Und noch etwas....der Strom wird für uns billiger werden wenn die Atomverstromung aufhört.
    Darüber wird aber geschwiegen.
    Warum nur?
    Nachdenkaufgabe für Sie und andere.
    Trotzdem liebe Grüße und in der Hoffnung dass das in Gundremmingen bald Geschichte ist, bevor etwas passiert und wir große Teile von Süddeutschland für immer verlassen müssen. Es muß nicht immer ein technischer Defekt sein. Ein Unfall kann auch von außen herbeigeführt werden.