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Ein ausgezeichneter Ort Irsee erhält Baukultur-Preis

Vier Allgäuer Gemeinden haben im Dorfsaal "Kultiviert" in Wildpoldsried den sogenannten Baukulturgemeinde-Preis erhalten. Einer der Preisträger ist die Gemeinde Irsee.

Von: Katharina Kraus

Stand: 12.02.2016

Baukultur in Irsee | Bild: Katharina Kraus / BR

Auszeichnung

Irsee, Holzgünz/Schwaighausen und Wolfertschwenden sind die ausgezeichneten Gemeinden. Zudem erhält die Stadt Memmingen einen Sonderpreis. Mit der Auszeichnung ehren das "Architekturforum Allgäu" und die Initiative "LandLuft" Kommunen, die sich bewusst und vorbildlich um eine nachhaltige Entwicklung ihrer Gemeinden bemühen und zum Beispiel kulturelles Erbe erhalten sowie öffentliche Räume ansprechend gestalten. Darunter verstehen Fachleute des Architekturforums Allgäu "hochwertige Baukultur".

Ein behutsamer Umgang mit dem Ort

Ein Kunst- und Kulturpfad informiert über die Bedeutung und fühere Nutzung der historischen Gebäude.

Beim Spaziergang durch Irsee macht Franz Schröck, Geschäftsführer des Architekturforums, keinen Hehl aus seiner Begeisterung für den Ort und seine Menschen: "Irsee ist in dem Sinn vorbildlich, weil es einfach auf das Motto setzt: 'Innenentwicklung statt Außenentwicklung'. Das Dorfzentrum wird gestärkt. Es wird sehr behutsam mit Grund und Boden, mit der Flächenversiegelung im Außenbereich umgegangen."

Keine Bausünden im Ortskern

Klangskulptur des einheimischen Künstlers Roman Harasymiw

Schon lange arbeiten die Verantwortlichen an einem schönen Ort: ein gepflegtes Wegenetz abseits der Straßen spannt sich quer durch Irsee, an Bächen entlang, vorbei an hübsch renovierten Bauernhäusern und modernen Kunstwerken. Zum Kaffee trinken trifft man sich beim Bäcker im 300 Jahre alten Bäckerhaus.

Das denkmalgeschützte Gerichtshaus beherbergt eine Arztpraxis und eine Keramikwerkstatt. Bausünden im Ortskern gibt es nicht. Die Irseer gehen seit Jahren sorgfältig mit ihrem Dorf um, wie der zweite Bürgermeister Bertram Sellner erzählt.

"Irsee ist damals sehr weitsichtig eingestiegen in diese Dorferneuerung: Man hat sich vor 25 Jahren zum Beispiel schon Gedanken gemacht: Welche Werte sind in Irsee erhaltenswert, und wie soll das weitergehen.  Das ist immer eine rote Schnur für alle, die im  Gemeinderat seit dieser Zeit tätig waren."

Betram Sellner

"Es ist wichtig, transparent zu sein"

Franz Schröck (l.) steht neben Betram Sellner, zweiter. Bürgermeister der Marktgemeinde Irsee.

Eine Arbeit, die nicht immer ganz einfach ist, und für Diskussionen sorgt. "Man kann es nicht immer allen zu 100 Prozent Recht machen.  Aber ich glaube, es ist wichtig, transparent zu sein und das auch gut an die Bürger weiter zu geben. Dann wird das auch sehr gut akzeptiert", sagt Bürgermeister Sellner.

"Alle ziehen an einem Strick"

Die Regeln in Irsee sind klar: Wer in der gut 1.500-Einwohner zählenden Gemeinde ein Grundstück kaufen möchte, muss seine Bauideen vorab dem gesamten Gemeinderat vorlegen. Für bereits bebaute Gebiete wurden Pläne aufgestellt, die bei Umbaumaßnahmen berücksichtigt werden müssen. Für den Erhalt eines nicht denkmalgeschützten Gebäudes gibt es gemeindliche Förderungen. Eine runde Sache findet die Jury des Baukulturgemeindepreises, auch weil die Bevölkerung seit Jahren mit im Boot ist.

"In Irsee hat man einfach den Eindruck, dass viele an einem Strick ziehen. Jeder will eine Qualität herstellen und will einfach den Ort lebenswert machen. Baukultur hat auch ganz viel mit Lebensqualität zu tun."

Franz Schröck vom Architekturforum Allgäu

Das alte Bäckerhaus wurde stilsicher renoviert und ist ein Treffpunkt für einen Kaffeklatsch.

Der Bürgermeister freut sich über die Auszeichnung: "Das ist man schon stolz, weil  ich denk, man wurschtelt vor sich hin und arbeitet im Gemeinderat. Man hat viele Diskussionen und  das stärkt einen, da positiv weiter zu arbeiten." Die kleine Marktgemeinde im Ostallgäu ist ein Beispiel für gelungene Dorfentwicklung, bei der kulturelles Erbe nicht nur bewahrt, sondern für die Zukunft auch erweitert wird.


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