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Geburtshilfe in Illertissen Kreistag vertagt endgültige Entscheidung

Nach dem Krankenhausausschuss hat auch der Kreistag Neu-Ulm eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Geburtshilfestation an der Illertalklinik in Illertissen verschoben. Die Kreisräte wollen den Sachverhalt erst noch prüfen lassen.

Von: Joseph Weidl

Stand: 05.02.2016

Mit großer Mehrheit haben die Mitglieder des Kreistages Neu-Ulm beschlossen, einen Gutachter zur Zukunft der Geburtshilfeabteilung zu befragen. Mit zehn Gegenstimmen wurde der von der CSU eingebrachte Vorschlag, der bereits im Krankenhausausschuss diskutiert worden war, angenommen.

Kreistag muss mit Gegenwind rechnen

Die Unterschriften aus der Online-Petition wurden bereits übergeben.

Der Gutachter soll bis zum 31. März sechs Fragen klären. Er soll eine mögliche Zusammenarbeit mit der Geburtshilfe der Donauklinik in Neu-Ulm oder der Klinik in Memmingen prüfen. Außerdem soll er darlegen, wie hoch die Kosten und Erträge wären, wenn aus der bisherigen Geburtshilfestation mit Belegärzten eine Hauptabteilung mit ständig anwesendem Personal würde. Letztlich soll der Sachverständige eine abschließende Empfehlung abgeben, ob und wie die Abteilung erhalten werden kann.

Bestimmt werden soll der Gutachter von einem Beirat aus Vertretern der Hebammen, der Klinikleitung, der Politik und der Bürgerinitiative, die für den Erhalt der Station kämpft. Die Initiative will Gegenwind geben, falls sich der Kreistag gegen den Erhalt der Geburtshilfestation an der Illertalklinik entscheidet. Im schlimmsten Fall will die Initiative einen Bürgerentscheid anstreben – 11.200 Unterschriften hat sie dafür bereits gesammelt.

Familiäre Atmosphäre erhalten

Angela Rittler hat die Sache ins Rollen gebracht.

Viele Mütter waren geschockt, als sie das erste Mal das Gerücht von der Schließung der Geburtshilfestation gehört haben. Wie Angela Rittler, die Initiatorin der Bürgerinitiative, wollen sie die familiäre Atmosphäre in der Illertalklinik nicht verlieren.

"Diese Atmosphäre, das ist einfach so familiär, so ruhig, so persönlich, man kennt halt auch alle. Des is grad eine Handvoll Hebammen, die man hat, die sich vor der Geburt, nach der Geburt und währenddessen um einen kümmern. Des is einfach das Persönliche."

Angela Rittler, die in Illertissen entbunden hat

Besteht wirklich Personalnot?

Der Träger der Klinik, die Kreisspitalstiftung Weißenhorn, empfiehlt eine Schließung der eigenständigen Geburtshilfe-Station. Als Grund führt die Stiftung die hohen Kosten an und die Schwierigkeiten bei der Suche nach gutem Fachpersonal. Der Gynäkologe Dr. Martin Schlipf, der als Belegarzt in der Klinik arbeitet, weist jedoch vor allem das Personalproblem zurück.

"Die Personallage ist aus unserer Sicht gar kein Problem. Wir sind zwei Belegärzte: Dr. Aslan, mein Kollege, und ich. Zudem haben wir aber noch drei angestellte Ärztinnen, die die Abteilung mitversorgen und die die Versorgung sicherstellen."

Gynäkologe und Belegarzt Dr. Marin Schlipf

Landrat: Nichts übers Knie brechen

Der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger hat zugesagt, alle Argumente anzuhören und keine Entscheidung übers Knie zu brechen.  

Landrat Thorsten Freudenberger

"Ich nehm die Argumente auf, die aus Illertissen kommen und aus der Illertisser Umgebung. Ich nehm die Argumente aus der Klinikleitung und von Beratern auf. Ich nehm die Argumente auf, die aus dem politischen  Bereich kommen und werde mir dann mit den Kolleginnen und Kollegen im Kreistag eine Meinung bilden. Ich halte es für dringend für geboten, dass man sich diese Zeit auch nimmt."

Thorsten Freudenberger, Landrat von Neu-Ulm

Der Kreistag muss über die Klinikreform und den Erhalt der Geburtsstation schließlich abstimmen. Wenn jedoch der Bürgerentscheid kommt, liegt die Entscheidung letzten Endes bei allen Wahlberechtigten im Landkreis Neu-Ulm.

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