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Gelernt für die Arbeitslosigkeit Flüchtling aus Integrationsklasse kämpft mit den Behörden

Elf Flüchtlinge sind in Höchstädt in einer Modell-Schulklasse auf das Berufsleben vorbereitet worden. Vielen droht jetzt dennoch die Arbeitslosigkeit, weil die Zustimmung der Behörden zu Ausbildungsverträgen fehlt - wie im Fall Ali.

Stand: 20.07.2017

Ali hat bei Elektro Schadl in Lauingen mehrere Monate lang ein Praktikum gemacht. Chef Thomas Schadl ist begeistert. Egal bei welchem Wetter sei Ali auf den Baustellen, nehme Pläne in die Hand, verlege selbst Leitungen. "Das ist nicht normal, muss man schon sagen", lobt Schadl.

Thomas Schadl würde Ali gerne anstellen.

Deshalb würde Schadl Ali gerne als Lehrling haben. Er hat ihm bereits einen Lehrvertrag ausgestellt. Den hatte Ali schon in der Tasche als er wegen seines Asylverfahrens zur Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge musste.

Doch es folgte die Enttäuschung. Nur eine Woche nach der Anhörung wurde Alis Asylantrag abgelehnt. Er klagt nun, hat aus Sicht der Behörden aber noch ein weiteres Problem. Die Ausländerbehörden machen ihre Zustimmung zu Ausbildungsverträgen von einer gesicherten Identität abhängig. Die Zentrale Ausländerbehörde schreibt:

"Leider muss ich ihnen mitteilen, dass ich ihren Antrag nicht gestatten kann."

Zentrale Ausländerbehörde

Ali legt keinen Pass vor. Er sagt, er sei mit vier Jahren mit seinen Eltern aus Afghanistan in den Iran gegangen. Afghanische Papiere besitze er nicht und auch Verwandte dort gebe es keine. Die iranischen Papiere habe ihm die Polizei abgenommen. Verwandte in Afghanistan habe er auch nicht.

Vor gut einem Jahr und vor der Ablehnung seines Asylantrags war Ali rechtlich in einer günstigeren Situation. Hätte er damals die Schule abgebrochen, hätte er gute Chancen auf eine Lehrstelle gehabt und diese unter Umständen auch als abgelehnter Asylbewerber noch beenden dürfen. Lehrer Konrad Lindner riet ihm damals zur Schule.

"Da ist er zu mir gekommen, und hat gefragt, was er machen soll: Eine Lehrstelle antreten, oder die Schule weitermachen. Ich hab ihm gesagt, mach die Schule weiter! Mit einem Abschluss bist Du dann in der Lehre sicher besser dran. Jetzt hat er Pech."

Lehrer Konrad Lindner


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