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AKW Gundremmingen Kritiker fordern schnelle, sichere Abschaltung

In Gundremmingen geht die Diskussion um den Abriss des Atomkraftwerks weiter. Seit gestern werden Einwendungen gegen den geplanten Rückbau von Block B des Atomkraftwerks beraten. Atomkraftgegner fordern neben Block B auch Block C schnell abzuschalten.

Von: Torsten Thierbach, Joseph Weidl und Kilian Geiser

Stand: 29.03.2017

Die Unterlagen zum Antrag der Betreiber auf den Rückbau hatten Ende des letzten Jahres öffentlich ausgelegen. Organisationen wie der Bund Naturschutz, Bürgerinitiativen, aber auch Privatleute formulierten daraufhin 150 schriftlichen Einwendungen.

Im Vergleich zum Verfahren etwa beim Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld ist das eine eher überschaubare Zahl. Zu dem unterfränkischen AKW waren im vergangenen Jahr von etwa 850 Personen und Organisationen Bedenken eingegangen.

Abbau während des Betriebs von Block B

In Gundremmingen wird unter anderem kritisiert, dass die Betreiber den Rückbau von Block B noch während des laufenden Betriebs von Block C beginnen wollen. Während der Arbeiten würden sich also noch Brennelemente in der Anlage befinden. Viele AKW-Gegner sehen darin ein Sicherheitsrisiko. Der AKW-Betreiber entgegnete, ein solches Vorgehen sei sicherheitstechnisch unbedenklich, da mit einer Revision vergleichbar.

Das Problem mit dem Zwischenlager

Dem vorgebrachten Vorwurf, es wäre keine Alternative zum Rückbau geprüft worden, begegnete das Umweltministerium mit dem Hinweis, dass dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. Auch das vom Betreiber ausgewiesene Ziel, nach dem Abbau eine "Grüne Wiese", also eine strahlungsfreie Fläche zu hinterlassen, konterten die Gegner des Verfahrens. Ihr Vorwurf: 99 Prozent des radioaktiven Materials würden in Gundremmingen in einem Zwischenlager bleiben und damit die Gefahr für Menschen und Umwelt weiter vorhanden sein.

Die Kritiker schlugen zudem vor, dass der Betreiber für den geplanten zeitlichen Ablauf des Rückbaus eine Genehmigung beantragen soll. Zudem solle die Öffentlichkeit zu jedem einzelnen Schritt informiert werden. Es gibt also noch Gesprächsbedarf, bis der Abbau von Block B Anfang kommenden Jahres tatsächlich beginnen kann.

Atomkraftgegner im Zwiespalt

Atomkraftgegner protestieren vor dem Auwald-Sportzentrum in Gundremmingen.

Die Anhörung der vorgelegten Einwände lief bislang ruhig und sachlich ab. Veranstaltet wurde sie von der Atomaufsichtsbehörde. Auf dem Podium saßen Vertreter der AKW-Betreiber, des Umweltministeriums, des Landesamts für Umwelt und des TÜV, um auf die Einwendungen einzugehen. Im Vorfeld demonstrierten etwa 30 Atomkraftgegner. Für sie ist es eine schwierige Situation: Einerseits üben sie Kritik an den Rückbauplänen - andererseits wünschen sie sich einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie.

Rückbau verschlingt Milliardensumme

Das Kraftwerk Gundremmingen war die erste atomare Großanlage in Deutschland. Block A ging vor rund 50 Jahren ans Netz, wurde aber bereits nach einem Jahrzehnt wegen eines Störfalls abgeschaltet. Block B soll nun Ende des Jahres abgeschaltet werden. Mit dem Abbau wollen die beteiligten Energiekonzerne RWE und Eon bereits 2018 starten. Die endgültige Stilllegung des AKW Gundremmingen mit Block C ist für Ende 2021 geplant. Danach wird sich der Rückbau der beiden Reaktoren und der Nebengebäude voraussichtlich über Jahrzehnte hinziehen. Die Kosten werden auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt.


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