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Terrorangst und AKW Gundremmingen sicherer als belgische Meiler

Wie steht es um die Sicherheit von Kernkraftwerken vor Anschlägen? Seit bekannt wurde, dass ein Dschihadist in einem belgischen Atomkraftwerk drei Jahre gearbeitet hat und im Licht der neuen Anschläge hat BR-Korrespondentin Jenny Schack die Lage für das AKW Gundremmingen analysiert.

Von: Jenny Schack

Stand: 23.03.2016

Atomkraftwerk Gundremmingen, mit dampfenden Kühltürmen | Bild: picture-alliance/dpa

Es gab mehrere sehr deutliche Hinweise darauf, dass auch Kernkraftwerke im Fokus der Islamisten in Belgien sind. Nur zwei Beispiele: Bei den in Brüssel  vorbereiteten und in Paris ausgeführten Anschlägen wurde im Nachgang ein Verdächtiger festgenommen. Bei der Durchsuchung seines Hauses kam ein zehn Stunden langes Video zum Vorschein, das ein Haus zeigte, eine Haustür. Schließlich stellte sich heraus, dass hier ein wichtiger belgischer Atomfachmann observiert wurde.

Kernkraftwerke als Terrorziel

Dann wurde bereits im Oktober 2014 bekannt, dass ein belgischer Dschihadist als Techniker im Hochsicherheitstrakt des ältesten AKW dort gearbeitet hat - drei Jahre lang - und das, obwohl die Behörden wussten, dass er sich an Aktionen für den islamischen Staat beteiligt. Später setzte er sich wohl auch ab und schloss sich dem Islamischen Staat vor Ort an. Wohl gemerkt, der Mann war durchgecheckt.

Könnten sich Anhänger des IS ins AKW Gundremmingen einschleusen?

"Ganz in die Köpfe der Menschen schauen kann man nicht. Aber es gibt schon gravierende Unterschiede zwischen der Handhabung der Sicherung von AKW der Behörden in Belgien und in Deutschland. Hier werden - auch die externen Firmen-Mitarbeiter bei Revisionen - intensiv durchgecheckt. Wer verdächtig ist, wird sofort rausgenommen, wieder gecheckt. Das ist die Sicherheit von innen."

Jenny Schack

Wenn ein Mitarbeiter einen falschen Knopf drückt, dann gibt es maximal eine Schnellabschaltung und dann war es das erst einmal. Das gab es bereits, allerdings aus der Unachtsamkeit eines Mitarbeiters heraus, im März 2015.

So werden Mitarbeiter in bayerischen AKW überprüft

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Wer regelmäßig in einem bayerischen Atomkraftwerk arbeiten will, der wird gemäß Atomgesetz §12b auf seine Zuverlässigkeit überprüft. In einem Fragebogen müssen neben persönlichen Daten etwa die Wohnsitze der letzten 10 Jahre angegeben werden. Das Bayerische Umweltministerium fragt dann routinemäßig bei Polizei, Verfassungsschutz und beim Bundeszentralregister der Justiz nach. Erst bei Unbedenklichkeit darf etwa der AKW-Betreiber einen Zugangsausweis ausstellen. Die Zuverlässigkeit wird regulär alle fünf Jahre erneut überprüft.

Vier Sicherheitsschleusen und Wachpersonal mit Schusswaffen

Wer hier in den empfindlichen Kern der Anlage hinein will, der muss durch vier Sicherheitsschleusen, das Wachpersonal ist - anders als in Belgien - mit Schusswaffen ausgestattet.  

Wenn - wie auch immer - es dennoch jemand in den Hochsicherheitsbereich des AKW; also in den Kern geschafft hat, dann müsste er 400 Kilo schwere Brennelemente tragen, die, wenn sie schon bestrahlt sind, nach fünf Sekunden durch ihre Strahlung töten, so Jenny Schack.

"Also, das ist kein realistisches Szenario. Deshalb wurden auch eher die Zwischenlager mit den Castoren verstärkt. Um das Zwischenlager wurden ja Mauern hochgezogen, Kerosinabflussrinnen für etwaige Flugzeugabstürze nachgerüstet - und natürlich all die Dinge, die man uns als Journalisten - aus Sicherheitsgründen nicht erzählt."

Jenny Schack


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