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Streit am Ortwanger Baggersee Mit Gülle gegen Badegäste

Die Badegäste in die Flucht geodelt: Immer wieder streitet sich ein Landwirt mit Badegästen, die sich auf seiner gepachteten Wiese am Ortwanger Badesee ausbreiten. Dann reißt dem Bauer der Geduldsfaden.

Von: Christoph Scheule und Andreas Herz

Stand: 27.06.2017

Die Wiese, um die immer wieder gestritten wird, liegt nicht gerade idyllisch: Unterhalb der B19 zwischen Immenstadt und Sonthofen liegt der Ortwanger Baggersee. Um den schmalen Grünstreifen dazwischen wird gestritten.

Immer wieder machen es sich Badegäste dort gemütlich, verbotenerweise. Denn die Wiese hat Bauer Martin Köberle gepachtet und nutzt sie als Futterland. Das geht schon seit 20 Jahren so, sagt Köberle, aber in letzter Zeit wurde es immer mehr. 40 Sonnenschirme hat er zuletzt auf seiner Wiese gezählt.

"Wenn ich was sähe, wird man nur noch blöd angeschwätzt, der Abfall bleibt liegen"

Martin Köberle.

Dabei gebe es auf der anderen Seite des Sees eine offizielle Liegewiese.

"Ich musste eine Kuh einschläfern"

Vor ein paar Tagen kam es mal wieder zum Streit zwischen Köberle und Badegästen. Immer wieder bittet er sie, die Wiese zu verlassen, später in recht scharfem Ton. Sie sollen endlich verschwinden.

Müll auf der Wiese

"Ich habe ihnen gesagt, dass überall Scherben liegen bleiben, die Scheibe an meinem Traktor ist kaputt gegangen." Sogar eine Kuh habe er einschläfern müssen, weil sie einen Fremdkörper gefressen habe. Da ist sich Bauer Köberle sicher, auch wenn er es nicht beweisen kann. Köberle glaubt, die Badegäste damit überzeugt zu haben.

Doch als er am Nachmittag wieder an seiner Wiese vorbeikommt, liegen die Badegäste immer noch da. Wieder diskutieren sie mit dem Landwirt:

"Sie haben mich belächelt, was ich eigentlich will. Da habe ich mir gedacht: jetzt reichts! Dann machen wir es eben anders - und ich habe nochmal gedüngt."

Martin Köberle

Die Gemeinde mischt sich ein

Badegast Benjamin war an jenem Tag auch auf der Wiese, konnte die Situation beobachten:

"Zehn Minuten später kam der Bauer mit seinem Güllefass wieder. Die Leute waren gerade dabei zu gehen. Er ist dann auf die Wiese gefahren und hat angefangen die Gülle zu verspritzen. Jeder hat sich aufgeregt. Kurze Zeit später ist er auch auf die große Badewiese gefahren und hat dort auch noch alles vollgespritzt. Der Wind hat kleinere Spritzer auf die Badegäste getragen."

Benjamin

Bei der Gemeinde Burgberg ist man sich im Klaren, dass es so nicht weitergehen kann. Auf Wunsch des Eigentümers wurde das Gebiet im Flächennutzungsplan zur Freizeitnutzung ausgewiesen. Schon länger verfolgt die Gemeinde den Plan, dort einen Kiosk und einen Badesteg aufzubauen.

Bürgermeister Dieter Fischer hofft, dass der Eigentümer nun Ernst macht. Bauer Köberle würde dann sein Pachtland verlieren. Und die Badegäste könnten ganz legal ihre Schirme aufspannen.


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S.Wiedeman, Mittwoch, 28.Juni, 14:17 Uhr

26. Mit Gülle gegen Badegäste

Ich gehe fast jeden Abend genau an dieser Stelle zum Baden und rege mich ebenfalls regelmässig auf, dass Badegäste auf der Wiese liegen, wo sie rein gar nichts zu suchen haben und ihren Müll liegen lassen. Dem Bauern jetzt das Pachtland wegzunehmen, ist typisch für die Touristenregion Allgäu, wo langsam jeder machen kann, was ihm passt, ohne Rücksichtnahme auf die Landwirte. Den Landwirten haben wir es zu verdanken, dass das Allgäu noch eine Urlaubsregion ist. Anstatt gegen rücksichtlose Badegäste, Hundebesitzer usw. vorzugehen, fällt den Gemeinden u. Städten nichts besseres ein, als den Landwirten das Leben schwer zu machen und das nur, um noch gieriger am Tourismus zu verdienen. Ich würde an seiner Stelle in Burgberg mal das Rathaus düngen!

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 28.Juni, 17:48 Uhr

    Erstens sind das ja wohl Einheimische die da zum baden gehen und keine Touristen,und zweitens,wer verdient den im Allgäu am Tourismus? Doch wohl hauptsächlich Landwirte und Hoteliers!Die Gemeinden stellen die Infrastruktur zur Verfügung und haben die Kosten. Und wenn man Grundbesitzer, sprich Landwirte von der Leine lässt sieht man ja am Riedberger Horn was dabei herauskommt. Wenn jemand gierig ist sind das Landwirte die zum Beispiel jeden Feldrain niederspritzen und jede Hecke niedermähen! Bei mir im Ort wird so nah an die Straße rangepflügt daß jedes Frühjahr die Leitpfosten auf der Straße liegen. Feldrain fehlanzeige! Vögel dito! Aber Mais bis zum Horizont,mit entsprechender Gülleausbringung....kotzen könnt man!

  • Antwort von Grosser Fan, Mittwoch, 28.Juni, 18:16 Uhr

    WOW, solch tolle Beiträge, ich bin jetzt offiziell ein Fan.
    Dachte immer Truderinger wäre die Topliga der Kommentare hier, aber die toppen das mit Leichtigkeit

  • Antwort von Frau Schneider, Mittwoch, 28.Juni, 19:56 Uhr

    Wolf ist der Fachmann für Landwirtschaft, das kann man hier ganz genau feststellen :-)

  • Antwort von Ludwig Lutz, Mittwoch, 28.Juni, 23:28 Uhr

    Sehr gut und zutreffend Ihr Kommentar S. Wiedeman. Dem Götzen Tourismus opfer man alles, auch geltendes Recht - Stichwort Betretungsverbot während der Vegetationsperiode. Den Einen oder Anderen ist vermutlich entgangen das Gras nachwächst (falls es nicht z. B. wie hier von sogenannten Badegästen zertrampelt wird). Dass die Gemeinde dem betroffenen Landwirt den Pachtvertrag - zugunsten der Spaßgesellschaft kündigt ist einfach bodenlos und in keinster Weise nachvollziehbar sowie Verantwortungslos gegenüber der Gesellschaft und den Landwirt.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 29.Juni, 14:42 Uhr

    @ludwig,
    Wenn sie denn den Artikel auch mal lesen würden,könnten sie lesen daß die Gemeinde seit längerem VERSUCHT die Wiese vom Besitzer (der Landwirt ist nur Pächter) zu bekommen. Ich nehme an das Problem ist seit Jahren bekannt (auch dem Pächter! ) dementsprechend wird wohl die Pacht ausfallen,nämlich niedrig! Außerdem leben wir nicht in einer Spaßgeselschaft,sonder in einer Hart arbeitenden,nicht umsonst sind wir Exportweltmeister,dementsprechend hat die Bevölkerung anrecht auf Erholung die auch mal nix kostet,zum Beispiel einen zugänglichen Badeweiher,wer das nicht verstehen will kann mir ehrlich gestohlen bleiben. Damit ist für mich Ende der Diskussion.

  • Antwort von Renate E., Donnerstag, 29.Juni, 15:30 Uhr

    Tja, der Wolf hat gegenüber den Geißlein versagt, wie soll der da was vom schweren Dasein eines Landwirtes verstehen... Außerdem ist der Tenor seiner Kommentare vorrangig grün-links. Und man weiß ja, dass sich solche, zumeist noch jüngeren Semester zugehörige Blogger, mit der Realität etwas schwer tun.

Gülle, Mittwoch, 28.Juni, 14:00 Uhr

25.

Bravo, der Landwirt hat alles richtig gemacht! Sehr kreativ auch die Idee! Gefällt mir ! Und Sonnenbaden ist eh schlecht für die Haut. :-D

Heinrich, Mittwoch, 28.Juni, 08:33 Uhr

24. Spaßgesellschaft

Ich bin kein großer Freund der Subventionswirte.

Aber ein gepachtetes Grundstück wird der Pächter wohl auch nutzen dürfen.

Auch die Gemeinde steht hier in der Verantwortung. Solange das Areal noch nicht umgewidmet ist, solange ist dort auch keine andere Nutzung erlaubt. Und wenn es hier immer wieder zu Konflikten kommt, muss die Gemeinde auch regulierend eingreifen. Für was ist ein Kommune sonst da?

Ich bin aus anderen Gründen im Bereich Landwirtschaft immer sehr skeptisch. Aber hier kann ich den Bauern nur unterstützen. Es gitb auch Grenzen für die Spaßgesellschaft.

  • Antwort von Frau Schneider, Mittwoch, 28.Juni, 19:57 Uhr

    @Heinrich
    Warum glauben Sie, das die Bauern Subventionen erhalten?

  • Antwort von Heinrich, Mittwoch, 28.Juni, 20:41 Uhr

    Das ist nicht das Thema des Artikels. Daher werde ich die Frage nicht beantworten.

  • Antwort von Frau Schneider, Mittwoch, 28.Juni, 21:02 Uhr

    Subventionswirte....

  • Antwort von Heinrich, Donnerstag, 29.Juni, 15:26 Uhr

    Es wird ein Artikel kommen, bei dem ich den Ausdruck wieder gebrauchen werden. Dann können wir, abhängig vom Thema des Berichts, über das Wort diskutieren. Hier und heute ist das ein Nebenschauplatz, und würde die Kommentare in die vollkommen falsche Richtung lenken. Fakt ist, dass der Landwirt seinen gepachteten Grund nutzen darf, und sich gegen Schädlinge schützen muss. Heute verteidige ich speziell das Vorgehen dieses Bauern als richtig.

Ludwig Lutz, Mittwoch, 28.Juni, 00:08 Uhr

23. Mit Gülle gegen Badegäste

Das(s) waren keine (Bade)Gäste. Die Personen haben die Fläche widerrechtlich betreten. Die Wiese hat Herr Martin Köberle wohl von der Gemeinde gepachtet.
Da die Fläche landwirtschaftlich genutzt wird darf sie während der Vegetationsperiode nicht betreten werden. Da versteh einer die Gemeinde, die anscheinend die
widerrechtlich Nutzung - zumindest - duldet . Nicht nachvollziehbar ist auch dass die Gemeine den Flächennutzungsplan ändern will ( zugunsten der Freizeitnutzung), oder bereits hat. Landwirtschaftliche Flächen, auf die wir und unsere Bauern dringen angewiesen sind, werden immer knapper und teure trotzdem fällt der Gemeinde nicht besser ein als die Wiese der Nahrungsmittelproduktion zu entziehen. Das Ausbringen der Gülle von Herrn Martin Köberle war schlicht und einfach richtig und Notwehr. Geholfen sein Recht durchzusetzen hat ihm ja niemand. Was Herrn Köberle widerfahren ist, ist Land auf Land ab zu beobachten und fast alle insbesondere die Behörden sehen weg.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 28.Juni, 08:26 Uhr

    An ihrem Kommentar ist so gut wie alles Falsch...bie auf ihren Namen vielleicht.
    Die wiese war gemäht....gibt kein Betretungsverbot
    Die Gemeinde versucht wohl schon länger die Wiese zu pachten.....da wird wohl jemand Pokern
    Der korrekte Weg wäre gewesen die Polizei zu rufen.....alles andere ist Selbstjustiz und verboten,basta!
    Es gäbe mehr als genug Flächen zur Lebensmittelproduktion.....aber die Landwirtschaft baut halt lieber Energiemais zum verbrennen an
    Mit ihrer Einstellung der Bauer hat immer recht kommt man absolut nicht weiter.....und ich frage mich ob dieser Landwirt keine regionalen Kunden braucht.....wenn er so weiter macht hat er wohl bald keine mehr.
    Und übrigens,solange die europäische Landwirtschaft versucht Milchprodukte subventioniert nach Afrika zu verkaufen um die dortigen Milchbauern platt zu machen glaub ich einem konventionellen Landwirt kein Wort! Einem bayrischen schon gleich garnicht.

  • Antwort von Marianne, Mittwoch, 28.Juni, 09:10 Uhr

    Das Betretungsverbot für landwirtschaftliche Nutzflächen gilt während der GANZEN Vegetationsperiode! Ist die Wiese gemäht bedeutet das nur, dass der nächste Schnitt anfängt heranzuwachsen und nicht niedergetrampelt werden darf und nicht mit Wohlstandsmüll versaut werden darf.
    Außerdem: Gülle ist nicht giftig, sie hat nur (wie alle Verdauungsprodukte) einen unangenehmen Geruch, der beim intensiven Waschen wieder abgeht. :))

  • Antwort von Frau Schneider, Mittwoch, 28.Juni, 20:01 Uhr

    @Wolf
    Ab Mai ist das Betreten einer Wiese verboten, vor allem das Hinterlassen von Müll, das Ihnen scheinbar absolut egal ist.

magic, Mittwoch, 28.Juni, 00:03 Uhr

22. bauer

Viele der Kommentare stellen sich auf die Seite des Bauern, auch wenn er nicht korrekt reagiert hat.Ich denke, dass es zeigt wie viele Menschen sich hier von dieser ignoranten Art Mensch belästigt fühlen,die ihre egoistische Handlungsweise immer über jede soziale Regel stellen. Hatte der Bauer die Badegäste nicht mehrfach
auf freundlichem Wege versucht, auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen? Und wurde belächelt was er eigentlich will? rechtfertigt natürlich nicht die Gülle-Aktion. Aber viel empörender als das finde ich das Verhalten der Menschen,die kommen, eine private Wiese benutzten, obwohl sie daruaf aufmerksam gemacht werden, dass es den Nutzer der Wiese stört, ja sogar in seiner Arbeit beeinträchtigt. Das die Art und Weise des Vorgehens des Bauers kritisiert wird kann ich verstehen. Es ist jedoch ein Armutszeugnis sich hier auf die Seite der "ach so unschuldigen" Badegäste zu stellen, denn ihr Verhälten ist durch nichts zu rechtfertigen.

  • Antwort von Helmuth, Mittwoch, 28.Juni, 14:22 Uhr

    Das ist nun mal im Sozialismus so ! Allen gehört alles, Eigentum unerwünscht.