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Liftpläne am Riedberger Horn Protest gegen den "Tabubruch"

Hände weg vom Alpenplan - unter diesem Motto haben vor der Staatskanzlei in München über 100 Naturschützer demonstriert. Sie wollten damit gegen den Neubau eines Skilifts am Riedberger Horn im Oberallgäu protestieren.

Stand: 05.10.2015

Der geplante Skilift ist inzwischen ein Politikum. Bereits am Sonntag versammelten sich rund 100 Naturschützer am Fuß des Riedberger Horns und feierten eine ökumenische Andacht, am Dienstag schließlich der Protest vor der Staatskanzlei. Mit Plakaten, ausgestopften Birkhühnern und selbstgebastelten Hirschgeweihen machten über 100 Demonstranten ihrem Ärger Luft.

"Es mag die Mehrheit der Lokalpolitiker dafür sein, das sind aber nur fünf Leute. Aber ich würde sagen, dass eine Mehrheit der Leute von da, wo ich herkomme, was wir 'Heimat' nennen, dagegen ist und das nicht haben will. Und das sollen die in München sich mal vor Augen führen!"

Demonstrant aus Oberstdorf

Bunter Protest für die Bergwelt am Dienstag vor der Staatskanzlei.

Grund für die Proteste: Der Verbindungslift zwischen den Skigebieten von Grasgehren und Balderschwang würde zum Teil durch ein besonders sensibles Alpenschutzgebiet führen, der höchsten Schutzzone C. Hier steht jahrhundertealter Bergschutzwald, es ist einer der letzten Rückzugsorte des vom Aussterben bedrohten Birkhuhns.

Tourismus vs. Naturschutz

Bisher läuft es am Riedberger Horn so: Um vom Skigebiet in Grasgehren in das benachbarte Skigebiet Balderschwang zu kommen, braucht man ein Auto oder muss zehn Minuten mit dem Skibus fahren - sehr zum Ärger der Gemeinden und Liftbetreiber. Die Lifte führen außerdem nicht ganz bis zum  Gipfel. Deshalb ist ein Verbindungslift geplant und zudem eine dreieinhalb Kilometer lange neue Piste vom Riedbergerhorn nach Balderschwang, die Gemeinden haben dafür eine Ausnahmegenehmigung beantragt.

Front verläuft mitten durch die CSU

Gegen die Liftpläne: Ulrike Scharf (CSU)

Naturschützer, Lokalpolitiker und Tourismusmanager streiten seitdem vehement. Die Situation ist kompliziert, denn dieses Mal verlaufen die Konfliktlinien nicht nur zwischen Naturschützern und Staatsregierung, sondern auch innerhalb der CSU. Umweltministerin Ulrike Scharf hat sich schon vor Monaten klar gegen das Projekt positioniert.

"Dieser Naturraum braucht besonderen Schutz und muss für dieses Großprojekt tabu sein."

Umweltministerin Ulrike Scharf

Gegenwind bekommt sie aus der eigenen Partei, allen voran der Chef der CSU-Landtagsfraktion Thomas Kreuzer. Er selbst stammt aus dem nahen Kempten, in ihm haben die betroffenen Gemeinden einen großen Fürsprecher.

"Das Gebiet der Alpenschutzkommission wird nur ganz leicht berührt und ich sehe auch nicht, dass der Birkhuhnbestand gefährdet ist. Also ich glaube, dass dies auch ökologisch vertretbar ist."

CSU-Franktionschef Thomas Kreuzer

Hier soll der neue Lift verlaufen

Gutachten rät von Projekt ab

Das letzte (politische) Wort wird allerdings Heimatminister Markus Söder haben und dieser hat in der Vergangenheit schon durchaus Sympathien für die Skischaukelpläne erkennen lassen. Ein Gutachten des Landesamtes für Umwelt (LfU) war vor zwei Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Projekt aus Gründen des Naturschutzes sowie wegen der Gefahr von Murenabgängen durch die Abholzung des Waldes abgelehnt werden sollte.

Sollte es zu einem sogenannten Zielabweichungsverfahren kommen und der Lift gebaut werden, dann wäre das in der 43-jährigen Geschichte des Alpenplans die erste Verletzung der höchsten Schutzzone C.

Alpenplan

Der Alpenplan wurde 1972 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, den bayerischen Alpenraum zu schützen. Er ist ein zentrales Element des Landesentwicklungsplans Bayern (LEP). Der Alpenplan regelt die Zulässigkeit von Verkehrserschließungen. Er ist ein alpenweit einmaliges raumplanerisches Instrument.

Der Alpenplan teilt die bayerischen Alpen in drei verschiedene Schutzzonen: A, B und C. Die schärfste ist die Schutzzone C, die 42 Prozent des bayerischen Alpenraumes umfasst. In ihr sind infrastrukturelle Maßnahmen wie Straßen, Skilifte, Pisten und Hotels grundsätzlich ausgeschlossen. Nur Alm- und Forstwege sind erlaubt. In der Zone B sind Verkehrserschließungsmaßnahmen unter Berücksichtigung strenger Maßstäbe nicht ausgeschlossen. In der Zone A gelten Straßen oder Liftanlagen grundsätzlich als möglich. Allerdings müssen sie auch hier auf ihre Raum- und Umweltverträglichkeit geprüft werden.

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Dorle, Mittwoch, 07.Oktober, 18:40 Uhr

5. Geplanter Lift am Riedberger Horn

Warum muss wieder mal, trotz Aussichten auf weniger Schnee in unseren Regionen, eine zusätzliche Bahn gebaut werden und dann noch in einer Schutzzone.
Irgendwann kommen dann auch keine Touristen mehr, weil keine Natur und auch keineTiere, wie z.B. der Birkhahn, mehr vorhanden sind.
Wir vergessen immer wieder, wir haben diese Welt von unseren Kindern nur geliehen und die werden uns dann in einigen Jahre fragen,
warum habt ihr unsere Lebensgrundlage, die Natur, zerstört oder zubetoniert, nur um einigen wenigen finanzielle Vorteile zu verschaffen.
Bin aus einer oberbayrischen Alpen- Region, aber wir haben auch schon gegen ein Großprojekt gekämpft und bisher ist Ruhe.

Thomas Blodau - LBV Kempten-Oberallgäu, Dienstag, 06.Oktober, 19:56 Uhr

4. Bauminister Söder

Super Statement Herr Söder!
Fast so gut wie das von "Brikhuhnexperte" Kreuzer, der ja schon ein eigenes artenschutzfachliches Gutachten erstellt hatte.
Aber mal in Ernst - ganz Bayern ein Nationalpark!? Das ist wohl eher was für die Büttenrede von Faschingsprinz Söder oder!? Hier wird zurückgerudert und da ein bisschen aufgeweicht und bald sieht es in Bayern so aus wie in Österreich heute schon? Auf jeden noch so kleinen Berg geht dort ein Skilift und eine Seilbahn. Oben wartet dann der Vergnügungspark auf den Touri, dem sowieso alles,was nach ihm kommt egal ist. Das Allgäu hat sich mit seiner intakten Natur und Bergwelt wohltuend bisher davon abgehoben und auf diesem Weg sicher mehr Wandertourismus im ganzen Jahr angezogen als Skitouristen im mittlerweile immer kürzeren Winter!
Ob man künftig die Menschen überzeugen kann zwischen Stahlmasten und Betonplatten das Bergerlebnis zu suchen???
Wenns dem normalen Wanderer da nicht graust, dann dem Birkhuhn bestimmt.

colin mackenzie, Dienstag, 06.Oktober, 14:49 Uhr

3. Riedberger Horn

Unwegsame Regionen wurden früher weitgehend von Menschen gemieden und bildeten somit optimale Rückzugsgebiete für Tiere und Vögel. Durch gesellschaftliche und technische Entwicklungen sowie wirtschaftliche Interessen droht einigen Rückzugsgebieten bald das Aus: Aktuelles Beispiel Riedberger Horn, dass hinter der Blende Entfaltung & Jobs abstürzen könnte. Ignoriert wird, wie schnell der Tourismus seine eigene Grundlage zerstört - Auswirkung und Nachhaltigkeit bleiben stets außen vor! Deswegen gehören auch Sperrgebiete/Betretungsverbote, wie in den Nachbarländern, unbedingt dazu. Alleine auf Freiwilligkeit und Vernunft zu setzen bedeutet nichts anders als Beibehaltung des Status Quo – siehe Autobahn Richtgeschwindigkeit anno 1978.

Michael Götz, Dienstag, 06.Oktober, 11:49 Uhr

2. Lift am Riedlberger Horn

Wann ist endlich Schluss damit, dass Naturschutzvorschriften immer wieder aus reinen Renditeerwägungen und angesichts der Tatsache, dass der Schnee in zunehmendem Maße nur künstlich mit einem wahnsinnigen Energieaufwand erzeugt werden kann, immer und immer wieder ausgehebelt werden? Die letzten Reste intakter bayerischer Natur dürfen nicht weiter zum Ausverkauf stehen. Es gibt in Bayern ein sog. "Heimatministerium". Was hat dieses eigentlich für eine Funktion? Gottseidank gibt es dort am Riedberger Horn Menschen, die sich gegen den Ausverkauf "ihrer" Heimat engagieren. Zitat Söder: "Mit dem „Heimatministerium“ wird die Regierung dem Auftrag der Verfassungsänderung vom 15. September 2013 für den ländlichen Raum und für unsere Kommunen gerecht. Das Bayerische Heimatministerum dient daher der Erfüllung des im Artikel 3 der Verfassung des Freistaates Bayern festgelegten Auftrages „Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und die kulturelle Überlieferung. Na dann auf Herr Söder!

Andreas, Dienstag, 06.Oktober, 08:56 Uhr

1. Alpenplan Schutzzone C

Ich möchte einmal wissen, wozu es den Alpenplan überhaupt gibt, wenn profitgierige Unternehmer und ihre Spezies in den Parteien den wieder aushebeln können. Nach dem Motto: Natur ist doch egal - Hauptsache die Kasse klingelt