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Gögginger Verkehrsberuhigung Der Stein des Anstoßes ist aus Granit

Eigentlich sollten sie den Verkehr beruhigen, doch bisher erhitzen die Steinquader im Wohngebiet im Augsburger Stadtteil Göggingen nur die Gemüter. Bei einem Ortstermin bezweifeln die Anwohner den Nutzen und sehen Gefahren für ihre Kinder.

Stand: 12.01.2016

Die Augsburger SPD hatte geladen und an die 60 Bürger aus dem Neubauviertel südlich der Friedrich-Ebert-Straße kamen. Sie alle wollten ihrem Ärger über die Granitblöcke Luft machen. Zu gefährlich seien diese, vor allem für die Kinder, die in den Spielstraßen unterwegs sind.

"Die brauchen nur mal kurz zur Seite schauen oder unachtsam sein, dann fahren sie gegen dieses Teil. Das ist Granit und diese spitzen Ecken sind lebensgefährlich. Bei einem Kind, das gegen einen der Blöcke gefahren ist, ist der Fahrradhelm gebrochen. Was wäre passiert, wenn das Kind keinen Helm getragen hätte?"

Andrea Kolb, Anwohnerin

Zahlreiche Autos beschädigt

In einer Nacht- und Nebelaktion seien die rund zwei Meter langen und etwa kniehohen Quader vor etlichen Monaten von der Stadtverwaltung aufgestellt worden, so die Anwohner. Seitdem werden die Rangierfähigkeiten der Autofahrer in Göggingen auf die Probe gestellt - manche schaffen es nun nicht mehr kollisionsfrei aus ihrer Hofausfahrt zu fahren.

"An einem der Parkplätze fahren sie regelmäßig dagegen, das hört man. Die stoßen rückwärts und dann knallt es schon wieder, dann sind sie wieder angefahren."

Eine Anwohnerin

Wählte die Stadt eine möglichst billige Lösung?

Nur ihre eigentliche Aufgabe - den Verkehr im Neubaugebiet zu beruhigen - erfüllen die Quader nach Meinung der Anwohner nicht. Die Stadt habe lediglich den billigsten Weg gewählt, weil sie es versäumt habe, beim Bau des Wohngebiets eine solche Maßnahme einzuplanen. Nachträglich sei es nun zu teuer, Verkehrsinseln oder Bodenwellen einzubauen. SPD-Stadtrat Florian Freund, der den Ortstermin organisiert hat, will die Sorgen der Bewohner trotzdem in der nächsten Bauausschusssitzung vortragen.

"Wir sind stolz darauf, dass die Lebens- und Wohnqualität hier so hoch ist und wenn dies durch solche Einbauten in Fragen gestellt wird, dann müssen wir zumindest versuchen, es zu lösen."

Florian Freund, SPD-Stadtrat in Augsburg

Dabei stellt sich die Frage, wie so eine Lösung aussehen könnte. Denn bei jedem Heimspiel des FC Augsburg in der nahe gelegenen WWK-Arena rasen hunderte Fans durch das Wohngebiet auf der Suche nach einem billigen Parkplatz. Als Gegenmittel schlägt Gerd Merkle, Chef des Augsburger Baureferats, zum Beispiel eine stärkere Radarüberwachung vor. Anstelle von Steinquadern oder mehr Blitzern könnte die Stadt auch große Blumenkübel aufstellen. Allerdings müssten sich die Anwohner dann selbst darum kümmern, dass die Kübel immer bunt bepflanzt und damit unübersehbar sind.


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Sepp, Dienstag, 12.Januar, 11:15 Uhr

1. Verkehrssicherheit

Verkehrssicherheit sollte hier vorgehen!
Wieso wurden hier keine reflektierenden Schilder als künstliche Fahrbahnverengung benutzt? Unbeleuchtete schwere Steine sind eine massive Verkehrsgefährdung!
Alle anderen künstlichen Fahrbahnverengungen die ich bisher gesehen habe, sind reflektierend, so dass die Verkehrsteilnehmer diese leicht erkennen!