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Gewalt in Augsburger Asylbewerberfamilien Beratungsstelle soll Frauen und Kinder besser schützen

Ein Asylbewerber muss sich in Augsburg vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seine Frau gepeinigt zu haben, bis die versuchte, sich und ihren Kindern das Leben zu nehmen. Eine Beratungsstelle soll künftig helfen, Gewalt zu verhindern.

Stand: 24.08.2017

Die Strafprozessordnung und das Strafgesetzbuch in einem Gerichtssaal (Archivbild) | Bild: picture-alliance/dpa/Patrick Seeger

Die damals 23 Jahre alte Frau war an einem Sonntagabend von der Asylunterkunft im Augsburger Stadtteil Pfersee mit den ein und vier Jahre alten Kindern an die nahe Wertach gegangen, um sich selbst und die Kleinen zu töten. Sie tauchte sie mehrfach im Wasser unter, ließ aber von den Kindern ab, als die weinten und sich wehrten. Die Frau holte Hilfe. Bei der Polizei stellte sich dann heraus, dass sie wohl aus purer Verzweiflung gehandelt hatte. Sie musste längere Zeit stationär psychiatrisch behandelt werden. Ein Gericht stellte fest, dass sie während der Verzweiflungstat schuldunfähig war.

Regelmäßig soll ihr Ehemann sie in der Asylunterkunft verprügelt und sexuell genötigt haben. Die Anklageschrift listet über 100 Fälle der vorsätzlichen Körperverletzung sowie drei Vergewaltigungen innerhalb eines Jahres auf. Laut Staatsanwaltschaft war der 23-jährige Mann davon überzeugt, dass seine Frau ihn betrügt. Nach Angaben seines Verteidigers weist er die Vorwürfe zurück.

Fachstelle soll helfen, Gewalt zu verhindern

Die Stadt Augsburg will mehr tun, um Übergriffe auf Frauen und Kinder in Asylbewerberfamilein zu verhindern. Im Juli wurde ein Gewaltschutzkonzept für Asylunterkünfte auf den Weg gebracht. Geplant ist es, eine Fachstelle Gewaltschutz einzurichten.

Das Diakonischen Werk hat bereits ein entsprechendes Konzept für eine übergreifende Beratungsstelle erarbeitet. Es beinhaltet sowohl Schulungen für ehrenamtliche Helfer als auch Info-Angebote für die Bewohner von Asyl-Unterkünften. Sie sollen über Frauen- und Kinderrechte informiert werden, aber auch über die Strafen die hierzulande für Übergriffe gegen Frauen oder Kinder drohen.

"Kümmerer" schlichten Konflikte

Besonders wichtig ist, laut Robert Kern, Asyl-Experte im Sozialreferat der Stadt Augsburg, auch die Arbeit der sogenannten Kümmerer in den Unterkünften. Sie gehen regelmäßig bei Konflikten dazwischen und klären kritische Situationen. Ihre Arbeit müsse von Seiten des Staats weiter finanziert und gesichert werden - sonst seien Probleme vorprogrammiert, sagt der Asylexperte. Derzeit gibt es in Augsburg 40 dezentrale Unterkünfte mit rund 1.100 Bewohnern.


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