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Feuerwehr in Kaufbeuren Jubiläumsfeier soll Leben retten

Was macht eine Feuerwehr, wenn ein rundes Jubiläum ansteht? Genau: Sie organisiert die Blaskapelle und stellt den Grill auf. Die Feuerwehr im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz will sich damit nicht zufriedengeben - und auch beim Jubiläum helfen.

Von: Rupert Waldmüller

Stand: 21.04.2017

Typisierungsaktion der Neugablonzer Feuerwehr | Bild: Feuerwehr Neugablonz

"Wir wollten mehr als das übliche Feuerwehrfest, bei dem wir nur die Autos auf den Hof stellen und die Schnitzel auf den Grill schmeißen", sagt Zugführer Ottmar Venus. Der Löschzug in Kaufbeurens größtem Stadtteil feiert am Wochenende sein 70-Jähriges Bestehen. Irgendwann brachte Venus die Idee einer Typisierungsaktion auf, um Blutkrebs-Patienten zu helfen. Alle waren sofort begeistert.

Gemeinsam mit dem Roten Kreuz und der Aktion Knochenmarkspende Bayern stemmen die Neugablonzer Feuerwehrler nun die Typisierungsaktion zum Jubiläum. Cornelia Kellermann von der Aktion Knochenmarkspende findet es toll, dass die Feuerwehr von sich aus auf die Stiftung zugegangen ist: "Wir kommen mit einem kleinen Team. Aber die Feuerwehr stellt die ganzen Hilfskräfte drumrum. Die haben das Blutabnehmerpersonal akquiriert. Und dann ist für das leibliche Wohl gesorgt und dafür sind wir sehr, sehr dankbar."

"Irgendwann vielleicht ein Lebensretter"

Zwar sind weltweit inzwischen 29 Millionen Menschen als potenzielle Stammzellenspender registriert, trotzdem werden immer noch dringend weitere Spender für Menschen mit Blutkrebs gesucht. In Frage kommen alle gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren.

"Es ist immer noch so, dass jeder siebte Patient keinen Spender findet. Und deshalb ist es so unglaublich wichtig, dass sich ganz, ganz viele Menschen freiwillig melden, sich als Stammzellenspender registrieren lassen und irgendwann vielleicht mal im Leben für einen Patienten zum Lebensretter werden können."

Cornelia Kellermann, Aktion Knochenmarkspende

Eine solche Lebensretterin ist Kathrin Uhlir: Die Kaufbeurerin konnte 2010 einer jungen Frau aus Polen mit einer Stammzellenspende das Leben retten. Für sie eine Selbstverständlichkeit: "Wenn man selber mal in der einen oder anderen Situation ist, wo es einem nicht so gut geht, freut man sich auch über Hilfe. Aber das ist natürlich noch mal ein größerer Schritt aber mit ganz wenig Aufwand, wo man jemandem helfen kann. Und das ist einfach ein ganz, ganz schönes Gefühl für einen selber."

Die Feuerwehr setzt auf die Bevölkerung

Die Spende ist keine große Sache und tut auch nicht weh, sagt Kathrin Uhlir. Bis heute haben die beiden Frauen regelmäßig Kontakt.

"Sie hat auch schon eine kleine Tochter zu der Zeit der Erkrankung gehabt. Und sie hat dann immer gesagt: Danke, du hast meiner Tochter die Mama wieder geschenkt. Und ich bin jetzt selber Mama von zwei Kindern. Und da wird einem das selber noch Mal richtig bewusst, was das jetzt eigentlich bedeutet."

Stammzellenspenderin Kathrin Uhlir

Leben retten nicht nur beim Einsatz - das wollen die Neugablonzer Feuerwehrler mit ihrer Typisierungsaktion. Zugführer Ottmar Venus hofft nun, dass viele dem Aufruf folgen und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr zur Feuerwehr nach Neugablonz kommen.

  • BR-Korrespondent Rupert Waldmüller | Bild: BR Rupert Waldmüller

    Rupert Waldmüller ist seit 2008 BR-Korrespondent im Allgäu. Schwerpunkte sind der Landkreis Ostallgäu, Kaufbeuren und Kempten.


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