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Mit 16 schon Auto fahren Allgäuer Tüftler macht's möglich

Jugendliche auf dem Land müssen mobil sein: Schule, Lehre, Freunde und Hobbies, der Bus fährt nicht immer und die Eltern können nicht ständig Taxi spielen. Ein Tüftler aus Dösingen im Ostallgäu hat einen Weg gefunden, wie Jugendliche mit 16 schon Auto fahren können.

Stand: 06.12.2016

Ein zum Dreirad umgebauter Fiat 500 | Bild: BR/Waldmüller

Und seine Erfindung, der "Ellenator", entwickelt sich zum Renner für viele Jugendliche auf dem Land. Weil der Fiat 500 zum Quasi-Dreirad umgebaut wurde, können Jugendliche mit Moped-Führerschein jetzt ein richtiges Auto fahren. Auch der 16-jährige Sebastian Fleschhut hat so einen "Ellenator" und erntet damit, wie er sagt, mehr Aufmerksamkeit als so mancher Porsche-Besitzer.

"Also, das ist ein Wahnsinns-Gefühl. Ich bin ja auch erst 16 und dann ist das eine ganz besondere Sache in ein richtiges Auto zu steigen und einfach mal loszufahren, einfach ganz unabhängig zu sein."

Sebastian Fleschhut, 16 Jahre alt

Von vorne sieht der Ellenator aus wie ein normaler Fiat 500 - hinten hängt das Auto aber scheinbar in der Luft. Die beiden Räder an der Hinterachse sitzen nämlich in der Mitte unterm Auto direkt nebeneinander. So wird nach dem Gesetz ein motorisiertes Dreirad aus dem Auto. Und das darf man schon mit 16 und dem A1-Führerschein fahren.

Der 16-Jährige als Chauffeur: Entlastung für die Eltern

Zum Fußball, zur Schule, zu Freunden fahren - eigentlich hatten Sebastian und sein Vater, der frühere Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut, schon ein 125er-Moped rausgesucht, damit der Sohn nicht mehr dauernd von den Eltern gefahren werden muss. Doch der Mama war das nicht ganz geheuer. Gemeinsam haben sie dann den Ellenator entdeckt. Und jetzt werden die Eltern sogar ein Stück entlastet.

"Man ist sicher, weil es ein 'normales' Auto ist, auch mit Knautschzone. Man kann andere mittransportieren. Wir haben noch eine kleine Tochter, da kann unser Sebastian auch ab und zu Chauffeurdienste unternehmen."

Johann Fleschhut, Vater

Zusammengeschraubt werden die Ellenatoren in der Autowerkstatt von Wenzl Ellenrieder in Dösingen im Ostallgäu. Als sein Sohn 16 war und mobil werden wollte, wollte der Papa nicht, dass der Junior nur mit dem Mofa oder in einem klapprigen Microcar auf der Landstraße herumfährt. So kam er eines Tages auf die Idee, aus einem PKW ein dreirädriges Kraftfahrzeug zu machen.

Erfindung aus dem Ostallgäu - in ganz Deutschland gefragt

Innerhalb eines Jahres und in 1.300 Arbeitsstunden entwickelte Wenzl Ellenrieder den Ellenator. Er nahm zuerst einen Seat, drosselte die Leistung auf 20 PS, baute das Auto zum Quasi-Dreirad um und bekam für seine Erfindung tatsächlich auch die Zulassung. Und der Ellenator schlug ein wie eine Bombe. 5.000 Euro kostet der Umbau eines Fiat 500 zum Ellenator. Das Auto muss man vorher natürlich auch erst mal haben und damit schon mehr investieren als in ein Moped. Obwohl Ellenrieder keine Werbung macht, sind nach nur zwei Jahren schon 170 seiner Dreirad-Autos mit bis zu 90 Sachen auf den Straßen in ganz Deutschland unterwegs.


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