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Mountain-Unicycling Auf einem Rad den Berg hinab

Einradfahren. Das kennt man natürlich – vielleicht aus dem Zirkus, vielleicht auch als Trendsport. Was man damit jetzt aber eher nicht in Verbindung bringt: bergab fahren! Aber auch das gibt’s – zum Beispiel bei den jugendlichen Einradfahrern vom Radsportverein Illertissen.

Von: Joseph Weidl

Stand: 06.06.2017

Manch einer reibt sich vielleicht kurz die Augen, wenn er die 16-jährige Julia Böttinger im Wald bei Bellenberg im Landkreis Neu-Ulm beim Training sieht. Auf ihrem Rad schießt sie einen steilen Waldweg runter – und zwar nicht auf einem normalen Mountainbike, sondern auf einem Einrad. Mountain-Unicycling nennt sich das – und Julia hat sich dabei noch dem sogenannten "Downhill", also Bergabfahren verschrieben. Obwohl ihr Einrad sogar eine kleine Bremse hat – viel Gebrauch macht sie davon nicht:

"Teilweise ist es sogar besser, die Bremse nicht zu benutzen. Denn wenn man in der Fahrt einen Wackler drin hat, zieht man relativ schnell die Bremse an und dann stürzt man leicht."

Julia Böttinger, Einradfahrerin

Erstes Training: Armbruch

Bis sie aber so mit dem Einrad die Berge runtergefahren ist, war es ein weiter Weg. Angefangen hat alles vor ein paar Jahren. Einradfahren war Trend, Julia wollte es ausprobieren und ist so auf den Radsportverein Illertissen gestoßen.

"Dann bin ich da hin, hab mir das angeschaut und hab mir beim zweiten Training meinen Arm gebrochen. Aber als es wieder verheilt war, bin ich wieder hingegangen."

Julia Böttinger, Einradfahrerin

Auf einem Rad über die Alpen

Einradfahren braucht Mut und Durchhaltevermögen. Im letzten Jahr hat sie mit ihren Kollegen aus dem Verein ein besonderes Projekt gewagt: die Alpenüberquerung – natürlich mit dem Einrad, ohne Gangschaltung – nur auf Wegen abseits der Straße.

"Man geht wirklich an seine Grenzen bei sowas und denkt sich zwischendurch auch 'Warum hab' ich das gemacht? Warum bin ich auf die blöde Idee gekommen?' Aber dieses Gefühl, wenn man dann am Ziel angekommen ist, das macht das alles wieder gut. Dann hat man vielleicht drei Tage einen Muskelkater, aber das Erlebnis ist es wert."

Julia Böttinger, Einradfahrerin

Dabeisein ist alles

Fünf Tage waren sie mit Begleitfahrzeugen unterwegs. Dieses Jahr wollen sie im Verein wieder über die Berge fahren und zwar ganz passend auf den sogenannten "Wegen der Schwabenkinder" mit Start in Südtirol. Ihre Mama Elke Böttinger unterstützt das ausgefallene Hobby. Sorgen macht sie sich keine:

"Überhaupt nicht. Ich hab' gewusst, dass sie gut einradfährt und dass sie das auch meistern kann und ich glaube, dass das Jugendlichen und Kindern Selbstbewusstsein gibt."

Elke Böttinger, Mutter

Und selbst wenn jetzt bei der Deutschen Meisterschaft in Thüringen kein Platz unter den allerbesten drin sein sollte – für Julia zählt das alte Motto: dabeisein ist alles.

"Klar fährt man gerne oben mit, aber für mich ist immer das Wichtigste, den Spaß daran nicht zu verlieren. Ich denk' mir, wenn ich einen Sport mach', an dem ich keinen Spaß mehr hab', dann kann ich's eigentlich gleich sein lassen. Von daher ist der Spaß für mich das Wichtigste."

Julia Böttinger, Einradfahrerin


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Renate E., Dienstag, 06.Juni, 14:01 Uhr

1. Ob das die Schutzengel noch "auf die Reihe kriegen" werden?

Da gehört beinah schon Wagemut dazu, nicht nur Mut! Hoffentlich passiert dabei nicht noch viel, denn mit einem Rad hat man noch mehr zu balancieren und dazu geht es ja querfeldein durch holpriges Gelände. Also, wenn hierbei Nachfolger tätig werden, werden sich viele Mütter wieder um ihren tollkühnen Nachwuchs Gedanken machen...