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Schwäbischer Denkmalpreis Sonderpreis für restaurierten Gasthof in Scheffau

Im 400-Einwohner-Dorf Scheffau im Landkreis Lindau haben Christa und Michael Pfanner eine ehemalige Gastwirtschaft vor dem Abriss bewahrt. Dafür erhalten sie einen Sonderpreis des schwäbischen Denkmalpreises.

Stand: 20.05.2017

Im Dorfladen von Scheffau gibt es alles für den täglichen Bedarf: frisches Brot und wer mag, bekommt auch einen Kaffee. Viel Platz ist nicht und große Leute müssen sich schon auch mal bücken, denn der Dorfladen ist in der alten Gastwirtschaft des Dorfes untergebracht – im sogenannten Fernsemmerhus. Benannt ist das mindestens 250 Jahre alte Haus nach der Familie Fernsemmer, der das Haus fast 100 Jahre lang gehörte. Saniert und restauriert haben es Christa und Michael Pfanner.

Michael Pfanner hat das Fernsemmerhus restauriert.

"Die Stunden kann ich nicht zählen. Aber ziemlich genau drei Jahre waren wir da beschäftigt. Wenn sie damit eine Firma beauftragen, würde das wahrscheinlich ganz schnell in eine falsche Richtung gehen. Man muss jeden Tag dabei sein und sagen, 'nein nicht rausreisen, das bleibt, das erhalten wir.'"

Michael Pfanner

Der gelernte Steinmetz und seine Frau haben monatelang gewerkelt, erst das Haus entrümpelt und geputzt, dann den alten Bestand und die Möbel gesichert, die Pläne für die Sanierung entworfen, die Steinmetz- und Fliesenarbeiten hat Michael Pfanner sowieso selbst erledigt. Die beiden arbeiteten hauptsächlich mit lokalen Handwerkern zusammen. Die erneuerten die Schindeln und reparierten das Blechdach. Nur für die Restaurierung der Malereien im ehemaligen Tanzsaal haben die Pfanners auf Fachkräfte von auswärts gesetzt. Neben den Malereien aus dem 19. Jahrhundert wurde dort auch eine Inschrift wieder aufgefrischt:

"Über dem Fenster stand 'Rauchen verboten' und das ist original. Da hat sich natürlich niemand daran gehalten und wir haben ein Bisschen recherchiert: Im 19. Jahrhundert sind ja die ganzen Vereine aufgekommen und die haben Säle gebraucht und da hat es natürlich viele Unfälle gegeben durch Brand und so. Und deshalb hat es Vorschriften gegeben: Die Türen müssen nach außen aufgehen und ein Großteil der Wände oder Decken sollte nicht brennbar sein. Und: man darf nicht rauchen. Drum steht da 'Rauchen verboten'"

. Michael Pfanner

Stundenlang kann Michael Pfanner Geschichten zum Fernsemmerhus erzählen, von der Holzrinne in den Aborten, vom Schlitten auf dem Dachboden, mit dem angeblich Prinzregent Luitpold zur Jagd gefahren ist, vom kleinen Holzherd auf dem die letzte Wirtin im Fernsemmerhus bis zum Schluss für die Gäste gekocht hat. Wichtig war ihm und seiner Frau, dass das Haus seinen alten Charme behält:

"Wir haben nur die Schindeln ausgetauscht, die wirklich kaputt sind. Die anderen haben wir gelassen. Man sieht's da: Die alten, die sind ganz dünn schon, die wittern ja zurück, aber die sind sicher vielleicht schon 150 oder 200 Jahre alt und die neuen Schindeln, die sind unten dran, vor allem, wo halt das Wetter hinkommt, und die nehmen jetzt allmählich so die Patina an. Also nicht gut wäre es, wenn man jetzt alles runterhaut und komplett neu macht, weil das ist ja gerade der Charme von so einem alten Haus, dass man sieht, was alt und was neu ist."

Michael Pfanner

Im Tanzsaal wird wieder gefeiert, auch der Speisesaal der ehemaligen Gastwirtschaft wird wieder genutzt, ein Architekturbüro hat auch noch Platz gefunden, genauso wie die Sauna im Keller. Und nicht zu vergessen: die kleine Wohnung für die Pfanners.

Michael Pfanner in seiner "Stadtwohnung"

"Das nennen wir unsere Stadtwohnung, weil ich ein Bisschen außerhalb wohne, und wenn wir mal zu viel getrunken haben bei einem Fest, dann können wir in unsere Stadtwohnung gehen."

Michael Pfanner

Viel Arbeit und viel Zeit stecken im Fernsemmerhus, auch einiges Geld, aber darüber redet Michael Pfanner nicht gerne. Es hat sich gelohnt, sagt er, auch wenn er am Anfang sehr skeptisch war.

"Meine Frau, die ist gar nicht von hier, die ist Münchnerin. Die hat gesagt, wir können das Haus doch nicht verfallen lassen. Wir müssen das unbedingt erhalten. Und dann haben wir uns dran gemacht, und jetzt ist es wirklich ein kleines Prachtstück geworden und alle im Dorf freuen sich."

Michael Pfanner


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