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Bundestagswahl 2017 Reaktionen auf AfD und Wahlergebnisse

Die AfD zieht erstmals in den Bundestag ein, mindestens ein Abgeordneter kommt aus Schwaben. Die Reaktionen zur Bundestagswahl aus Region, gesammelt von unseren BR-Reportern.

Stand: 26.09.2017

Reaktionen aus Schwaben. | Bild: BR / Barbara Leinfelder.

Die Regierungsparteien verlieren an Stimmen, die FDP zieht wieder in den Bundestag ein - doch das Gesprächsthema des Wahlabends ist die AfD:

Zum ersten Mal ist die "Alternative für Deutschland" im Parlament vertreten. Aus der Region könnten zwei Abgeordnete in den Bundestag einziehen: Das Oberallgäu hat den Unternehmer und früheren Offizier Peter Felser in den Bundestag gewahlt, Rainer Kraft aus dem Wahlkreis Augsburg Land muss noch zittern.

Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth beeinflusst Stimmung für AfD

Im Donauwörther Ortsteil Parkstadt haben viele Wähler sowohl mit ihrer Erst-, als auch mit der Zweitstimme für die AfD gestimmt. Überraschend kommt das nicht. Der Donauwörther Bürgermeister Jörg Fischer von der SPD sagte dem BR, die Menschen hätten der Staatsregierung übel genommen, dass sie der Stadt, ohne zu fragen die Flüchtlinge aufgedrängt habe. Im Stadtteil Parkstadt, früher ein beliebtes Wohnviertel für Besserverdienende, gibt es inzwischen eine Erstaufnahmeeinrichtung mit rund 500 Flüchtlingen, viele Russlanddeutsche leben dort.

Wie Oberbürgermeister Armin Neudert erläuterte, gab es in der Parkstadt insgesamt sechs Wahllokale und dort erhebliche Unterschiede. In vier dieser sechs Wahllokale holte die CSU die meisten Stimmen. In der Parkstadt komme man damit im Schnitt keinesfalls auf 30 Prozent für die AfD, stellt Neudert klar. Unbestritten sei aber die AfD-Zustimmung in der Parkstadt insgesamt deutlich höher, als im Durchschnitt des gesamten Stadtgebietes. Im Wahlkreis Sebastian-Franck-Schule wurde die AfD zum Stimmenkönig mit knapp 30 Prozent der Erst- und über 34 Prozent der Zweitstimmen.

Der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle erklärte, die CSU habe wohl auch unterschätzt, wie sehr das Thema Flüchtlinge die Menschen beschäftige und nicht erwartet, dass das Thema im Wahlkampf so "dominant" werde. Rößle betonte, vor den Koalitionsverhandlungen in Berlin, sei nicht der richtige Zeitpunkt, um über personelle Veränderungen an der Spitze der CSU zu diskutieren. CSU/CDU, FDP und Grüne seien jetzt "zum Erfolg verurteilt", denn: "wenn das jetzt scheitert, dann sind das Ergebnis Neuwahlen - und die Parteien werden nochmals abgestraft".

Stellvertretender CSU-Parteivorsitzender Kurt Gribl schockiert

Bei den Politikern und Kandidaten aus der Region stößt der Einzug auf Kritik - aber nicht nur an der AfD, sondern auch an der eigenen Partei.


Laut Gribl sei die erhebliche Unzufriedenheit der Menschen verantwortlich für das Wahlergebnis. Er bezweifelte, dass die AfD-Wähler letztlich komplett mit den Aussagen und dem Programm der AfD übereinstimmen würden. "Billig wäre es, jetzt zu sagen, das ist nur die Flüchtlingspolitik," sagte der stellvertretende CSU-Vorsitzende dem BR. Gleichzeitig spüre er, dass das Thema die Menschen noch lange beschäftigen werde.

"Ich hatte ein gewisses ungutes Gefühl, wie hoch denn letzlich das Abschneiden der AfD sein würde. Dass sich das in dieser Form bestätigt hat, ist natürlich ernüchternd."

Kurt Gribl (CSU).

Gribl glaubt, dass die mangelnde Durchsetzung von CSU-Forderungen Grund für das schlechte Wahlergebnis der CSU ist. Dies sagte er am Montag dem BR-Studio Schwaben. Konkret gehe es um die Flüchtlings-Obergrenze und die Zuwanderungspolitik im Allgemeinen - aber auch um die geforderte Soli-Abschaffung sowie die Forderungen im Diesel-Skandal. Dass man sich in diesen Punkten auf Bundesebene nicht habe durchsetzen können, habe zu einem Glaubwürdigkeits-Problem geführt.

"Saubere Klatsche"



Deutliche Worte fand Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) für das Ergebnis der CSU. Kritik übte er an den Statements einiger Unionspolitiker. Zu den Gründen für das schlechte Abschneiden seiner Partei sagte Müller: "Einfache Antworten der Radikalen auf der rechten Seite haben am Schluss offenbar mobilisiert."

"Wir müssen reagieren darauf und nicht einfach nur sagen: ‚Wahlziel erreicht, weiter so!‘"

Bundesminister Gerd Müller (CSU).

Basis muss stärker gehört werden

Der schwäbische CSU-Chef und Europaabgeordnete Markus Ferber stärkt Ministerpräsidenten Seehofer den Rücken. Eine neuer Kopf der CSU würde die anstehenden Koalititionsverhandlungen "sicher nicht vereinfachen", so der Bobinger heute im Telefoninterview mit dem BR in Augsburg. Allerdings müsse sich die CSU "breiter aufstellen". Sie müsse schon lernen, dass eine Partei nicht nur aus dem Führungszirkel bestehe, sagte Ferber. Auch er habe heute angemahnt - wie etliche andere Bezirksvorsitzende - dass die Basis stärker eingebunden werden müsse.

"Demut" und Aufarbeitung

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich aus Augsburg/Königsbrunn zeigte sich ebenfalls enttäuscht über verlorene Prozente, kann aber erneut in den Bundestag einziehen. Er forderte bereits am Abend allerdings eine tiefgreifende Selbstkritik der CSU:

"Die Aufarbeitung dieses Abends und der Zahlen in Augsburg und  in Bayern wird sich nicht in ein, zwei Sitzungen machen lassen."

Volker Ullrich (CSU).

Er fordere eine Debatte darüber, dass "auf bayerischer Ebene die Diskussion geführt wird, wofür positioniert sich die CSU, mit welcher Sprache sprechen wir." Zunächst gehe es darum, "Demut" vor dem Wähler zu zeigen und zu sagen, "wir haben dieses Ergebnis verstanden, damit wir in den nächsten vier Jahren wieder bessere Ergebnisse haben."

"Auf einiges gefasst machen"

Zieht wieder in den Bundestag ein: SPD-Abgeordnete Ulrike Bahr.


Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr konnte ihr Mandat verteidigen, doch das Ergebnis der SPD sei enttäuschend, so die Augsburgerin. Bahr zeigt sich aber ebenfalls ernüchtert angesichts der AfD-Zahlen:

"Wir können uns auf einiges gefasst machen, wie Demokratie dann ausschaut, bei der Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag. Die demokratischen Parteien müssten nun zusammenstehen."

Ulrike Bahr (SPD).


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