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Logistik oder Versand? Drei Jahre in Folge Streiks bei Amazon

Die Gewerkschaft Ver.di ruft die Beschäftigten des Internetversandhändlers Amazon erneut zum Warnstreik auf. Im Kampf um Tarifverträge wird deshalb in Graben im Landkreis Augsburg gestreikt.

Stand: 29.03.2016

Seit Dienstagmorgen wird gestreikt. Rund 200 Mitarbeiter traten nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di in den Ausstand, die Geschäftsleitung sprach von 140 Mitarbeitern.

Tarifverhandlungen dauern an

Streikende der Frühschicht bei Amazon in Graben.

Hintergrund des Streiks sind die Tarifverhandlungen bei Amazon, die inzwischen im dritten Jahr laufen. Der Augsburger Streikleiter von Ver.di, Thomas Gürlebeck, erklärte, der hohe Leistungsdruck, eine nach wie vor schlechte Führung sowie wenig Respekt und Anerkennung zeichneten immer noch die Arbeitsbedingungen bei Amazon aus. Ver.di fordert für die Beschäftgten einen Versandhandels-Tarifvertrag.

"Der Tarifvertrag des Versandhandels ist deutlich besser von der Arbeitszeit, von Zuschlägen für Nachtarbeit, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld. Damit würden sich die Beschäftigten deutlich besser stellen als jetzt. Wir stellen uns auf  eine lange Auseinandersetzung ein und werden mit Sicherheit für die Beschäftigten etwas erreichen."

Thomas Gürlebeck, Ver.di-Streikleiter in Graben

Amazon lehnt Ver.di-Tarifvertrag ab

Tarifbindung durch faire Tarifverträge sei ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Situation. Die Beschäftigten dürften nicht durch schlechte Arbeitsbedingungen krank gemacht werden, so Gürlebeck. Amazon lehnt den von Ver.di geforderten Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels kategorisch ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche. Seit Monaten kommt es deshalb deutschlandweit immer wieder zu Warnstreiks. In Graben soll morgen weitergestreikt werden.

Löhne laut Amazon höher als üblich

Amazon wehrt sich in einer Stellungnahme gegen die Vorwürfe der Gewerkschaft. In den Logistikzentren lägen die Löhne auch ohne Tarifvertrag  am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei. Die Mitarbeiter bekämen an allen Standorten umgerechnet mindestens zehn Euro brutto pro Stunde. Hinzu kämen Extras wie Weihnachtsgeld, Mitarbeiter-Aktien, Gratis-Versicherungen und ein Pensions-Fonds. Laut Anette Nachbar, Pressesprecherin von Amazon Deutschland, bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern auch ausreichend Möglichkeiten, um mit dem Management in Verbindung zu treten.

"Für uns ist es wichtig, dass wir in ständiger direkter Kommunikation mit unseren Betriebsräten stehen, die wir in an allen Standorten und natürlich auch am Standort Graben haben. In dieser direkten Kommunikation mit den Mitarbeitern und den Betriebsräten behandeln wir alle Themen, die relevant sind für die Mitarbeiter, ob das die Gesundheitsprogramme sind, ob das Verbesserungen im Arbeitsablauf und im Prozess sind und auf die Art und Weise lösen wir die Probleme, die es vor Ort gibt und tun das sehr konstruktiv und vertrauensvoll."

Anette Nachbar, Pressesprecherin von Amazon Deutschland


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