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Kein Asyl für Afghanen Landmaschinenmechaniker droht Abschiebung

Obwohl der junge Afghane Rahmatullah Ahmadzai gemeinsam mit seinen Helfern schon viele Hürden gemeistert hat, droht ihm nun die "Rückführung" in das krisengebeutelte Land. Ein Beispiel gelungener Integration – die wieder zunichte gemacht werden soll.

Von: Judith Zacher

Stand: 19.10.2016

Wer in seinem Herkunftsland sicher ist, darf nicht in Deutschland bleiben. Denn aus Sicht der Behörden ist Asyl ist eine rein humanitäre Sache. Gerade für Geflüchtete aus Afghanistan gibt es deshalb zur Zeit vermehrt sogenannte "Rückführungen" - sie werden abgeschoben.

Von den Taliban bedroht

Genau gegen diese aber kämpft Rahmatullah Ahmadzai gemeinsam mit seinen Unterstützern vom Oettinger Integrationstreff. Vor drei Jahren ist er vor den Taliban aus Afghanistan geflohen, denn sie hatten ihn wegen seiner Arbeit für die Amerikaner persönlich bedroht.

In Deutschland angekommen, hat er sich eigenständig ein Leben aufgebaut, schnell eine qualifizierte Arbeitsstelle gefunden - und das in einem gesuchten Beruf, nämlich als Landmaschinenmechaniker in einem Unternehmen in Amerdingen. Im Frühjahr aber wollte er endlich Gewissheit: Während andere jahrelang auf eine Anhörung warten, hat er sich dafür mit seinem Anwalt einen Termin erstritten, um eine legale Berechtigung als Grundlage zu haben. Genau das wurde ihm zum Verhängnis, denn nur drei Tage nach der Anhörung hatte er die Gewissheit, schwarz auf weiß: Der Asylantrag wurde abgelehnt.

Ehrlichkeit im Nachteil

Viele Asylbewerber stellen einen Antrag, ohne einen Pass zu abzugeben, weil sie ihn vorher einfach vernichten. Die Entscheidung über ihren Antrag dauert dementsprechend länger, weil die Identität erst überprüft werden muss. Für Rahmatullah Ahmadzai war das jedoch keine Option: Ehrlichkeit ist ihm zu wichtig. Und Gewissheit, für sich und seinen Arbeitgeber. Doch in diesem Fall scheint sich Ehrlichkeit nicht auszuzahlen, findet auch der Integrationskreis Oettingen, der Ahmadzai unterstützt:

"Der Herr Ahmadzai ist so ein bestrebter Mensch, der bewiesen hat, dass er leistungsfähig und willig ist. Und wir suchen ja ständig nach jungen Leuten, die arbeitsfähig und willig sind und das auch noch können, was sie sollen."

Annemarie Leigart, Integrationskreis Oettingen

Der Weg jedoch ist steinig: Ahmadzais Klage gegen den Bescheid wurde abgelehnt, ebenso eine Petition. Dann kam mit dem neuen Integrationsgesetz ein Lichtblick, denn demnach darf bleiben, wer eine Ausbildung macht. Ahmadzais unbefristeter Arbeitsvertrag als Landmaschinenmechaniker wurde also in einen Ausbildungsvertrag umgewandelt.

Ausnahmen beim Integrationsgesetz

Doch daraufhin erneut ein Schock: Es gäbe da seit dem 1. September eine ergänzende Mitteilung des Bayerischen Innenministeriums, die auch Ausnahmen zulasse – und Ahmadzai wäre genau einen von diesen, teilte die Ausländerbehörde am Landratsamt Donau-Ries mit. Die SPD Bundestagsabgeordnete Gabriele Fograscher kann da nur den Kopf schütteln:  

"Wir haben mit dem Integrationsgesetz das Aufenthaltsgesetzt so geändert, dass genau solche Menschen, die eine Ausbildung begonnen haben und hier leben und arbeiten wollen, eine Chance haben in Deutschland. Das wird ihnen jetzt offensichtlich verwehrt. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers, der mit diesem Gesetz ja Integration befördern wollte."

SPD-Abgeordnete Gabriele Fograscher

Die Ausländerbehörde am Landratsamt Donau-Ries kann sich selbstverständlich nur an die Weisung des Innenministeriums halten und, wie diese es vorsieht, "möglichst vielen Menschen eine Heimreise ermöglichen“. Der einzige Ausweg für Ahmadzai: ausreisen und über ein Visum als Gastarbeiter wieder einreisen. Doch bis das in der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgestellt ist, vergehen Wochen oder sogar Monate. Die Unwägbarkeiten sind groß, das Risiko hoch. Im Landratsamt sind Fälle bekannt, in denen das funktioniert hat – allerdings nicht aus Afghanistan. Rahmatullah Ahmadzai und seine Unterstützer kämpfen deshalb weiter, um das Problem auf diplomatischem Weg zu lösen. Denn so würde am Ende das richtige Stück Papier über eine sichere Zukunft entscheiden.

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Realistin, Mittwoch, 19.Oktober, 17:14 Uhr

31. Tja, da muss man gründlich richtig darüber nachdenken.

So bewegend dieser Beitrag erscheint: Es wird hier nicht die dunkle Seite der Zuwanderung aus Afghanistan angesprochen - nämlich die enorme Rückständigkeit in Lebensart und Religion. Ich bin über jeden Afghanen froh, der nicht hier bleiben kann. Wie generell über jeden abgeschobenen Muslim.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 19.Oktober, 18:34 Uhr

    Ich bin immer wieder erstaunt mit welcher dreistigkeit sich bekennende Rassisten hier outen. Selbsterkenntnis und Menschlichkeit absolute Fehlanzeige!

Natascha, Mittwoch, 19.Oktober, 14:36 Uhr

30. Wer nicht mindestens 10 Jahre Ausbildung bzw. Berufserfahrung hinter sich hat

kann heutzutage nicht als vollwertige Arbeitskraft bezeichnet werden. Etwas weniger Propaganda im DDR-Stil wäre angebracht. Fest steht, dass 65-75% der Asylbewerber kaum lesen und schreiben können. Es bringt überhaupt nichts, "Wunderkinder" vorzustellen, wenn man die eigentlichen Probleme ausblendet. Wer schreibt hierzulande vom Analphabetismus 30jähriger? Antwort: Keiner.

  • Antwort von Wolf, Mittwoch, 19.Oktober, 19:00 Uhr

    ....fest steht.....Fakt ist.....das ist ja wohl Pegida-Sprech in Reinstform.....wo ihr nur immer eure Zahlen herholt wisst ihr doch selber nicht,oder

  • Antwort von winfried, Mittwoch, 19.Oktober, 23:51 Uhr

    @Wolf ... So ganz "aus der Luft gegriffen" ist der Natascha-Kommentar nicht. Dazu nachstehende Beispiele:
    Der BDA-Präsident(Hr. Kramer) sagt - die "Neuen" können wir ... SO NICHT ... gebrauchen.
    Der Bundespräsident(Hr. Gauck) spricht von (unerwartet?)längerem Integrationszeitraum und fordert die DE-Bevölkerung zu mehr Geduld auf.
    Der Bundes-Finanzminister(Hr. Schäuble) verplant Bundesmittel für(wegen) Flüchtlinge(n) bis 2020 je 25 Mrd.€ pro Jahr = 100 Mrd.€.

Syrus Becker, Mittwoch, 19.Oktober, 14:31 Uhr

29. FACHKRÄFTE für Deutschland

Irrsinnige Politik ,Irrsinnige GESETZE, da Kommt ein ehrlicher arbeitswilliger Facharbeiter ,und nur weil er nicht seinen Pass fortgeworfen und sich in die Hände der Asylindustrie begeben hat ,muss er jetzt Deutschland verlassen.Kriminelle werden lieber in Deutschland behalten ,da gibt es Tausende Gründe die eine Abschiebung verhindern.Wer soll diese Praxis noch verstehen,Inhuman und Grausam einen Menschen so zu behandeln.

huggle, Mittwoch, 19.Oktober, 14:28 Uhr

28. Alternativlösung

könnte er nicht ein Arbeitsvisum beantragen, wie ein ganz normaler Gastarbeiter? Das wäre doch zumindest mal vorläufig eine Lösung. Und dann könnte er ja die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, was angesichts seiner guten Integration kein Problem darstellen sollte.

  • Antwort von Mike, Mittwoch, 19.Oktober, 14:48 Uhr

    Meiner Meinung nach ist es falsch,aus einem einzigen Grund.Mit jedem Wirtschaftsflüchtling nimmt man den richtigen Kriegsflüchtlingen ein wenig die Perspektive auf Integration.Denn es ist nicht so,auch wenn ihr es glaubt,daß Vater Staat einfach millionen Jobs subventionieren kann.Richtig wäre es,Asyl nur auf Zeit und für Kriegsflüchtlinge zu gewähren. Alles andere ist einfach nur falsch.

Gretchen, Mittwoch, 19.Oktober, 14:11 Uhr

27. Toller Beitrag

Mütter mit acht Kindern bekommen Minirenten. Jahrzehntelang hat der Staat Familien grundgesetzwidrig zu hoch besteuert. Kranke bekommen nicht die Behandlung die sie brauchen, weil die Krankenkassen nicht zahlen wollen. AlteMänner mit 66 müssen auf dem Bau arbeiten, alte Frauen in der Gastronomie oder sonstwo, weil die Renten so stark gekürzt wurden. Leute, die weniger als das Existenzminimum verdienen müssen trotzdem Steuern und Sozialabgaben zahlen während Millionenerben steuerfrei sind. Jeder muß Rundfunkbeiträge zahlen, auch wenn er gar keinen rFernseher oder Radio hat. Es gibt so viele Ungetechtigkeiten und Skandale, aber wen interessiert das schon?
Aber wenn ein anständig arbeitender Afghane kein Asyl bekommt und das Lamd wieder verlassen muß, eofach weil die Rechtslage so ist, dann ist das dem BR einen Beitrag wert. Toll!

  • Antwort von Sachsendreier, Mittwoch, 19.Oktober, 17:26 Uhr

    Nicht zu vergessen, dass tausende Menschen mit wirklich großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen teilweise über Jahre einen nervenaufreibenden Kampf wegen Anerkennung einer Erwerbsunfähigkeitsrente ausfechten müssen. Es wurde mehrmals nachgewiesen, dass die Gutachter gezielt Ablehnungen schreiben, weil die für die Rententräger arbeiten. Es gab dazu im ÖR zwar erschütternde Dokus, aber meiner Meinung nach noch viel zu wenig! Wie generell die öffentliche Aufmerksamkeit, wie Gretchen anriss, beinah nur noch auf Minderheiten gelenkt wird, bevorzugt auf Ausländer. Und da natürlich die Asylanten im speziellen Fokus der Medien stehen. Hat der Ansässige große Schwierigkeiten, gerät er unverschuldet in eine finanzielle Schieflage oder wegen gesundheitlicher Probleme ins Abseits, und er äußert sich darüber, wird ihm von unseren Oberen und Medien sofort "ein Jammern auf hohem Niveau" vorgeworfen.