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Jahresbilanz Gundremmingen Viel Strom, Zwischenfälle und der Rückbau

Das Kernkraftwerk Gundremmingen zieht eine positive Jahresbilanz. Im vergangenen Jahr habe man mit beiden Reaktorblöcken 700 Millionen Kilowattstunden mehr produziert als noch 2014. Aber es gab auch Zwischenfälle.

Von: Doris Bimmer

Stand: 09.03.2016

Die Strommenge stieg auf rund 21,2 Milliarden Kilowattstunden – damit könne man etwa sechs Millionen Haushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch ein Jahr lang versorgen, heißt es in der Jahresbilanz. Ein knappes Viertel des in Bayern erzeugten Stromes kommt also aus Gundremmingen.

Die kaufmännische Geschäftsführerin Gabriele Strehlau beklagte die schwierige betriebswirtschaftliche Situation. Die Großhandelspreise seien auf einem so niedrigen Niveau, dass die Anlage kaum noch wirtschaftlich betrieben werden könne, so Strehlau. Sie forderte, der Strommarkt müsse so umgestaltet werden, dass eine „faire Partnerschaft von konventionellen Kraftwerken mit den erneuerbaren Energien“ möglich sei.

Der technische Geschäftsführer, Michael Trobitz, bilanzierte im vergangenen Jahr fünf meldepflichtige Zwischenfälle im AKW mehr als in den beiden Jahren zuvor. Sicherheitstechnisch maß er ihnen keine große Bedeutung bei. Ungeklärt ist noch ein Vorfall vom 5. November. Damals hatte sich beim Umsetzen eines Brennelements im Lagerbecken von Block C der Kopf eines Brennelements gelöst. Der Grund hierfür ist noch unklar, die Untersuchungen liefen, versicherte Trobitz: Da es sich aber um ein hochradioaktives Bauteil handle, seien die Untersuchungen entsprechend kompliziert.

Rückbau großes Thema

Auch auf die Zukunftsplanungen am Standort Gundremmingen gingen die Geschäftsführer ein. Das Genehmigungsverfahren für den Rückbau läuft ja bereits seit Ende 2014, aktuell werden für die zuständige Behörde, das Bayerische Umweltministerium, ergänzende Antragsunterlagen ausgearbeitet. Mitte 2016 sollen alle Unterlagen vorliegen, dann werden sie öffentlich ausgelegt.

Seit vergangenem Herbst informiert der Kraftwerksbetreiber im Rahmen der Initiative „Kernkraftwerk Gundremmingen transparent“ über die Aspekte des Rückbaus. Der Betreiber, die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH, teilte mit, man werde im laufenden Jahr für rund 39 Millionen Euro Revisions- und Wartungsarbeiten durchführen. Im Reaktorblock B steht am 7. April die letzte große Revision an. Dieser Block soll Ende 2017 vom Netz gehen. Der zweite Reaktor, Block C, wird ebenfalls noch in diesem Jahr kontrolliert, dort beginnt die Revision mit dem Wechsel der Brennelemente am 26. Juli, erklärte Technikchef Trobitz.

Opposition hat große Bedenken zur Sicherheit

Sorgen macht sich die Opposition um die Erdbebensicherheit des Kernkraftwerks Gundremmingen. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, hatte vom Bundesumweltministerium die Herausgabe von speziellen Unterlagen aus der Bauphase des AKW verlangt und Ende Januar vor dem Verwaltungsgericht Köln Recht bekommen.

Blick in den geöffneten Reaktor im Kernkraftwerk Gundremmingen

Doch das Ministerium beharrt auf seiner Weigerung und hat nun am Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen eine Berufung beantragt. Bis das Gericht darüber entschieden hat, bleibt der Zugang zu den rund 30 Jahre alten Unterlagen verwehrt. Darüberhinaus sollte die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit für das Bundesumweltministerium ein neues Gutachten zur Erdbebensicherheit der Kernkraftwerke in Deutschland erstellen. Auch hier beantragte Kotting-Uhl unter Verweis auf das Umweltinformationsgesetz Einsicht. Im Dezember wurde der Bericht übergeben, bis heute gibt das Ministerium keine Informationen heraus, weil er noch nicht abgenommen sei, heißt es im Büro der Abgeordneten. Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Kotting-Uhl, wirft dem Bundesumweltministerium eine Abschottungspolitik vor. Ihre Forderung: Deutschland brauche im Atombereich „mehr staatliche Transparenz, mehr Öffentlichkeitsbeteiligung und Vertrauensaufbau“.

Wie gefährlich sind AKWs?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte vor einer steigenden Zahl gravierendender Sicherheitsmängel in deutschen Atommeilern gewarnt. In einer Studie zum fünften Jahrestag des Reaktorunglücks von Fukushima am 11. März heißt es, in jedem deutschen Atomkraftwerk sei jederzeit ein schwerer Unfall möglich.


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