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Die Schottdorf-Affäre Die Geheimakte unter der Klobürste

Geheimakten auf einem USB-Stick unter einer Klobürste, Ex-CSU-Chef Stoiber, eine Parteispende über 20.000 Euro, der beschuldigte Multimillionär und Labor-Unternehmer Schottdorf und ein unbequemer Passauer Journalist. Zutaten für eine spannende Agentenszene – die erst gestern im Labor-Untersuchungsausschuss des Landtags bekannt wurde.

Von: Arne Wilsdorff

Stand: 17.02.2016

Eingang zum Untersuchungsausschuss Labor des Bayerischen Landtags | Bild: picture-alliance/dpa

Der Passauer Journalist Hubert Denk ist auch sechs Jahre später – immer noch aufgeregt. Damals - im Januar 2010 - dachte er, er sei in einem James-Bond-Film als er plötzlich einen anonymen Anrufer auf seinem Handy hatte und ihm 'interessantes Material' anbot. Treffpunkt: Der Löwenbräukeller.

"Er hat gesagt: 'Da vorne sehen sie eine Tür, da geht es zu den Herrentoiletten. Da unten in den Herrentoiletten – zweite Kabine von links. Im Einsatz unter der Klobürste finden sie den USB Stick.' Darauf war Material, unter anderem das Begleitschreiben Herrn Stoiber betreffend."

Hubert Denk

Der USB-Stick unter der Klobürste

Wie die Informanten an seine Handynummer gekommen sind, um ihn auf dem Weg vom Münchner Landgericht zum Stiglmaierplatz anzurufen, das kann sich Hubert Denk bis heute nicht erklären. Ja - er saß als Prozessbeobachter in einem wichtigen Verfahren um vermutete Abrechnungsbetrügereien des Labor-Unternehmers Bernd Schottdorf mit über 2.000 bayerischen Ärzten. Aber richtig tief eingestiegen war er in die Recherchen noch nicht. Den USB-Stick unter der Klobürste nahm Denk aber dankend an und fand darauf unter anderem ein Begleitschreiben zu einem Parteispendenscheck an die CSU. Am 30. Juni 2005 – einem Bundestagswahl-Jahr - schrieb darin der Augsburger Labor-Unternehmer Schottdorf.

"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, als langjähriges Mitglied der CSU erwarte ich, dass jetzt endlich eine Änderung in Deutschland erreicht werden kann. Anliegend übersende ich ihnen einen Spendenscheck für die CSU in der Hoffnung, dass er mithilft, den angestrebten Erfolg zu erreichen."

Bernd Schottdorf 30. Juni 2005

Spende mit Hintergedanken

Unverfänglicher kann ein Spender nicht schreiben – aber Bernd Schottdorf war bekannt, als mit allen Wassern gewaschener Unternehmer. Auch hatte er immer wieder staatsanwaltliche Ermittlungen wegen seiner Abrechnungsmodalitäten am Hals. Der Journalist Hubert Denk vermutete deshalb, Schottdorf habe mit Hintergedanken an die CSU gespendet. Heute sieht er sich bestätigt – und zwar durch entsprechende Zeugenaussagen wonach der, an sich harmlose Brief in Schottdorfs Firma viel Arbeit verursacht habe.

"Es hätte intensive Gespräche auch mit dem Hausjuristen von Schottdorf gegeben, bis dieser Zweizeiler geboren war. Und wenn ich heute natürlich einen Parteispendenscheck abgebe und habe dabei keine besonderen Interessen, dann muss ich mir nicht so lange überlegen, wie formuliere ich diese zwei Sätze... Es hat einen komischen Beigschmack-Charakter, dass das nicht so einfach gegangen ist."

Hubert Denk

Suche nach dem Maulwurf

Mittlerweile ist bekannt, dass Edmund Stoiber den 20.000 Euro-Scheck ordnungsgemäß an die CSU weitergegeben hat, wo er korrekt als Spende verbucht wurde. Ärger bekam der Journalist Hubert Denk aber trotzdem, als er das Begleitschreiben in seiner Passauer Zeitschrift "Bürgerblick" veröffentlicht hat. Und zwar zunächst mit Schottdorfs Anwälten. Später auch mit der Staatsanwaltschaft. Die hat gegen Hubert Denk wegen "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" und "Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses" ermittelt. Schließlich suchten sie den Maulwurf in den eigenen Reihen. Denn der USB-Stick konnte nur aus Ermittlerkreisen der Soko-Labor stammen. Aber wer genau – das weiß bis heute niemand.


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