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Übergriffe auf Volksfest Polizei reagiert auf Krawalle in Schorndorf

Nach den Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen auf zwei junge Frauen auf dem Schorndorfer Stadtfest wird über Konsequenzen diskutiert. Die Polizei in der Kleinstadt bei Stuttgart hat ihre Präsenz deutlich verstärkt. Der Oberbürgermeister räumte ein, man habe zu spät reagiert.

Von: Martin Plank

Stand: 18.07.2017

Die Polizei zeigt verstärkt Präsenz im Schlossgarten, in dem Jugendliche während eines Stadtfestes in Schorndorf (Baden-Württemberg) feiern | Bild: Deniz Calagan/dpa

Gestern Abend blieb bei dem Volksfest in Schorndorf im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis alles friedlich, wie ein Sprecher der Polizei erklärte. Es sei weniger los gewesen als am Wochenende. Dennoch wirken die vorangegangenen Vorkommnisse deutlich nach.

OB räumt Fehler ein

Am Donnerstag soll sich der Landtag in Stuttgart mit den Vorfällen befassen. Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer warb für einen Schulterschluss von Politik und Polizei. "In Zukunft noch mehr, um zu sagen: Da gibt es null Toleranz für Gewalt gegen die Polizei", sagte der SPD-Politiker im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Er räumte aber auch ein, dass Stadt und Politik am Wochenende zu spät reagiert hätten.

Im Schlosspark, wo die Lage eskaliert war, herrsche generell ab 22.00 Uhr ein Alkoholverbot, so Klopfer. In den Vorjahren habe man beim Stadtfest zwischen Mitternacht und 0.30 Uhr gesagt: "Jetzt dürft ihr aber alle gehen und auch nach Hause gehen." Das sei diesmal zu spät geschehen. Klopfer sprach von einer "gemeinsamen Fehleinschätzung der Stadt und der Polizei".

"Dieses Jahr sind wir erst deutlich später in den Schlosspark gegangen. Und mit noch mehr Alkohol nach Mitternacht ist die Situation dann leider eskaliert, wie wir es nicht erwartet haben."

Schorndorf Oberbürgermeister Matthias Klopfer

Klopfer betonte aber auch, es habe keineswegs eine Art Ausnahmezustand geherrscht. Es habe am Wochenende insgesamt vier Fälle sexueller Belästigung gegeben und bei einer Schülerfeier im Schlosspark hätten "zwei kleine Gruppen" mit Flaschen geworfen. Der Eindruck, "dass 1000 Jugendliche Randale gemacht haben und quasi Ausnahmezustand in unserer Stadt war, den kann man ganz klar verneinen", sagte Klopfer.

Polizei war zeitweise überfordert

Schon am Montag hatten die zuständigen Behörden über die Vorgänge informiert. Nach Angaben der Polizei gab es zwei sexuelle Übergriffe - als Täter konnten drei Afghanen und ein Iraker ermittelt werden. In der Nacht auf Samstag hatten sich rund 1.000 Menschen im Schloßpark von Schorndorf versammelt - einige von ihnen warfen Flaschen auf Besucher und Polizisten und zogen später randalierend durch die Stadt. Der Polizeipräsident von Aalen, Roland Eisele, räumte ein, dass die Einsatzkräfte die Lage vorübergehend nicht unter Kontrolle gehabt hätten. Nach seinen Worten hat es Vorgänge wie am Wochenende in Schorndorf schließlich noch nie gegeben. Die Polizei musste Verstärkung aus den umliegenden Landkreisen rufen, um dem "massiven Aggressionspotenzial" begegnen zu können.

Erschreckende Gewaltbereitschaft

Nach Klopfers Darstellung waren unter den 1.000 Feiernden vorrangig Abiturienten und Realschüler. Nach Mitternacht seien dann Menschen mit Migrationshintergrund hinzugestoßen. Nach Darstellung eines Polizeisprechers hat der Anteil von Migranten innerhalb der randalierenden Gruppe unter 50 Prozent gelegen. Als Hauptproblem nannte der Sprecher den Alkoholkonsum der Jugendlichen. Das Ausmaß der Gewalt gegenüber den Beamten nannte er "erschreckend".


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