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Schockbilder gegen das Rauchen Das Grauen auf Zigarettenschachteln

Bald wird‘s unappetitlich: Schockbilder wie Zahnstummel, gelbe Raucherbeine oder schwarze, krebsbefallene Lungen werden in Zukunft Zigarettenschachteln und Tabakbeutel zieren. Der Bundestag hat heute ein entsprechendes Gesetz verabschiedet und setzt damit eine EU-Richtlinie um.

Von: Eva Huber

Stand: 25.02.2016

Drei Zigarettenschachteln mit Schockbildern  | Bild: dpa/Jonas Güttler

Für die Berichterstatterin im zuständigen Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft Kordula Kovac (CDU) ist das Gesetz ein wichtiger Schritt.

"Wir müssen auch als Politiker alles tun, damit die Leute nicht rauchen. 110 000 tote Menschen in einem Jahr sind unglaublich viele und ich möchte meinen Enkeln mal sagen können, wir haben alles versucht, das zu verhindern."

Kordula Kovac

Tabaklobby will Stichtag für Schockbilder verschieben

Bisher prangt auf deutschen Zigarettenschachteln nur ein Warnhinweis, der ungefähr ein Drittel der Verpackung einnimmt. Diese Warnung soll jetzt noch größer werden. Zwei Drittel der Vorder- und der Rückseite von Tabakverpackungen sollen mit den Schockfotos inklusive Warntext bedruckt werden. Stichtag für die Umsetzung ist der 20. Mai 2016. Bis dahin müssen alle Tabakproduzenten ihre Verpackungsmaschinen umgestellt haben. Die Tabaklobby hatte lange für eine Fristverlängerung gekämpft und auch jetzt gibt es noch die Sorge, dass vor allem kleinere Unternehmen es nicht rechtzeitig schaffen. Kordula Kovac hält dagegen: "Die betroffenen Firmen wissen seit letzten Sommer, dass das auf sie zukommt“. Ähnlich äußert sich auch der drogenpolitische Sprecher der Linken, Frank Tempel:

"Es war lange genug angesagt, dass solche Veränderungen kommen. Man kann solche Termine nicht einfach mal hoch und runter schieben. Das sind große Investitionen für alle Beteiligten. Da muss man einen gewisse Zuverlässigkeit bieten können."

Frank Tempel, drogenpolitischer Sprecher der Linken

Dennoch ist die Tabakindustrie verunsichert. Gerüchte machen die Runde, dass Polen und Rumänien möglicherweise die Frist verlängern werden. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks ist Bundesernährungsminister Christian Schmidt darauf in der Fraktionssitzung der Union nochmal eingegangen. Weder im polnischen Parlament noch auf der Internetseite des polnischen Tabakverbandes sei von Fristverschiebung die Rede und das polnische Gesundheitsministerium habe den 20. Mai als Termin bestätigt. Auch Kordula Kovac betont, dass die EU keine Fristverlängerung zulassen werde:

"Minister Christian Schmidt  hat im November oder Dezember nochmal mit der EU verhandelt und da ganz deutlich die Aussage bekommen: man kann natürlich einen Antrag stellen, aber dem wird nicht stattgegeben. Egal, ob er von Deutschland, Polen oder Rumänien kommt."

Kordula Kovac

Trotz des Stichtags werden ab dem 21. Mai dann nicht alle Zigarettenregale voller Schachteln mit Schockfotos sein. Die Industrie darf noch ein Jahr lang Produkte verkaufen, die sie vor dem Stichtag produziert hat. Erst dann führt beim Blick auf die Schachtel kein Weg mehr an Zahnstummeln und Raucherbeinen vorbei.


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Volker, Freitag, 26.Februar, 11:09 Uhr

2. Perfide und ethisch sehr bedenklich

mit der TPD2 hat man als U-Boot auch die nachweislich weit weniger schädliche Dampfe / E-Zigarette nahezu tot reglementiert. Warum? Weil die involvierten Pharmakonzerne damit kein Geld verdienen konnten, sie nicht in die Apotheke bekamen und die eigenen Mittel weit weniger erfolgreich sind.

Also entschied man sich gegen den Konkurrenten vorzugehen - auch mit dem verwerflichen Kalkül, dass mittels Rauchen mehr Krebserkrankungen zu behandeln sind und der Markt für diese Mittel im Milliardenbereich liegt.

Die nachweislich von Pharma unterstützten Institutionen WHO und DKFZ brachten über die ebenfalls geschmierten Akteure die Argumentationen in die Gesetzesvorlagen durch EU und in Deutschland ein - auch das ist längst nachgewiesen.

Verlierer sind die - auch kommenden - Raucher, denen eine Alternative hätte helfen können, einen Ausstieg zu finden.

Wie sagte der Pharmakologe Prof. Dr. Bernhard Mayer bei der vorherigen Befragung richtig: „Ich finde es ethisch wirklich bedenklich!"

Joachim Süß, Donnerstag, 25.Februar, 10:23 Uhr

1. Upassend.

Es ist wie es ist, Rauchen bleibt - mit kleinen Einschränkungen - erlaubt und auch die perfide Werbung für Zigaretten wird in Deutschland nicht unmittelbar verboten. Die EU-weite Einführung von Warnhinweisen ist ein kleiner Schritt, und sicherlich keiner, der das Rauchen in größerem Stil einzudämmen in der Lage ist. Wie groß waren doch bereits bei Einführung der Text-Warnhinweise die Aufschreie aus Tabak-Industrie, bei Händlern und Süchtigen. Eklatant ändern an der zuletzt kaum gesunkenen Quote von Abhängigen können nur die öffentliche Einstellung zu den tödlichen Tabakprodukten oder umfassende Verbote (hier fällt der Blick unweigerlich auf Australien). Was dagegen überhaupt nicht hilft, Menschen von einer krank machenden Abhängigkeit, in die sie durch heimtückische Werbetricks wie die mediale Dauerpräsenz zur Steigerung des "Coolness-Faktors" gezwungen wurden, zu lösen, sind Redakteure des staatlichen Rundfunks, die statt Warnhinweis "Schockbild" oder "unappetitlich" schreiben.