Ende der Karriere Schavan tritt zurück
Die Entscheidung über die politische Zukunft von Bildungsministerin Schavan ist gefallen. Die CDU-Politikerin gibt ihr Amt auf. Am Dienstag hatte die Uni Düsseldorf ihr den Doktortitel entzogen.
Bisher hat sich Schavan nur sehr kurz zur Entscheidung der Düsseldorfer Universität geäußert, die ihr den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel aberkannt hat. Sie werde gegen diese Entscheidung klagen, so die Ministerin, und ansonsten nichts mehr sagen, weil sie in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der Universität stehe.
"In Ruhe miteinander reden."
B5 Hintergrund
Ähnlich knapp fielen die bisherigen Reaktionen der Kanzlerin aus: Über ihren Sprecher ließ sie in der Bundespressekonferenz mitteilen, dass Schavan als Ministerin ihr Vertrauen genieße. Und im übrigen - nach der Rückkehr Schavans von der Auslandsreise werde sicher "Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden". Das ist nun geschehen.
Rücktrittsforderungen und Unterstützung
Die Opposition hat Schavans Rücktritt gefordert. Unterschiedliche Reaktionen gibt es aus der Wissenschaft.
"Bis zu einer gerichtlichen Entscheidung können Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Unter diesen Umständen kann Annette Schavan ihr Amt als Bildungsministerin nicht weiter ausfüllen."
Bernhard Kempen, Präsident des deutschen Hochschulverbandes.
"Eine Ministerin muss man nach ihrer Kompetenz und Leistung beurteilen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Grund zum Rücktritt."
Helmut Schwarz, Präsident der Humboldt-Stiftung.
"Systematisch und vorsätzlich" falsche Angaben gemacht
Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf hatte den Entzug des Doktortitels wie folgt begründet. In ihrer Arbeit "Person und Gewissen" habe die "damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgegeben, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Für den Entzug stimmten zwölf Mitglieder des Rats der Philosophischen Fakultät. Es gab zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung.
Abgekupfert, Titel weg
Karl-Theodor zu Guttenberg
Im Februar 2011 gibt es erste Medienberichte über Plagiatsvorwürfe gegen den damaligen Verteidigungsminister und CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Bayreuther Uni entzieht ihm später den Doktortitel, am 1. März 2011 tritt der Minister von seinem Amt zurück. Strafrechtliche Ermittlungen durch die Hofer Staatsanwaltschaft werden gegen Zahlung von 20.000 Euro eingestellt.
Guttenberg geht in die USA und arbeitet dort unter anderem für das Center for Strategic & International Studies zum Thema transatlantische Zusammenarbeit.
Veronica Saß
Die Tochter des früheren bayerischen Regierungschefs Edmund Stoiber (CSU) verliert am 11. Mai 2011 ihren Doktortitel. Der Promotionsausschuss der Uni Konstanz kommt zum Ergebnis, dass Saß mindestens ein Drittel ihrer Arbeit über die Regulierung im Mobilfunk nicht selbst verfasste.
Die Stoiber-Tochter klagt gegen den Entzug ihres Titels, das Freiburger Verwaltungsgericht weist die Klage aber am 24. Mai 2011 ab.
Silvana Koch-Mehrin
Die Europaabgeordnete tritt wegen der anhaltenden Plagiatsvorwürfe im Mai 2011 als FDP-Fraktionschefin im EU-Parlament und Vizepräsidentin des Parlaments zurück und behält nur noch ihr Abgeordnetenmandat. Am 15. Juni 2011 wird Koch-Mehrin von der Heidelberger Uni der Doktortitel aberkannt. Ihre Arbeit über die Lateinische Münzunion bestehe in substanziellen Teilen aus Plagiaten, begründet die Universität den Schritt.
Auch Koch-Mehrin geht juristisch gegen den Titelentzug vor und reicht Ende 2011 Klage beim Verwaltungsgericht Karlsruhe ein, eine Entscheidung wird im November 2012 vertagt. Unabhängig davon will die FDP-Politikerin 2014 nicht mehr für das Europaparlament kandidieren.
Jorgo Chatzimarkakis
Die Universität Bonn entzieht dem FDP-Europaabgeordneten am 13. Juli 2011 seinen Doktortitel. Nach Ansicht der Prüfer stehen in seiner Arbeit zahlreiche Passagen, die aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten stammen, ohne als Zitate gekennzeichnet zu sein. Chatzimarkakis nennt die Entscheidung der Universität "sehr bitter" und kündigt eine neue Arbeit an.
Bijan Djir-Sarai
Der FDP-Bundestagsabgeordnete verliert nach einer Überprüfung durch die Universität Köln am 5. März 2012 seinen Doktortitel. Die Plagiatsfahnder der Internetseite "VroniPlag" finden in seiner Arbeit zur ökologischen Modernisierung der deutschen PVC-Branche zahlreiche Plagiate.
Der Liberale aus Nordrhein-Westfalen ist im Bundestag unter anderem Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Petitionsausschusses.
Margarita Mathiopoulos
Die Wissenschaftlerin, die die FDP viele Jahre in außenpolitischen Fragen beriet, verliert am 18. April 2012 ihren von der Uni Bonn verliehenen Doktortitel. Mathiopoulos klagt vor dem Verwaltungsgericht Köln, verliert Ende 2012 und legt kurz darauf Berufung gegen die Gerichtsentscheidung ein.
Ihre Arbeit war bereits vor über 20 Jahren in die Kritik geraten. Damals waren handwerkliche Fehler attestiert worden, die aber nicht zum Entzug des Titels geführt hatten.
Florian Graf
Der Berliner CDU-Fraktionschef stellt am 27. April 2012 bei der Uni Potsdam selbst den Antrag, seinen Doktortitel wegen mehrerer Plagiate zurückzugeben. Er habe "große Fehler" gemacht, bekennt der Christdemokrat. Der Promotionsausschuss der Uni kommt der Bitte Grafs nach und entzieht ihm den Titel.
Sein Amt darf Graf trotzdem behalten: Seine Fraktion spricht ihm am 3. Mai 2012 mit 88 Prozent das Vertrauen aus.

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Madame de Stael, Montag, 11.Februar, 05:55 Uhr
41. Unsägliche Menschenjagd
Wie der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder selber zugegeben hat, wird er für seine "Aufdeckungen" bezahlt - ist also ein bezahlter Scherge im Dienste einer politischen Partei der Opposition. Zudem hat er selber keinen Doktortitel, hat also keine Erfahrung, wie man so etwas schreibt und kann es also nicht fachlich urteilen. Aber Fr. Schavan hingegen, wird vom Mob die Fähigkeit aberkannt, obwohl sie eine nachweislich kompetente und auch in anderen politischen Lagern hochangesehene Fachfrau ist. Wieso macht dann jeder bei dieser Hatz mit und lässt sich von den tendenziösen deutschen Medien hochputschen? Dazu zitiere ich die New York Times (weiltweit eine der besten Zeitungen): "For the plagiarism scalp hunters, the abundance of titles provides what ..."is known as target-rich environment, and digging up academic deception by politician has become an unlikely blood sport."
"Here in the homeland of schadenfreude, the zeal for unmasking academic frauds also reflects certain Teutonic traits ..."
wolfa, Samstag, 09.Februar, 13:48 Uhr
40. Allgemein
Wer seinen Doktortitel hart erarbeitet, der verdient Respekt. Damit der Doktortitel auch weiterhin seinen Wert hält, find ich es richtig, bei "Unregelmäßigkeiten" in der Doktorarbeit, den Titel auch abzuerkennen. Da eine Entscheidung über die Aberkennung eines Doktortitels sicher auf "Fakten" beruht, ist die Androhung einer Klage über die Entscheidung einer Uni zwar Rechtens, aber entsteht sicher durch gekränkte Eitelkeiten. Gerade im Fall Schavan finde ich das negativ für alle Beteiligten.
Es wäre besser die Unis würde in solchen Fällen ein Verfahren zur Nachbesserung bzw. Neuerlangung des Doktortitels erlauben. Die Ex-Doktoren sollten durch harte Arbeit die Chance bekommen den Schaden wieder gut zu machen. Ebenso bin für Bestrafung der Uni-Professoren, welche die Doktorarbeiten unzulänglich oder mit wohlwollenden Blick auf die Abstammung, geprüft haben. Strafmaß bis zur Aberkennung der eigenen Titel. Im Fall Schavan sicher zu spät.
Nadine Schöttl, Donnerstag, 07.Februar, 20:37 Uhr
39. Plagiatsjäger
@ User Claudia Feldbauer
Hallo Frau Feldbauer, ich sehe das anders. Meiner Meinung ist es durchaus wichtig und richtig selbst alte Doktortitel unter die Lupe zu nehmen. Wenn Frau Schavan so wie nun von der Universität Düsseldorf festgestellt, die Arbeit aus Plagiaten besteht, dann muss der Doktortitel folgerichtig entzogen werden. Schließlich öffnet ein Doktortitel breite Tore in der Arbeitswelt. Es wäre daher höchst ungerecht gegenüber ehrlichen Studenten, wenn Personen mit Doktorarbeiten in denen Plagiate vorkommen, diesen dann auch noch behalten dürften. Sicherlich stellt sich die Frage, ob man nicht schon damals besser kontrolliert hätte haben sollen, doch im Grunde ist es ja so wie im Straßenverkehr. Nur, weil man vor 30 Jahren noch Fahrzeuge ohne Airbags und evtl. ohne Anschnallgurt baute, so können diese heute keinen Bestand mehr haben. D.h. die Fahrzeuge müssen aus dem Verkehr genommen werden, sofern sie keine entsprechende Ausrüstung aufweisen können. Das gleiche ist mit einer Doktorarbeit. Eine Arbeit die schon vor 30 Jahren top war, ist es heute auch noch. Es kommt eben darauf auf, wie viel Arbeit hineingesteckt wurde. Also ich bin ganz froh das es Plagiatsjäger gibt. Denn dadurch wird der Doktortitel der zu letzt einstaubte und vom Professortitel verdrängt wurde, wieder höher bewertet. Die Arbeit der Pliagatsjäger ist verdammt wichtig. Man kann sie quasi als TÜV des Straßenverkehrs bezeichnen.
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