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Trauer um Ruth Leuwerik Ein Generationenvorbild ist verstummt

Ihre Filmkarriere war kurz - und doch zählt sie zu den legendären Filmstars Deutschlands: Ruth Leuwerik. Jetzt ist die Schauspielerin in München gestorben. Rückblick auf das Leben einer "starken Frau".

Stand: 12.01.2016

Sie war mehr als ein Filmstar, sie war Vorbild in einer Zeit, als Frauen in Deutschland noch wenige Rechte hatten. Mit starken Rollen wurde sie zum glamourösen Filmstar der 1950er Jahre. Jetzt ist die Schauspielerin im Alter von 91 Jahren in München gestorben.

"Die ideale Frau"

Anfangs stand Ruth Leuweriks Filmkarriere unter keinem guten Stern. Nicht fotogen genug, hieß es. Ein Irrtum, wie die Schauspielerin bald klar machte. Für das Kinopublikum der Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunderzeit war sie der Inbegriff der "starken Frau": Selbstbewusst, eigenständig und voller Herzenswärme waren die Charaktere, mit denen sie auf der Leinwand zu sehen war: "Die Trapp-Familie", "Königliche Hoheit" und "Königin Luise" waren Kassenschlager. Mit ihren starken Frauenrollen wurde Leuwerik zum Vorbild einer ganzen Generation. In "die ideale Frau" mimte sie beispielsweise 1959 eine Bürgermeisterin - für damalige Verhältnisse ungewöhnlich. In anderen Rollen war sie Unternehmerin, Ärztin, Fotoreporterin oder Lehrerin.

Leuwerik spielte die beruflich erfolgreiche Frau, weniger die leidenschaftliche Geliebte als vielmehr eine treue Kameradin, die ihre Filmmänner unterstützte, ohne sie herauszufordern. Sie blieb unabhängig, mutierte entgegen des Zeitgeistes nicht zum ergebenen Anhängsel eines Mannes.

"Die Frauen bilden das Gros des Filmpublikums. Und diese Frauen können sich mit den Problemen, die ich auf der Leinwand habe, identifizieren."

Ruth Leuwerik 1962

Thomas Mann als Förderer

Die gebürtige Essenerin erhielt 1947 ihr erstes Theaterengagement, 1949 schließlich kam sie an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo sie bis 1953 blieb. 1950 startete Leuwerik ihre Filmkarriere - bei "13 unter einem Hut", eine turbulente Komödie.

Thomas Mann war von ihrer Schauspielkunst ebenso angetan wie von ihrem Aussehen - und lobte sie als "Frau von beträchtlicher Ansehnlichkeit". 1953 dann der Durchbruch: Leuwerik wirkte gleich an vier Produktionen mit, darunter "Königliche Hoheit" nach einem Roman von Thomas Mann. Gemeinsam mit ihrem Filmpartner Dieter Borsche galt Leuwerik wie Romy Schneider und Karlheinz Böhm als Traumpaar des deutschsprachigen Kinos.

Eine kurze Karriere

Kaum eine Schauspielerin war damals so oft auf den Titelseiten der Zeitschriften zu sehen wie Ruth Leuwerik. Nur wenige Jahre währte ihre Filmkarriere, in etwa 30 Streifen spielte sie mit: Komödien, Melodramen und Literaturverfilmungen. 1955 gab sie die Effi Briest in dem Drama "Rosen im Herbst" und reihte sich damit ein in die Riege berühmter Effi-Darstellerinnen wie Marianne Hoppe, Hanna Schygulla oder Angelica Domröse.

Vom gefeierten Star zum Rückzug

Sie bekam auch einige Auszeichnungen, darunter mehrere Bambis und den Bundesfilmpreis für "Geliebtes Leben". Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2004 überreichte ihr der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Medaille "München leuchtet". Ihre Leistung fasste er so zusammen:

"Sie hat eine Brücke zum Herzen aller geschlagen."

Christian Ude

Leuwerik interessierte sich jedoch nicht nur für die heitere Seite des Films, sondern auch für gebrochene Charaktere, für die dunklen Seiten von Figuren. Doch ein Image-Wechsel gelang ihr nicht mehr. In den 60er Jahren zog sich Ruth Leuwerik mehr und mehr zurück. Nur gelegentlich spielte sie noch in Fernsehfilmen, etwa in der Krimireihe "Derrick" und 1979 als Konsulin in der Serie "Die Buddenbrooks". Zuletzt lebte sie zurückgezogen in München. Selbst zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2014 hatte sie keine große Feier geplant. Stattdessen kommentierte sie den Ehrentag staunend:

"In dem hohen Alter ist es ein Wunder, dass ich noch da bin."

Ruth Leuwerik


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