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Online-Orientierung für freiwillige Rückkehrer Von Reisekosten bis Reintegration

Die Zahl der Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber steigt. Die Bundesregierung setzt jedoch auch darauf, dass mehr Flüchtlinge freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Ein neues Online-Portal soll dabei helfen. Es soll Flüchtlinge umfassend über Rückkehrmöglichkeiten informieren.

Von: Miguel Helm

Stand: 11.05.2017

"Wer keine Bleibeperspektive hat, soll Deutschland rasch wieder verlassen. Die freiwillige Ausreise stellt dabei gegenüber einer Abschiebung den besseren Weg dar", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Damit mehr Asylbewerber Deutschland tatsächlich freiwillig verlassen, hat das Innenministerium gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) das Orientierungs-Portal "Returning from Germany" für Flüchtlinge gestartet.

Weniger Rückkehrer aus Bayern

Die Zahl der Flüchtlinge in Bayern, die von Januar bis März freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind, ist im Vergleich zum Vorjahr von 4.236 auf 2.420 deutlich gesunken.

Allerdings: Dass Anfang 2016 so viele Menschen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind, kann zumindest teilweise erklärt werden. Viele Migranten aus dem Westbalkan – die absehbar keine Chance auf Asyl hatten - wollten ihrer drohenden Abschiebung zuvorkommen. Und reisten freiwillig aus. Daher der Ausreißer, die hohe Zahl freiwilliger Rückkehrer 2016.

Hilfe bei der Heimkehr

Auf der Internet-Plattform sollen die Flüchtlinge gebündelt praktische Hinweise zur freiwilligen Rückkehr erhalten. Informationen zum Arbeitsmarkt, zur Wohnungssituation oder zur medizinischen Versorgung in den Herkunftsländern sind auf der Seite zu finden, so das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Die Zahl der Flüchtlinge, die von Januar bis März freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind, ist im Vergleich zum Vorjahr von 13 848 auf 8 463 gesunken. Allerdings: Dass Anfang 2016 so viele Menschen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt sind, lag hauptsächlich daran, dass viele Migranten aus dem Westbalkan – die absehbar keine Chance auf Asyl hatten - so ihrer drohenden Abschiebung zuvorkommen wollten. Daher der Ausreißer, die hohe Zahl freiwilliger Rückkehrer 2016. Zum Vergleich: In den ersten Monaten 2015 waren nur 4.420 Menschen freiwillig zurückgekehrt.

Finanzielle Unterstützung

Flüchtlinge, die zurück in die Heimat wollen, können bei Ihrer Rückreise finanziell unterstützt werden. Zum Beispiel: Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Irak oder Nigeria, erhalten vom Bund die Reisekosten, eine zusätzliche Reisebeihilfe in Höhe von 200 Euro und eine einmalige Hilfe für den Neuanfang in der Heimat von 300 oder 500 Euro. Aber viele kennen diese Möglichkeiten bisher nicht. Deshalb soll die Webseite auch darüber informieren, wie und wo das Geld beantragt werden kann.

Neben finanziellen Hilfen können Flüchtlingen aus bestimmten Ländern, wie zum Beispiel Afghanistan, Indien oder Iran, an Reintegrationsprogrammen teilnehmen. Diese umfassen eine Ankunftsunterstützung, Beratung und Begleitung zu behördlichen, medizinischen und caritativen Einrichtungen, berufliche Qualifizierungsmaßnahmen, Hilfe bei Arbeitsplatzsuche oder Unterstützung bei einer Geschäftsgründung.

Gebündelte Informationen

Für Monica Goracci, Leiterin der IOM in Deutschland, besteht der Mehrwert des Online-Projekts "Returning from Germany" darin: "Wer sich zuvor über Unterstützungsmöglichkeiten einer freiwilligen Rückkehr erkundigen wollte, war mit einer Fülle an unterschiedlichen Informationen konfrontiert." Das verbessere sich nun aufgrund des Portals, die Informationen seien dort übersichtlich und leicht zugänglich verfügbar gemacht, so Goracci.

Momentan befindet sich das Portal www.returningfromgermany.de noch in der Pilotphase ­­– Informationen gibt es auf Deutsch und Englisch. Bald sollen weitere Sprachen wie Arabisch und Farsi folgen. Die Bundesregierung und das BAMF erhoffen sich davon, dass die Zahl freiwilliger Rückkehrer wieder steigt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière dazu: „Das neue Online-Portal ist ein wichtiger Baustein beim weiteren Ausbau einer flächendeckenden Rückkehrberatung in Deutschland.“


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