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Ende der Roaminggebühren Grenzenlos telefonieren

Jetzt ist es amtlich: die Roaming-Gebühren beim Telefonieren im Ausland werden abgeschafft. Eine gute Nachricht für die Verbraucher. Die schlechte: gelten wird das erst ab Juni 2017 und es gibt Hintertürchen. Ein Zwischenschritt greift aber schon 2016.

Von: Katrin Schirner

Stand: 27.10.2015

Eine Information über die Roaminggebühren in Russland ist als Nachricht auf einem Smartphone zu sehen | Bild: picture-alliance/dpa

Schon in den grenznahen Gebieten piepen unsere Handys manchmal. Ohne dass wir es wollen, hat sich das Mobiltelefon zum Beispiel in einem österreichischen Telefon-Netz eingewählt. Bis zu 19 Cent zahlt man dann für abgehende Gespräche zusätzlich, bei ankommenden sind es 5 Cent. Und das Surfen im Internet kann pro Megabyte bis zu 20 Cent extra kosten. Das sind die aktuellen Roaming Aufschläge, wenn man sich im europäischen Ausland aufhält.

EU schafft Roaming-Gebühren ab

Lange haben Verbraucherschützer beklagt, dass diese Extra-Gebühren überhaupt nicht die tatsächlichen Kosten der Mobilfunk-Anbieter abbilden. Auf gut Deutsch: hier hatten die Telefon-Konzerne eine Kuh gefunden, die sich bequem melken ließ. Nach jahrelangem Kampf war es dann heute Mittag soweit: eine große Mehrheit der EU-Abgeordneten stimmte für die komplette Abschaffung der Roaming Gebühren ab dem 15. Juni 2017. In einem Zwischenschritt sollen schon ab dem 30. April 2016 die Gebühren noch mal deutlich sinken.

"Künftig wird es für den Verbraucher keinen Unterschied mehr machen, ob er sich beim Nutzen digitaler Angebote über Ländergrenzen hinweg bewegt. Das schafft mehr Komfort beim Telefonieren und Surfen und stärkt die Mobilität. Die heutige Entscheidung zur Abschaffung der Roaming-Gebühren ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen digitalen Markt mit 350 Millionen Menschen."

Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Fair-Use-Regelung

Europa wäre aber nicht Europa, wenn es nicht ein Hintertürchen gäbe. Bis Ende 2016 soll die EU Kommission die Durchführung regeln. Man will nämlich vermeiden, dass sich findige Nutzer eine billige Karte besorgen, zum Beispiel aus Litauen oder Rumänien, und damit in Deutschland permanent im Roaming sind. Eine "Fair-Use-Regelung" könnte zum Beispiel vorsehen, dass nur eine bestimmte Datenmenge oder eine noch zu bestimmende Zahl von Gesprächsminuten pro Jahr wirklich frei ist.

"Wir haben lange dafür gekämpft , ursprünglich sollte das Roaming ja schon Ende diesen Jahres fallen. Das ist jetzt der Kompromiss. Die meisten europäischen Abgeordneten waren dafür, es gab eine solide Mehrheit. Auf jeden Fall eine sehr gute Nachricht für die Bürger."

Angelika Niebler, MdEP, CSU

Vorsicht ist angesagt

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Die Verbraucherzentralen dringen darauf, dass man diese Deckelung großzügig bemisst, schließlich sollen die Verbraucher auch im Urlaub ihr Handy wie gewohnt nutzen können. Da wird es noch ein Gezerre geben, denn die Telefongesellschaften fürchten um ihre Profite und werden ihre Lobbyisten an die Front schicken. Mit den Argumenten "Arbeitsplätze sichern" und "Netzausbau finanzieren" werden sie bei der EU-Kommission alles daran setzen,  das kostenfreie Roaming so weit wie möglich einzuschränken. Das gilt übrigens besonders für die Verträge mit Geschäftskunden. Der Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen bleibt deshalb vorsichtig, und will sich die Vorschläge der Kommission ganz genau anschauen.

"Das Aus der Roaming-Gebühren ist leider mit einem großen Aber versehen worden. Verbraucher zahlen schon viel zu lange zu hohe Gebühren für mobiles Telefonieren im Ausland. Die EU-Kommission muss jetzt dafür sorgen, dass das Ende der Roaming-Gebühren endlich Realität wird."

Klaus Müller, Vorstand Bundesverband Verbraucherzentralen

Umsetzung für 2017 geplant

Auch das Europäische Parlament hat versprochen, mit Argusaugen darüber zu wachen, dass das kostenlose Roaming ab Sommer 2017 wirklich umgesetzt wird. Die Augen offen zu halten empfiehlt sich aber auch für den Bürger selbst. Wenn der eigene Mobilfunk-Anbieter doch höhere Gebühren verlangt, als aktuell erlaubt, sollte man sich direkt beschweren. Besonders wichtig wird diese Aufmerksamkeit, wenn dann ab 2017 die neuen EU-Roaming-Regeln gelten werden.


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