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EU-Kommission Kostenfreies Roaming ohne Grenzen möglich

Nach heftiger Kritik lässt die EU-Kommission ihre Pläne für 90-Tage-Beschränkungen beim Roaming fallen. Der klare Vorschlag stößt auf viel Zustimmung.

Von: Kai Küstner

Stand: 21.09.2016

Günther Oettinger (r.) steht neben EU-Kommissar Andrus Ansip | Bild: pa/dpa/Olivier Hoslet

Man musste vor gut zwei Wochen die Ohren bei der EU-Kommission in Brüssel nicht übermäßig weit aufsperren, um einen lauten Protest-Schrei zu vernehmen. Grund war eine Idee der Kommission zur Ausgestaltung des sogenannten Roamings. Dem Vorschlag zufolge sollte es Urlaubern genügen, 90 Tage ohne Zusatzkosten zu telefonieren.

Nach den wütenden Reaktionen wurde das Vorhaben aber wieder kassiert. Nun also will die EU-Kommission doch keine zeitliche Begrenzung einziehen. "Wir werden kein Zeitlimit einführen, für wie viele Tage Urlauber das Roaming frei von Zusatzkosten genießen können", erläutert der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip.

Droht Telekom-Unternehmen die Pleite?

Der neue Vorschlag scheint in der Tat zunächst deutlich verbraucherfreundlicher. Jedenfalls müsste man sich damit als Urlauber am Strand oder als Geschäftsreisender im EU-Ausland in der Tat keine Gedanken mehr darüber machen, wie viele Tage man schon im Gastland verbracht hat. Aber: Trotzdem steht die EU noch immer vor der Aufgabe, Missbrauch ausschließen zu müssen,

EU-Digital-Kommissar Guenther Oettinger etwa berichtet, dass jemand auf die Idee kommen könnte, sich in Estland oder Lettland - in dem das Telefonieren im Vergleich zu Westeuropa billiger ist – einen Vertrag zu besorgen. Passiert das, dann gehen Telekom-Firmen schnell pleite, fürchtet man bei der EU-Kommission.

"Wir wollen erreichen, dass  Missbrauch von den Telefon-Unternehmen geprüft und verhindert werden kann."

Günther Oettinger

Endgültiger Beschluss im Dezember

Anbieter von Telekommunikationsdiensten sollen einschreiten können, wenn ein Nutzer sich in seinem Heimatland aufhält, aber dennoch dauerhaft auf günstigere Roaming-Tarife aus dem Ausland zurückgreift. "Allerdings werden dies die Telefon-Firmen sehr wohl mit ihren automatischen Verfahren machen. Da wird nicht hinter jedem Smartphone ein Kontrolleur stehen", verspricht Oettinger.

Nun sind die EU-Einzelstaaten, das Parlament und die Telekom-Unternehmen gefragt. Sie werden sich über den neuen Vorschlag beugen. Ein endgültiger Beschluss soll im Dezember getroffen werden. Schließlich sollen pünktlich zu den Sommerferien 2017 die Zusatzkosten für Telefonieren, SMS-Schreiben und Internet-Surfen im EU-Ausland wegfallen. So jedenfalls hat es die EU den Verbrauchern versprochen.  

Die ersten Reaktionen aus dem EU-Parlament jedenfalls sind durchaus positiv: "Die Kommission kommt langsam zu Sinnen", kommentierte der CSU-Politiker Markus Ferber den neuen Vorschlag. Und die SPD-Telekom-Expertin Constanze Krehl applaudiert mit einem schlichten "Richtig so."

  • ARD-Korrespondent Kai Küstner | Bild: WDR/Markus Krüger Kai Küstner

    Seit 2013 ist Kai Küstner Korrespondent im ARD-Studio Brüssel.


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