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Umstrittene Skischaukel im Allgäu Naturschützer halten Kompromiss für "Kasperltheater"

Im Streit um das Skiliftprojekt am Riedberger Horn im Allgäu macht Bayerns Heimatminister Markus Söder (CSU) einen Kompromissvorschlag. Seit Wochen leisten Landtags-Opposition und Naturschützer Widerstand.

Stand: 31.10.2016

Riedberger Horn | Bild: picture-alliance/dpa

Heimatminister Markus Söder (CSU) hat für die umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn einen Kompromiss angekündigt: Demnach sollen die Flächen, die für den Bau der Liftverbindung aus der Alpenschutzzone C herausgenommen werden müssten, von 150 Hektar um fast die Hälfte auf 80 Hektar schrumpfen. Außerdem solle als Ausgleich eine 290 Hektar große Fläche in der Nähe unter den höchsten Schutz des Alpenplans gestellt werden. Details zu den geänderten Plänen sind noch nicht bekannt.

"Jetzt haben wir mehr ökologische Fläche als vorher. Da muss ja eigentlich das Herz eines jeden Naturschützers aufgehen."

Heimatminister Markus Söder

Das Ministerium bereite derzeit eine konkrete Planung vor, die als Grundlage für die Verwirklichung des Liftverbundes zwischen zwei Skigebieten dienen soll. Sie soll bereits in zwei bis drei Wochen an das bayerische Kabinett gehen.

Skischaukel läuft durch geschützten Bereich

Als „Kasperltheater“ bezeichnet dagegen der Schwaben-Referent des Bund Naturschutz, Thomas Frey, Söders Kompromissvorschlag für die Skischaukel am Riedberger Horn. Er beruft sich auf das Konzept der Schutzzonen, das betroffene Bereiche vor der Erschließung schützen soll.

"Wenn ich die Schutzzone immer auf die Flächen schiebe, die ich gerade nicht brauche, kann ich mir das Ganze auch komplett sparen. Wenn Herr Söder das ernst meint, hat er den Zweck der Alpenschutzzone C nicht verstanden."

Thomas Frey, Schwaben-Referent des Bund Naturschutz.



Die Bürger der beiden beteiligten Gemeinden hatten sich kürzlich in Bürgerbefragungen für einen Zusammenschluss der Skigebiete ausgesprochen. Die sogenannte Skischaukel ist allerdings höchst umstritten, weil die geplante Lifttrasse durch einen streng geschützten Bereich der Alpen verläuft und damit eigentlich unzulässig ist.

Vielfältiger Widerstand

Ministerpräsident Horst Seehofer hatte dennoch zugesichert, das Projekt voranzutreiben. Landtags-Opposition und Naturschützer kritisieren dies scharf. Alpenverein, Bund Naturschutz und andere haben deshalb bereits Klagen angekündigt. Auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat am vergangenen Wochenende angekündigt, eine solche Klage zu unterstützen.

Zuletzt gab es auch Widerstand aus den Reihen der Christsozialen: Der CSU-Umweltarbeitskreis verabschiedete auf seiner Landesversammlung eine Resolution, in der die Landesregierung vor einem Rechtsbruch gewarnt wird.

Hintergrund: Alpenplan

Der Alpenplan gilt seit 1972 und unterscheidet drei verschiedene Zonen: In der striktesten Schutzkategorie, der Zone C (etwa 42 % des bayerischen Alpenraumes) sind neue Verkehrserschließungen mit Ausnahme notwendiger landeskultureller Maßnahmen (z. B. Alm- und Forstwege) unzulässig.

Zu dieser Zone C gehört auch das Gebiet am Riedberger Horn - und ist damit eigentlich tabu. Der Alpenplan müsste für das Projekt Skischaukel gelockert werden, was rechtlich umstritten ist. Bundesumweltminiserin Hendricks bekräftigte, dass der Freistaat die Vereinbarkeit der geplanten Erweiterung des Skibetriebs am Riedberger Horn im Allgäu mit internationalem Recht überprüfen müsse. Der Alpenplan mit seinen strengen Schutzauflagen sei völkerrechtlich bindend.


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hans, Dienstag, 01.November, 21:14 Uhr

16. Skischaukel

Zitat: "Keine Zerstörung eines letzten Birkhuhnreservats für eine überflüssige Skischaukel!" - Zum Glück gab es noch keine Menschen, als die Dinos ausgestorben sind. Die Dinos hätten vielleicht diese ganzen so genannten Natürschützer gefressen. Was überflüssig ist und was nicht, sollten nicht nur Grüne entscheiden. Aber diese Minderheit hat soviel Macht - demokratisch gesehen eigentlich unglaublich.

Gerda, Montag, 31.Oktober, 17:22 Uhr

15. Naturschutz

Man fragt sich, was Herr Söder für das Durchdrücken dieses widersinnigen Vorhabens als "Gutti "bekommt.Und es zeigt wieder einmal, daß Verträge und Vereinbarungen nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen (Ceta?) Wenn die Politik entscheidet, hat Otto Normalbürger immer das Nachsehen, wie seit jeher. Warum also, es wird auf absehbare Zeit immer weniger Schnee geben und die Nutzung auf kürzeste Zeit möglich sein. Dafür wurde die Natur erfolgreich geschädigt.Aber das betrifft dann ja die nächste Generation.

  • Antwort von Pius Studer, Montag, 31.Oktober, 20:09 Uhr

    Genau so ist es.....- Dem gibt es nichts beizufügen. - "Nach mir die Sintflut, ich habe meine "Kohle" im Sack......"

thorie, Montag, 31.Oktober, 16:15 Uhr

14. verkehrte welt

klimawandel...erderwärmung....
ist es nicht das, was uns immer wieder vorgegaukelt wird, um ungeliebte massnahmen durchzusetzen.
"bald gibts da gar keinen schnee mehr.....blablabla...."
und jetzt stellt sich der söder hin und ist für eine skischaukel!!
bald kein schnee---aber skischaukel !
verstehs wers will.

franke, Montag, 31.Oktober, 15:58 Uhr

13. Die Ware Demokratie

Das Volk braucht nicht gefragt werden. Das machen alles die (Umwelt- u. Natur) Verbände.
Es lebe die Verbandsdemokratie.

  • Antwort von Lotti, Dienstag, 01.November, 08:37 Uhr

    Und das ist auch gut so.

Pius Studer, Montag, 31.Oktober, 15:31 Uhr

12. Skischaukel im Allgäu

Immer und immer wieder muss man leider feststellen, dass Gesetze, europaweite Vereinbarungen, Richtlinien, grenzüberschreitende Konventionen, speziell im Bereich "Natur", gebrochen werden. - Man begründet das immer wieder mit "übergeordneten Interessen". In dem Land, wo ich wohne und herkomme, hat man die "Alpenschutzinitiative"- beschlossen vom Volk im 1994! - bis heute nicht richtig umgesetzt!! - Die Regierungen, Leute ganz "oben", die Vereinbarungen / Gesetze mit Füssen treten, einfach ignorieren, wundern sich nachher, dass sich viele Wähler von ihnen abwenden bez. eine Art Politik-Verdrossenheit zum Ausdruck bringen. Die Zeiten sind nun endgültig vorbei, wo man diesen Teil des "Fussvolkes" ganz einfach in eine linke oder rechte (radikale) Ecke abschieben kann. Diese Menschen sind ebenfalls mit "Denkvermögen" ausgestattet worden.... Die Gesetzgeber sollten endlich spüren, dass sie diese - aus ihrer Sicht "Gefahr" - mit ihren nicht demokratischen Entscheidungen selber heranzüchten.