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Riedberger Horn Interessenskonflikt im Skischaukel-Fall?

Die geplante Skischaukel am Riedberger Horn wird kontrovers diskutiert, es geht um Umweltschutz und Tourismus. Jetzt sorgt ein weiterer Aspekt für Aufregung: Offenbar würden Lokalpolitiker persönlich von den Plänen profitieren. Kritiker sind entsetzt, Obermaiselstein ist empört.

Von: Doris Bimmer und Christoph Scheule

Stand: 08.12.2016

Blick auf den Berggrat am Riedberger Horn in Richtung des Skigebietes Grasgehren bei Obermaiselstein, über den die Skigebiete Grasgehren und Balderschwang verbunden werden sollen. | Bild: dpa/picture-alliance/Hildenbrand

Norbert Schäffer ist entsetzt: Sechs von insgesamt 18 Lokalpolitikern aus den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang sollen beim Ausbau des Riedberger Horns zu einem großen Skigebiet persönliche Interessen verfolgen. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz sagte der Süddeutschen Zeitung:

"Jetzt hat man natürlich den Verdacht, dass die sechs Gemeinderäte die Skischakel nicht nur zum Wohle ihrer Gemeinden wollen, wie sie immer sagen, sondern auch zum eigenen Vorteil."

Norbert Schäffer, LBV-Vorstandsmitglied

Dem SZ-Bericht zufolge sind der Obermaiselsteiner Bürgermeister Peter Stehle sowie vier weitere Gemeinderäte Gesellschafter des Investors, der die Skischaukel umsetzen möchte, ein weiterer ist der Sohn eines Gesellschafters. Bei dem Investor handelt es sich um die „Grasgehrenlift Otto Schmidt OHG“.

SPD-Umweltexperte fordert Enthaltungen der Politiker

Nicht nur Norbert Schäffer von Landesbund für Vogelschutz zeigte sich entsetzt. Der Umweltexperte der bayerischen SPD, Florian von Brunn erklärte, seine Partei habe schon immer kritisiert, dass am Riedberger Horn die Natur dem blanken Profit geopfert werden soll. Jetzt müssten alle Namen aller Gesellschafter und mögliche Parteispenden offengelegt werden.

"Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wer von diesem rechtswidrigen Projekt profitieren würde."

Florian von Brunn, SPD-Umweltexperte

Die betroffenen Gemeinderäte und insbesondere Bürgermeister Stehle forderte der SPD-Politiker auf, sich künftig bei Abstimmungen, bei denen es um das Projekt geht, "wenigstens aus Anstand zu enthalten".

Obermaiselstein reagiert empört

Der SZ-Artikel hat in Obermaiselstein Empörung ausgelöst. Dabei stoßen sich die Bewohner der Oberallgäuer Gemeinde nicht an der Tatsache, dass es die wohl engen Kontakte gibt, sondern vielmehr an der Aussage des Artikels. Dieser suggeriere, man habe eine zuvor vertuschte Neuigkeit aufgedeckt. Bürgermeister Peter Stehle sagte im BR-Gespräch, er müsse dem Bericht aus mehreren Gründen widersprechen.

Der Obermaiselsteiner Bürgermeister Peter Stehle widerspricht dem Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Zunächst befinde man sich in der Phase der Flächennutzungsplanung: Es stehe also noch gar nicht fest, wer später den eventuellen Lift betreiben wird. Er vermute, es werde eine ganz neue Gesellschaft sein. Er und die betroffenen Gemeinderäte hätten vorher mit dem Landratsamt und mit der Verwaltung abgeklärt, ob eine persönliche Beteiligung vorliege. Dies sei in diesem Stadium verneint worden.

"Deshalb mussten wir als Gemeinderäte mit abstimmen."

Obermaiselsteiner Bürgermeister Peter Stehle

Würde der Investor, die Grasgehren-Lift Otto Schmidt OHG als Bauherr auftreten, dann wäre eine persönliche Beteiligung da, räumt Stehle ein. In Obermaiselstein findet niemand etwas an den bereits bekannten Verbindungen auszusetzen. Dort ist man vielmehr auf die Naturschützer, oder wie sie im Ort bezeichnet werden, "sogenannten Naturschützer", schlecht zu sprechen.


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Michael, Sonntag, 11.Dezember, 12:54 Uhr

27. Die armen Obermaiselsteiner

Den armen, am Hungertuch nagenden Obermaiselsteinern geht es offensichtlich nur darum ein lukratives Investitionsprojekt vor der Haustüre zu verwirklichen - und die selben Damen und Herren schimpfen auf Umweltschützer, Bergwanderer und Skitourengeher und verbitten sich jegliche Einmischung in das Bauprojekt an IHREM Riedberger Horn.

Und jetzt wird auch noch die Recherche der Süddeutschen Zeitung kritisiert - nein, nicht weil irgendwas Falsches behauptet wird sondern weil die Wahrheit rund um Investoren, Bürgermeister und Gemeinderäte auf den Tisch kommt. Diesen Fakten schaut man in der Oberallgäuer Provinz verständlicher Weise ungern in die Augen.

Schützt das Allgäu, Sonntag, 11.Dezember, 11:47 Uhr

26. Riedberger Horn

Es zeigt sich einmal wieder, das gewisse Leute im Allgäu nur noch den Profit sehen.
Diejenigen, die für den Bau dieser Ski-Anlage sind, haben nur ihren eigenen Profit im Blick.
Wenn die Allgäuer weiter mit ihrer Landschaft und wunderschöne Natur so umgehen, dann sieht das Allgäu bald so aus wie die Landschaft in Österreich.
Nein zum Bau des Skilift und nein zum Bau weiterer touristischer Anlagen im Allgäu.

as, Freitag, 09.Dezember, 12:29 Uhr

25. Seltsam???

Ich finde es schon seltsam, dass die gewählten Gemeindräte und Bürgermeister sich nicht grundsätzlich für den Erhalt ihrer Heimat und Natur einsetzen.
Das müsste ihnen doch am Herzen liegen.
Aber das steht diesen Personen wohl doch der eigene Profit näher, als die Heimat zu erhalten! Das brauchen sich diese Leute wie der Bürgermeister gar nicht rausreden, glaubt ihm eh keiner!
Kaputte Landschaften gibts in Bayern schon genug, da brauch man dann auch nicht mehr ins Allgäau zu fahren.

Zwiesel, Donnerstag, 08.Dezember, 19:24 Uhr

24. Leitkultur?

Ist das ein Teil der Leitkultur, so wie die CSU sie versteht?

John Eimer, Donnerstag, 08.Dezember, 18:35 Uhr

23. Jeder kann es riechen das "gschmäckle"

Unabhängig einmal davon das ein für das zweife´lhafte Projekt ein Eingriff in die höchste Schutzzone C des Alpenplans vorgenommen werden soll..

Laut BGM Stehle: "Es stehe also noch gar nicht fest, wer später den eventuellen Lift betreiben wird"
Würde der Investor, die Grasgehren-Lift Otto Schmidt OHG als Bauherr auftreten, dann wäre eine persönliche Beteiligung da, räumt Stehle ein.

(...)

Natürlich glauben wir alle das ausgerechnet für den neu entstehnden Lift nun ein externer Betreiber gesucht wird. hat ja auch bei der Kostenverteilung. nur vorteile wenn man ständig Ein,- und Ausgaben gegenrechnen muss. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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