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Alpenschutz versus Liftprojekt Staatsregierung treibt Pläne für Riedberger Horn voran

Sie gehört zu den umstrittensten Projekten in den Alpen: die geplante Skischaukel am Riedberger Horn. Denn sie liegt in der sensiblen Alpenschutzzone C. Nun segnete das Kabinett einen Kompromissvorschlag von Heimatminister Markus Söder ab. Naturschützer kritisieren den Beschluss.

Von: Rudolf Erhard und Veronica Zapp

Stand: 29.11.2016

Der Söder-Deal soll den gordischen Knoten beim umstrittenen Liftprojekt quer durch die Alpenschutzzone C am Riedberger Horn durchschlagen, hofft die Staatsregierung: Die Fläche, auf der die geplante Skischaukel die Skigebiete von Balderschwang und Grasgehren-Obermaiselstein verbinden und die Alpenschutzzone C durchschneiden soll, wird von 150 auf 80 Hektar reduziert. Im Gegenzug soll es eine Kompensationsfläche geben.

"Wir verdreifachen den Teil an Fläche für die Alpenzone C, den wir möglicherweise herausnehmen für den Skilift. Das heißt, es gibt die wirtschaftliche Entwicklung, es gibt mehr Naturschutz an dieser Stelle - das ist meiner Meinung ein guter Kompromiss."

Markus Söder, Finanz- und Heimatminister Bayerns

Neue Schutzgebiete

Konkret solle die Schutzzone C im Alpenplan um rund 224 Hektar ökologisch hochwertigster Flächen erweitert werden, sagte Söder nach der Kabinettssitzung. Insgesamt betrage die Kompensationsfläche 304 Hektar. Der Bürgermeister von Balderschwang, Konrad Kienle, begrüßte im BR-Interview den Vorschlag. Die Bürger der beiden beteiligten Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein hatten sich kürzlich in Bürgerbefragungen für einen Zusammenschluss der Skigebiete ausgesprochen. 

"Es ist ein guter Beschluss, dass wir jetzt die Verbindung der beiden kleinen Skigebiete Balderschwang und Grasgehren weiter verfolgen können."

Konrad Kienle, Bürgermeister von Balderschwang

Kritik an Ausgleichsfläche

Hubert Weiger vom Bund Naturschutz im Allgäu kritisierte den Vorschlag als "skandalöse Augenwischerei". Wenn die Schutzzonen immer genau dahin verschoben würden, wo gerade keine Erschließung geplant sei, dann sei der Sinn dieser Schutzmaßnahmen verfehlt. Der SPD-Umweltexperte Florian von Brunn klagte, der sogenannte Kompromiss von Söder sei nur ein billiger Taschenspielertrick, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Der Minister wolle als Ersatz für die Umweltzerstörung am Riedberger Horn zwei Gipfel unter Schutz stellen, die schon längst unter Naturschutz stehen. Prüfen und genehmigen muss den Vorschlag ohnehin noch das Landratsamt.

Der Allgäuer Landtagsabgeordnete der Grünen, Thomas Gehring, bezeichnet den Schutzflächentausch hingegen als Farce. Laut Gehring sei das so, als wolle man die Eisbären in der Arktis retten, indem man ein dreimal so großes Schutzgebiet in der Sahara ausweise.

Hintergrund: Alpenplan

Der Alpenplan gilt seit 1972 und unterscheidet drei verschiedene Zonen: In der striktesten Schutzkategorie, der Zone C (etwa 42 % des bayerischen Alpenraumes) sind neue Verkehrserschließungen mit Ausnahme notwendiger landeskultureller Maßnahmen (z. B. Alm- und Forstwege) unzulässig.

Zu dieser Zone C gehört auch das Gebiet am Riedberger Horn - und ist damit eigentlich tabu. Der Alpenplan müsste für das Projekt Skischaukel gelockert werden, was rechtlich umstritten ist. Bundesumweltminiserin Hendricks bekräftigt, dass der Freistaat die Vereinbarkeit der geplanten Erweiterung des Skibetriebs am Riedberger Horn im Allgäu mit internationalem Recht überprüfen müsse. Der Alpenplan mit seinen strengen Schutzauflagen sei völkerrechtlich bindend.


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Kommentare

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Kubisch Hans-Dietrich, Mittwoch, 30.November, 13:49 Uhr

48. Riedberger Horn

Auch ein Herr Söder kann den Klimawandel nicht aufhalten. Ebenso ist der Klimawandel durch Bürgerentscheide nicht zu beeinflussen. Was macht es daher für Sinn, wertvolle Natur zu zerstören für einen kurzfristigen Effekt für eine flatterhafte Spaßgesellschaft? Wasserskifahren auf dem Riedberger Horn wird bei weiter steigenden Temperaturen sicher niemand mehr wollen. Und nur die Natur zu zerstören, damit ein Herr Söder sich als Macher präsentieren kann, darauf können wir in Bayern getrost verzichten. Herr Söder sollte sich lieber mal darum kümmern, dass inzwischen sterbende Regionen Bayerns, wie z.B. weiter Bereiche Oberfrankens und der Oberpfalz, wieder ihren Bewohner eine Zukunft mit Arbeitsplätzen und guten Zukunftsperspektiven bieten. Das Allgäu wird künftig sicher besser am sanften Tourismus und heiler Umwelt verdienen, als am Ruf eines nicht schneesicheren Skigebiets.

  • Antwort von Anton von Berg am Laim, Donnerstag, 01.Dezember, 07:33 Uhr

    Ob das eine gute Idee ist, wenn der Herr Söder sich um die Menschen in sterbenden Regionen Bayerns kümmert? Ich meine, der Herr Söder hat eher die Perspektiven seiner Partei im Allgemeinen und seine eigene Perspektive im Besonderen im Auge... Das "Heimatministerium" ist schon ein raffiniertes Werkzeug, da kann man sich um alles kümmern. Bloß was versteht man unter Heimat, was versteht der Söder unter Heimat? Franken, Bayern, Deutschland , Europa? Schon wieder Fragen über Fragen.

Anton von Berg am Laim, Mittwoch, 30.November, 13:29 Uhr

47. Riedberger Horn

Wieso hackt man denn dauernd auf dem armen Herrn Söder herum? Der einzige, der was sagt. Aber, macht der sich nur wichtig? Ist er denn überhaupt zuständig? Handelt es sich hier nicht um wirtschaftliche Interessen, wie Sportanlagen-Betreiber, Gastgewerbe etc.? Ist denn dafür nicht das Wirtschaftsministerium zuständig? Haben wir noch ein solches? Und zweitens, ist hier nicht auch die Umwelt betroffen? Ist denn dafür nicht das Umweltministerium zuständig? Haben wir noch ein solches? Oder ist der Herr Söder gar für alle Ministerien zuständig, die sich nicht mehr rühren? Oder dürfen die sich nicht mehr rühren? Oder wollen die sich nicht mehr rühren? Weil der Herr Söder wird's schon richten. Und gibt's in der CSU überhaupt niemand, der vernünftig denkt, dem es in erster Linie um die Sache geht, und nicht um jeden Preis um die Parteilinie? Oder trauen die sich nichts sagen? Oder dürfen die nichts sagen? Fragen über Fragen und keine Antworten. Traurig, traurig, traurig. Und wen wählen Sie?

Wolfgang Schönfelder, Mittwoch, 30.November, 11:11 Uhr

46. Riedberger Horn.

Hallo!
1.Frage, würde das Projekt ganz ohne staatliche Förderung oder Bürgschaften überhaupt umgesetzt werden.

2. Mehr Möglichkeiten für Tageeschiausflüge brringen mehr störendne PKW-Verkehr.

3. Klimawandel, lohnt das?

4. Alternative, nach französischen Vorbild wenn schon, dann Schianalgen in Österreich mit Unterkünften für Urlaube von mindestens einer Woche, ohne Tageeschipässe.
Wenn die gäste um eine Woche bleiben sind auch weniger gigantische Zufahrtsstraßennötig. Evtl. nur direkte Seilbahnzufahrt vom Bahnhof im Tal direkt in das Schigbebiet mit Unterkünften. Siehe autofreie Orte in der Schweiz! Z.B. in Filzmoos die Parkhäuser zu Kompakthotels umbauen, siehe Fahrradhotel von "Rotel" in Passau.

Statt 7-mal sonntags eine Woche am Stück Schiurlaub.

In Höhen über 2200m gibt es etliche scheesichere geeignete Hochtäler mit Flächen über Baum- und Almgrenzen, Geröllhalden die im Prinzip weder durch Pistenraupen noch Schifahrer ökoligsch runiert werden können.

Michael J., Mittwoch, 30.November, 10:34 Uhr

45. Ja, ja...

"Heimatminister" bedeutet wohl "Minister für die heimischen Gewerbetreibenden".
Ausgleichsflächen sind per se großer Quatsch, weil es immer nur eine Papierdeklaration ist. Dem Naturschutz ist damit nicht wirklich geholfen, wie es Huber Weiger so treffend formuliert.

Im Grunde ist der Vorschlag und der Beschluss aber genau das, was ich von einem Herrn Söder erwarte: nichts Gutes.

Christoph, Mittwoch, 30.November, 02:31 Uhr

44. Flughäfen und Gewerbegebiete

Es ist wirklich zum Kotzen wie die CSU einen Berg nach dem anderen kaputt macht. Wir haben nicht soviele in Bayern! Das Brauneck ist unwiederbringlich zerstört mit künstlichem See und Plastikplane das schöne natürliche Schigbiet Sudelfeld hat so eine hässliche Seewanne gekriegt und jetzt das Riedberger Horn. Wo sollen wir eigentlich noch hinfahren um schöne ursprüngliche Natur zu erleben? Es gibt bald nichts mehr in Bayern davon, nur noch Flughäfen, Gewerbegebiete, 8spurige Autobahnen und überdüngte Wiesen auf denen nichts mehr blüht ausser Löwenzahn. Das alles ist die CSU schuld.
Es wird endlich Zeit für eine rotgrüne Regierung in Bayern