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Deutsche Rentenversicherung Rente wird im nächsten Jahr steigen

Die 21 Millionen Rentner in Deutschland können sich darauf einstellen, dass ihre Altersbezüge im kommenden Jahr um rund drei Prozent steigen werden. Dank der guten Konjunktur sprudeln die Einnahmen, die Ausgaben steigen deutlich langsamer – noch.

Von: Christine Bergmann

Stand: 14.11.2017

Rentnerin, Haende, Geld, Euro | Bild: picture-alliance/dpa/Schoening

Nach Einschätzung des Vorstandschefs der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel werden die Altersbezüge kommendes Jahr um gut drei Prozent steigen, ohne dass er sich auf eine genaue Zahl hinter dem Komma festlegen will. Sicher ist gleichzeitig, dass die Beitragszahler zum Jahreswechsel etwas entlastet werden: Der Beitragssatz sinkt von derzeit 18,7 auf 18,6 Prozent – und auf diesem vergleichsweise niedrigen Wert könnte er vier Jahre lang bleiben.

Die Zahlen können laut Alexander Gunkel nur eine Schätzung sein, weil erst im Januar bekannt sein wird, wie sich die Löhne entwickelt haben.

"Ja, in der Tat, da wird momentan eine Lohn- und Gehaltsentwicklung unterstellt, die unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsfaktors, der auch noch zu berücksichtigen ist, eine Rentenanpassung von rund 3 Prozent in den neuen und in den alten Ländern ermöglichen würde."

Alexander Gunkel, Deutschen Rentenversicherung

Sieben Mrd. Euro für Mütterrente

Alexander Gunkel ist der Vertreter der Arbeitgeber im Bundesvorstand und wechselt sich mit der Vertreterin der Gewerkschaften, Annelie Buntenbach im Vorsitz ab. Deren unterschiedlichen Meinungen, die mal mehr oder weniger deutlich zu Tage treten machen die Veranstaltung dann schon interessanter. Und noch spannender ist, in welchen Punkten sie sich einig sind. Und dazu gehört das Thema Mütterrente. Sie auszuweiten, wie es die CSU will, würde sieben Milliarden Euro im Jahr kosten. Das dürfe nicht den Beitragszahlern aufgebürdet werden.

"Es handelt sich eindeutig um Leistungen für deren Erwerb keine Beiträge gezahlt wurden und die daher sachgerecht auch nicht aus Beitragsmitteln zu finanzieren sind. Es kann ja nicht sein, dass die Politik Wohltaten verteilt und die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nachher diejenigen sind, die dafür gerade stehen müssen."

Annelie Buntenbach, Vertreterin der Gewerkschaften

Gute Konjunktur

Einig ist sich der Bundesvorstand auch, dass die – im Moment - vollen Kassen der Rentenversicherung nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass die gute Lage vor allem der guten Konjunktur geschuldet ist. Damit kann es aber schnell vorbei sein und in etwa 5 Jahren kippt die Situation auch bei einer guten Wirtschaftslage. Dann wird die Rücklage zusammengeschmolzen sein auf das gesetzliche Minimum. Die Beitragssätze müssen dann wieder steigen.

Beitragssatz sinkt

Noch steht die Rentenversicherung bestens da. Die Renten werden steigen, der Beitragssatz sinken. Das ist gesetzlich so vorgesehen. Ein Mechanismus – den die beiden Vorstände übrigens unterschiedlich beurteilen. Alexander Gunkel, als Vertreter der Arbeitgeber, ist für die Beitragssenkung. Annelie Buntenbach würde den Beitragssatz lieber stabil halten.

"Ich finde an der Stelle ist es nicht sinnvoll, sondern eher widersinnig jetzt abzusenken, um nachher dann umso schneller und höher wieder anheben zu müssen, weil das ist ja das, was wir alle wissen, was auf uns zukommt."

Annelie Buntenbach, Vertreterin der Gewerkschaften

Rente mit 70 kein Thema

Sie würde das Geld lieber dafür nutzen, um die Leistungen der Rentenversicherung zu Verbessern. Zum Beispiel bei der Erwerbsminderungsrente. Vor allem wenn es zu einer Flexibilisierung des Rentenalters kommen sollte. Beim Stichwort Flexibilisierung wurde interessanterweise nur darüber geredet, was passiert, wenn ein Arbeitnehmer früher in Rente gehen will oder muss. Eine Verlängerung des Rentenalters, also die Rente mit 70 zum Beispiel, wurde kaum thematisiert. Die Vertreterin der Gewerkschaft ist natürlich dagegen, aber auch der Arbeitgebervertreter Alexander Gunkel, war auffallend zurückhaltend.

"Es ist kein Bedarf, dass jetzt über diese Frage verbindlich entschieden wird aber man muss eben dann langfristig und rechtzeitig genug, vor 2030 sehen wie das Rentenalter weiterentwickelt werden soll."

Alexander Gunkel, Deutschen Rentenversicherung

In fünf Jahren wird es knapp

Den Parteien in Berlin, die gerade in den Sondierungsgesprächen stecken, wollten die Vertreter der Deutschen Rentenversicherung vor allem mit auf den Weg geben, dass jetzt, in dieser Legislaturperiode, die Weichen gestellt werden müssen, um die Rentenversicherung auch in Zukunft wetterfest zu machen. Sich nicht von den vollen Rentenkassen täuschen zu lassen, in ca. fünf Jahren wird es deutlich knapper aussehen und dann ist es womöglich zu spät zu handeln.


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