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Viel Geld für wenig Tempo Surfen auf dem Land ein Viertel teurer

Wer auf dem Land lebt, kann ein Lied davon singen: Surfen kann nervtötend langsam sein - und es ist auch noch teurer als in der Stadt. Diesen Regioaufschlag weist nun erstmals eine Untersuchung nach: Der Internetzugang kostet auf dem Land im Schnitt 60 Euro mehr im Jahr.

Von: Christian Sachsinger und Birgit Gamböck

Stand: 22.08.2016

Breitbandkabel wird verlegt. | Bild: pa/dpa/Uli Deck

Es ist ärgerlich, aber in Deutschland gibt es so etwas wie eine Zweiklassengesellschaft. Der Kunde auf dem Land hat weniger Anbieter zur Auswahl, muss oft mit geringeren Geschwindigkeiten beim Surfen klar kommen und zahlt meist auch noch mehr. Diese gefühlte Benachteiligung wies nun das Vergleichsportal Verivox nach. Um durchschnittlich 23 Prozent - also um fast ein Viertel - teurer ist der Internetzugang in ländlichen Regionen. Dieser Regioaufschlag kostet den Verbraucher monatlich bis zu fünf Euro.

Weniger Leistung für mehr Geld

Die Preisunterschiede begründen die Anbieter damit, dass außerhalb von Großstädten oft nur die Telekom DSL-Leitungen zur Verfügung stellt. Der Konzern diktiert dann die Preise. Viele der kleineren Gesellschaften spielen da nicht mit, und so ist die Anbieterdichte laut Verivox auf dem Land oft nur halb so groß wie in Städten. Nicht alle Anbieter verlangen den Regioaufschlag, löbliche Ausnahmen sind laut Verivox: O2/Telefonica Deutschland und mehrere Kabelinternetanbieter.

5 Mbit/s sind quälend langsam

Damit nicht genug: Auf dem Land sind die Übertragungsgeschwindigkeiten nicht selten um ein Vielfaches niedriger. Ein Breitbandcheck der Grünen Ende des vergangenen Jahres ergab für Bayern eine durchschnittliche Datenübertragungsrate von 14,84 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Rund 20 Prozent der bayerischen Haushalte auf dem Land surfen der Umfrage zufolge mit weniger als 5 Mbit/s. Das reicht noch zum Checken von E-Mails und Facebook. Filme schauen oder Surfen von mehreren Personen im Haushalt wird da zum Geduldsspiel - oder ist einfach nicht drin.

Bayerns Breitband-Initiative

Seit 2013 treibt die bayerische Staatsregierung den Breitbandausbau mit 1,5 Milliarden Euro Fördergeldern voran. Das Ziel: schnelles Internet bis in den letzten Weiler. Im Moment werden dafür rund 14.700 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Laut der Zwischenbilanz von Juni haben jetzt 55 Prozent aller Haushalte in ländlichen Gemeinden einen Internetanschluss mit 30 Megabit pro Sekunde - im Oktober 2013 waren es 27 Prozent. Um von schnellem Internet zu sprechen, braucht es laut Experten mittlerweile aber eigentlich 100 Mbit/s.


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sympathie träger, Montag, 22.August, 20:01 Uhr

11.

zum glück ist die telekom nicht mehr monopolist ! den wettbewerb macht ja alles besser , oder ? wäre es nicht sinnvoller , wenn ein staatsunternehmen die verpflichtung hätte alle bürger im ganzen land gleich gut und zu gleichen konditionen zu versorgen ! so haben wir in den grossen ballungsräumen sendemasten von allen anbietern und auf den land steht man halt nur im wald , weil da ist der gewinn einfach nicht der wahnsinn ! beim internet ist es eben nicht anders !
wo die kohle abgeschöpft werden kann da sieht man was wettbewerb für wirklich alle bringt ! bei der post und den paketdienssten ist es ja ähnlich !

Franz, Montag, 22.August, 15:04 Uhr

10.

Wem heute noch kein schnelles Internet zur Verfügung steht, hat sich oftmals die falschen Leute in die Ortsregierung gewählt. Dort werden leider die falschen Prioritäten gesetzt.

In vielen Gemeinden funktioniert es. Dort hat man Geld in die Hand genommen und sich um die Sache gekümmert.

Dann gibt es aber auch Gemeinden, wo man nur erfährt, wer angeblich schuld ist. Nämlich immer die anderen.

N. Schöttl, Montag, 22.August, 15:01 Uhr

9. Tempo beim Surfen

Bzgl. dem Tempo beim Surfen kann ich mich nicht beklagen, sofern dieser per Kabel d.h. per Telekom erfolgt. Schlecht ist dagegen die Versorgung per Mobilfunk und da tun sich die 3 Netzbetreiber nichts. Peinlich finde ich es insofern, da es gerade mal 60 Kilometer vor den Toren Münchens ist. Doch was will man sagen, es bekam hier Herr Dobrindt sogar ein Direktmandat. Vielleicht liegt es auch nur daran? Die CSU liebt ja Traditionen und im Mittelalter gab es nun mal kein Mobilfunk.

RittervStein, Montag, 22.August, 09:51 Uhr

8. Internet auf dem Land

Ich wohne seit 20 Jahren auf dem Land in Ofr, es gibt kein Handy-Netz, DSL nur "Soft", d.h. 354kb/s Download; ich würde gerne etwas mehr bezahlen wenn ich dafür schneller surfen könnte. Es gibt also nicht nur eine Zweiklassengesellschaft bezüglich des Preises, sondern es gibt auch eine Zweiklassengesellschaft bezüglich der Möglichkeit an der Teilnahme am öffentlichen Leben! Bevor jetzt ein ganz Schlauer wieder argumentiert: zieh doch in die Stadt! - kann ich mir leider nicht leisten! Seit mindestens 20 Jahren ist auch die Rede vom DSL-Ausbau auf dem Land - aber nichts hat sich getan, zumindest nicht der der Region wo ich wohne!

  • Antwort von Manfred, Montag, 22.August, 13:59 Uhr

    Ich kenne Ihre spezielle Situation nicht.
    Aber häufig ist es einfach auch Desinteresse seitens der Gemeinde. Ich wohne hier in der Nähe von München, die gesamte 10.000 Einwohner Gemeinde ist bis jetzt VDSL frei. (Und DSL 16.000 gibt es auch nur in wenigen Ecken.)
    Die Gemeinde hat sich nicht dafür interessiert, vor ein paar Jahren (Kommunalwahlen) wurde groß getönt, wir kümmern uns um schnelles Internet. Passiert ist nichts. - JETZT endlich baut die Telekom ein VDSL-Netz hier.

    Im übrigen muss man nicht gleich in die Stadt ziehen. Es gibt oft auch sehr kleine Orte mit sogar FTH, müsste man sich erkundigen.

Artus, Montag, 22.August, 09:46 Uhr

7. Schnelles Internet auf dem Land

Der Glasfaserausbau auf dem Land kostet Geld. viel Geld.
Hier zeigt sich ganz konkret der Nachteil der Privatisierung. Deshalb wäre es vernünftig, die öffentliche Hand übernimmt die Kosten für den Ausbau der Leerrohrinfrastruktur und vermietet die dann an die verschiedenen Provider.
Nach dem Verfahren wie es gerade in Bayern praktiziert wird, wird ausschließlich die Telekom bevorzugt. Die freilich hat ein großes Interesse ihre alten, störanfälligen Kupfernetze auf den letzten Meter zum Verbraucher so lange als möglich zu nutzen. Die benötigten Bandbreiten steigen schneller als der Ausbau des Netzes. Solange nicht jedes Haus und jeder Funkmast mit Glasfaser versorgt ist, solange wird sich auch auf dem Land kein wirklich schnelles Internet geben. Das freilich kostet viel Geld. Das die bayrische Staatsregierung nicht zu zahlen bereit ist. Baden Württemberg verfolgt da zukunftsweisendere Pläne, die auch nicht teurer sind. Viell lässt sich Söder von den Grünen dort zeigen, wie es geht.