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Wohnungsmarkt in Regensburg Leerstand trotz großer Nachfrage

Die Stadt Regensburg wird immer beliebter, Wohnraum demzufolge teurer und begehrter. Nichtsdestotrotz stehen in der historischen Stadt an der Donau viele Häuser und Wohnungen leer. Was läuft da schief?

Von: Marcel Kehrer

Stand: 28.03.2017

Leer stehendes Haus in Regensburg | Bild: BR/Marcel Kehrer

Kurt Raster von der Initiative "Recht auf Stadt" steht vor dem so genannten Adler-Haus, der wohl prominentesten leerstehenden Immobilie in Regensburg, direkt an einer Donaupromenade in der Altstadt.

Seit über 20 Jahren verfällt das Haus, die Eigentümerfamilie Adler streitet sich mit der Regensburger Stadtverwaltung. Auch hier ist man unglücklich, dass nichts vorangeht.

"Das ist kein schöner Anblick, wenn man das an so einer prominenten Meile über Jahre ertragen muss. Aber da fehlen uns die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten, um diesen Zustand kurzfristig zu ändern."

Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung

Viele Häuser und Wohnungen in Regensburg stehen leer.

Eigentum verpflichtet, zitiert dagegen Kurt Raster von der Initiative "Recht auf Stadt" aus dem deutschen Grundgesetz. Er kann nicht glauben, dass die Stadt hier wirklich machtlos sein soll. Seine Initiative hat einen Leerstandsmelder ins Leben gerufen. Das ist eine Internetseite, auf der eine Landkarte von Regensburg mit Markern erscheint. Jeder Marker steht für ein leerstehendes Haus.

Boom-Town Regensburg

"Boom-Town" wird gern als Synonym für Regensburg verwendet, die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, Mieten und Immobilien sind teuer. Es könne nicht sein, beklagt Raster, dass angesichts dieser Situation Häuser leerstehen.

"In dem Moment, wo es so eine so große Wohnungsnot gibt in Regensburg, wo Vermieter sich schon trauen, 23 Euro pro Quadratmeter zu verlangen, da kann man einfach nicht Häuser über Jahre, über Jahrzehnte leer stehen lassen. Das ist ein vollkommenes Versagen der Stadtverwaltung in dem Bereich."

Kurt Raster, Initiative Recht auf Stadt

Das will sich die Stadtverwaltung nicht nachsagen lassen. Sie hat im Januar eine neue Stelle im Rathaus für Wohnflächenmanagement geschaffen, betont Anton Sedlmeier, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Sie kann auf Eigentümer zugehen, beraten, Kontakte herstellen zu Interessenten.

"Wir können uns aber nicht verzetteln. Wir müssen in der jetzigen Lage insbesondere an den Stellen ansetzen, an denen in einem erheblichen Umfang Wohnraum geschaffen wird. Wir werden uns nicht mit jedem Einzelhaus auseinandersetzen."

Anton Sedlmeier, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung

500 leere Zimmer im Schloss

Manchmal sei aber auch eine Kommune machtlos, so Amtschef Sedlmeier, zum Beispiel bei zerstrittenen Erbengemeinschaften. Rein statistisch ist der Leerstand in Regensburg laut Stadtverwaltung kein Problem. Auch die knappen Sozialwohnungen würden dank spezieller Förderprogramme mehr. Es sei sogar so, dass ein gewisser Leerstand notwendig sei, damit der Wohnungsmarkt und damit auch Umzüge funktionieren können.

Die aktuellsten Zahlen sind von der Volkszählung 2011, demnach stehen 2,8 Prozent der über 83.000 Wohnungen in der Stadt leer. Kurt Raster kritisiert, dass sie nicht öfter erhoben werden. Er hofft, dass der Leerstandsmelder hilft, Druck zu machen. Darin sind auch ungewöhnliche Objekte verzeichnet: Im Thurn und Taxis-Schloss - kritisiert ein Eintrag - stünden mitten in der Stadt 500 Zimmer leer.

  • Marcel Kehrer | Bild: BR Marcel Kehrer

    Marcel Kehrer ist Mitarbeiter im BR-Studio Ostbayern und berichtet für Hörfunk, Fernsehen und Online


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Amelia, Dienstag, 28.März, 12:34 Uhr

2. Leerstand genügt nicht

Viele Besitzer haben jahrelang Geld aus den Häusern gezogen, ohne zu renovieren. Jetzt ist ein Investitionsstau da, aber nicht das Geld, das investiert werden müsste, damit die Wohnungen dem heutigen Lebensstandard angepasst werden. Das ist die Krux bei den "Immobilien für Rentner". Da haben Menschen mit ihren Ersparnissen Eigentumswohnungen erworben und wohnen im Alter mietfrei dort. Geld ist keines übrig. Der Erbe wohnt woanders und will auch nur Geld rausziehen, denn heute verkauft man ja nicht...

waldler, Dienstag, 28.März, 08:54 Uhr

1. Stadtverwaltung

"Wir können uns aber nicht verzetteln. Wir müssen in der jetzigen Lage insbesondere an den Stellen ansetzen, an denen in einem erheblichen Umfang Wohnraum geschaffen wird. Wir werden uns nicht mit jedem Einzelhaus auseinandersetzen."

Ja das stimmt, man muss doch erst mal abklären, wem man die städtischen Grundstücke zuschanzen kann, damit dort Luxuswohnungen gebaut werden können.
Das ist im Moment halt etwas schwieriger und langwieriger, wg. Wolbergs, Tretzel, Schaidinger und CoKG.
Da kann man sich natürlich nicht mit solchen lästigen Dingen wie Häuserleerstand VERZETTELN.
Ist sich der Herr Anton Sedlmeier, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, eigentlich klar darüber was er da von sich gibt? Das könnte man auch als "Arbeitsverweigerung" bezeichnen.